TGA Energietechnik

TGA Ausgabe 03-2008
Daikin

Arbeitstitel Volkswärmepumpe

Abb. 1
Das Führungsteam von Diakin Germany will mit kostengünstigen und universell einsetzbaren Wärmepumpen „weg vom Öl“: Chairman Werner Rolles, Vertriebsleiter Gunther Gamst und Geschäftsführer Xavier Feys (v.l.). Rechts ist die geöffnete Hydrobox zu sehen.

Bereits auf der IKK 2006 hatte Daikin die Luft/WasserWärmepumpe Altherma vorgestellt. Nach erfolgreichem Feldtest beginnen jetzt die Vertriebsaktivitäten. Europaweit wird Deutschland einer der Schwerpunkte sein. Arbeitstitel für das AlthermaProjekt bei Daikin: Die Volkswärmepumpe, die sich jeder leisten kann. Das ist nicht übertrieben. Preislich orientiert sie sich an wandhängenden Gas-Brennwertheizkesseln.

(Anmerkung: Zum 31. Mai 2010 hat Daikin den Markennamen „Altherma“ bzw. „Altherma by Daikin“ in „Daikin Altherma“ gewechselt.)

Würde man im „gegnerischen Lager“ für den Endgebraucher relevante Argumente gegen Wärmepumpen sammeln, würden hohe Anschaffungskosten, Platzbedarf und Geräuschniveau auf den vorderen Listenplätzen landen. Will man in einen Markt aktiv werden, in dem man bisher nur geringen Zugang zu den Entscheidungsmittlern hat, eruiert man, welche Vorbehalte etablierte Marktakteure täglich überwinden müssen. Im Wärmepumpenmarkt steht auch auf dieser Liste ganz oben: Hohe Anschaffungskosten. Nicht nur im Wettbewerb der Systeme sind sie bedeutsam. Nach einer Umfrage der Heizungsindustrie1) sind sie einer der Hauptgründe, warum Modernisierungen aufgeschoben werden.

» Großserienfertigung und Außenluft als Wärmequelle sind der Schlüssel zu preisgünstigen Wärmepumpen.«

Hohe Anschaffungskosten resultieren bei Wärmeerzeugern im Wesentlichen aus relativ geringen Stückzahlen, hohen Entwicklungskosten und dem Aufbau der Fertigung. Bei Wärmepumpen kommt die Art der Wärmequelle hinzu. Um eine günstige Wärmepumpe anbieten zu können, ergibt dies folgendes Strickmuster: Die Wärmequelle muss Außenluft sein, die Aufstellung sollte draußen erfolgen, es sollten möglichst viele Bauteile aus vorhandener Fabrikation verwendet werden.

Genau auf diesem Konzept basiert die Daikin-Wärmepumpe Altherma. Sie besteht aus drei Bau­elementen. Die eigentliche Wärmepumpe ist eine Außeneinheit aus der Großserienproduktion invertergeregelter Klimageräte für Außentemperaturen von –20 bis +25 °C (bei Trinkwassererwärmung bis +43 °C) und eine maximale Vorlauftemperatur von 55 °C. Sie wird über eine Kältemittelleitung mit der innen installierten Hydrobox verbunden. Diese ist in den Varianten „nur Heizung“ und „Kühlung und Heizung“ lieferbar. Neben dem Kältemittel- und Heizungswasserkreislauf enthält sie eine Heizungspumpe, ein Ausdehnungsgefäß und diverse Armaturen, eine Elektrozusatzheizung und ein Regelungssystem. Optional ist ein Trinkwasserspeicher aus Edelstahl mit 150, 200 oder 300 l Inhalt, unterem Rohrwärmeübertrager und oben angeordnetem elektrischen Zusatzheizer, der auch für die wöchentliche Thermische Desinfektion benutzt wird.

Die Investitionskosten für die gesamte Wärmeerzeugung inkl. Installation und Trinkwasserspeicher gibt Daikin mit etwa 7000 bis 8000 Euro (inkl. MwSt.) an. Der Abgabepreis an das Handwerk liegt bei etwa 3500 Euro. Damit liegt Altherma im Neubau nur wenig über den Gesamtinvestitionen für einen wandhängenden Gas-Brennwertheizkessel mit Warmwasserspeicher. Die Vollkosten sollen aber laut Daikin nach den im Feldtest gemessenen Jahresarbeitszahlen niedriger ausfallen – auch ohne Wärmepumpentarife.

Dass bei Daikin Europe der Heizungswärmepumpenmarkt künftig zur Unternehmensstrategie gehören wird, lässt sich schon daran ablesen, dass man die Rolle des OEM-Lieferanten nicht einmal in Erwägung gezogen hat. „Dafür ist das zu wichtig für uns“, so Xavier Feys, Geschäftsführer von Daikin Airconditioning Germany. Warum das so ist, liegt auf der Hand: „Altherma“ ist auch eine langfristige Investition in einen erweiterten Kundenstamm. Dass Daikin dazu die erforderliche Ausdauer hat und zu Investitionen bereit ist, wurde bereits in den letzten Jahren im Privatklimamarkt bewiesen. Und hier trat man als Qualitätsanbieter gegen Massenware aus Verbrauchermärkten für ein Bedürfnis an, dass nur an wenigen Tagen im Jahr akut ist. Nun kann man als Qualitätsanbieter mit einem besonders günstigen Produkt ein unumstrittenes Bedürfnis befriedigen.

Die Ziele lassen die „Vision 2010“ von Daikin Europe erahnen. 2007 trug das Geschäftsfeld Heating 3 % am Umsatz von voraussichtlich über 1,9 Mrd. Euro bei. 2010 sollen es 10 % von über 3,1 Mrd. Euro sein. Umgerechnet auf den oben genannten Preis einer Altherma-Wärmepumpe müssten dazu dann in 2010 europaweit mehr als 60000 Einheiten verkauft werden. So viele Luft/Wasser-Wärmepumpen konnten 2006 alle Hersteller zusammen nicht in Europa verkaufen.

Altherma ist mit geringer monovalenter Heiz­leistung für Neubauten und energetisch sehr gut modernisierte Bestandsgebäude konzipiert. Um sich im Markt zu etablieren, wird aber ein erweitertes Angebot erforderlich sein. Denn die vertrieblichen Aktivitäten sollen vor allem auf den Kälte-Klima-Fachbetrieb und den Heizungsfachbetrieb mit Wärmepumpenausbildung (und 5-kg-Kältemittelschein) ausgerichtet werden. Im Neubau sind diese aber nur selten Entscheider und nicht gerade dafür bekannt, für jede Anwendung mit einem anderen Anbieter zusammenzuarbeiten. Es ist also zu erwarten, dass Daikin schon bald Varianten mit höherer Vorlauftemperatur und höherer Leistung nachlegt. Geeigneter Ort und Zeitpunkt dürfte die Chillventa vom 15. bis 17. Oktober in Nürnberg sein. Jochen Vorländer

1) Siehe: Heizungsmodernisierung – Fehlende Impulse, TGA 2-2008

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