TGA Energietechnik

TGA Ausgabe 08-2008

Neue Sau in Sicht

Der durch Förderprogramme ausgelöste Entwicklungsboom im Bereich solarthermisch angetriebener Kältemaschinen darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Weg zum Massenmarkt noch weit sein wird. Legt man die ­Erfahrungswerte aus der Entwicklungs­geschichte innovativer Heizungs- und Klimasysteme (Wohnungslüftungssysteme, Brennwertkessel, Fußbodenheizung, Wärmepumpe, Solaranlage, Quelllüftung, Kühldecke etc.) zugrunde, so ist mit einer Laufzeit von 20 Jahren von der Vorstellung eines Prototyps bis zum Massenprodukt zu rechnen. Überträgt man ­diese Erfahrungen auf solare Kühlsysteme und setzt das Jahr 2000 als Startpunkt für solare Kühlgeräte und Anlagen an, so dauert es nach den Trägheitsgesetzen der HLK-Industrie ­mindestens bis zum Jahr 2015, wenn nicht gar bis 2020, bis man von einem Massenmarkt sprechen kann.

Hinzu kommt, dass die klassischen Anbieter von Heizkesseln derzeit mit Brennstoffzellen- und Stirlingmotor-Heizgeräten, Mikro-BHKWs und der Weiterentwicklung der Elektro- und Gaswärmepumpe genügend Entwicklungsaufgaben haben, deren Kosten erst mal eingespielt werden müssen. Auch will man den Endverbraucher durch die zweifellos faszinierende Idee solargekühlter (und damit auch solarbeheizter) Häuser nicht zusätzlich verunsichern. Immerhin hat man aus der Erfahrung mit der vorschnellen Ankündigung der Brennstoffzellenheizung gelernt, dass der Verbraucher auf solche Neuheiten erst einmal mit „warten“ reagiert, das heißt, er lässt seine alte Heizung noch einmal gründlich warten und wartet dann auf die angekündigte Strom erzeugende Heizung.

Da viele Heizkesselhersteller nach langem ­Zögern jetzt gerade erst das klassische (elektrisch angetriebene) Klimagerät in ihr Portfolio aufgenommen haben, muss man Verständnis dafür zeigen, dass die Heizungsbranche das noch junge Pflänzchen „Klimagerät für Privathaushalte“ zum jetzigen Zeitpunkt vor zu viel „Sonne“ schützen will. Abgesehen davon ­müssen die jetzt offerierten solaren Kühlgeräte erst noch den Beweis erbringen, dass sie in unseren Breiten tatsächlich Primärenergie einsparen. Was für das sonnenreiche Südeuropa womöglich gut und richtig ist, muss nicht ­automatisch auch für unsere Breiten die ­richtige Lösung sein.

Eine neue Sau durchs Dorf zu jagen wäre zum jetzigen Zeitpunkt ein falsches Signal. Solare Kühlung sollte dem Verbraucher dann schmackhaft gemacht werden, wenn aus­gereifte und energieeffiziente Geräte zur ­Verfügung stehen.WS

Inhaltsübersicht

  1. Teil: Massenmarkt erst in 10 Jahren
  2. Teil: Paradigma: Die Komplexität solarer Großanlagen wird oft unterschätzt
  3. Teil: Neue Sau in Sicht
  4. Teil: Weitere Informationen
  5. Teil: Wolfgang Schmid
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