TGA Klimatechnik

TGA Ausgabe 09-2008
Menerga

Energieeffiziente Geräte gibt es nicht „von der Stange“

Abb. 1
Energiesparen als Unternehmensphilosophie. Aufgrund der Funktionalität eines Gebäudes und der Wünsche der Nutzer stellt der Klima- und Lüftungstechnikhersteller Menerga individuelle Komplettlösungen zusammen.

Es ist eine Erfolgsstory, die ohne Zweifel auch von der Energiepreisentwicklung beeinflusst wird: Einst für seine auf minimalen Energieverbrauch getrimmten Klima- und Lüftungsgeräte belächelt, erfährt Menerga heute für seine Unternehmensentwicklung und seine technischen Innovationen höchste Beachtung im Markt. Doch lässt sich das Konzept individuell geplanter Klima- und Lüftungstechnik trotz des starken Wachstums auch nach rund 25 Jahren weiter aufrechterhalten? Die Unternehmenslenker Dr. Jürgen Röben und Rüdiger Thiel stellten sich den Fragen der TGA Redaktion.

TGA: Wie stellt man ein Unternehmen, das von seinen Produkten ganz auf ­Individualität programmiert ist auf einen sprunghaft wachsenden Markt ein? ­Besteht derzeit die Gefahr, dass sich Menerga selbst verliert?

Thiel: Wir wollen weiter wachsen, das ist ­richtig und das ist auch eine Entwicklung, die der Markt begünstigt. Der Markt hat einen hohen Bedarf an energieeffizienten Systemen. Wir müssen uns dem stellen und entscheiden, ob wir ­diesen Markt bedienen oder nicht. Wenn wir es tun, wachsen wir fast zwangsläufig. Für sehr viele Unternehmen ist die aktuelle politische Diskussion rund um das Klima ein neues Thema, auf das sie sich erst einstellen müssen. Die Anforderungen und Bedürfnisse, die hierbei formuliert werden, sind bei Menerga aber schon seit der Unter­nehmensgründung Teil der Firmenphilosophie. Deswegen haben wir einen Wettbewerbsvorteil: Wir müssen uns nicht darauf einstellen, wir haben Energiesparen als ­Bestandteil unserer Historie verinnerlicht.

TGA: Wächst der Markt für hocheffiziente ­Geräte denn tatsächlich mit einem derartigen Tempo? Letztendlich würde das ja auch ­bedeuten, dass sich die Nutzer weg von der Investitions- zur Betriebskostenbetrachtung hin bewegen.

Röben: Die Investitionen werden immer noch auf eine hohe Waagschale gelegt und der Kaufmann oder Investor schaut zunächst auf die Einstiegskosten. Nichtsdestotrotz ist die Entwicklung hin zu individuellen Lösungen, die komplett ausgestattet sind immer weiter angestiegen. Insgesamt hat sich jedoch der Zeitgeist in Bezug auf die Themen Klima und Umwelt geändert und gerade Fachplaner sowie Architekten nutzen verstärkt die Möglichkeiten, die wir ihnen bieten können.

Derzeit erreichen uns aus dem Markt Fragen wie z.B.: „Ich habe hier einen Raum mit sehr viel Wärmeentwicklung – wie kann ich diese Energie sinnvoll nutzen?“ Das zeigt uns, dass sich die Zielgruppen intensiv mit dem Thema Energie auseinandersetzen und ein Bewusstseinswandel stattfindet, der uns die Türen öffnet. Natürlich schauen wir im geschilderten Fall erst einmal danach, dass diese Wärme gar nicht erst entsteht.

» Der Markt fordert jetzt verstärkt energieeffiziente Systeme. Wir müssen uns nicht darauf einstellen. Energiesparen ist Bestandteil unserer Historie.«

TGA: Sie sprachen gerade von komplett ­ausgestatteten Systemen…

Röben: Nichts wird in der Branche derart oft gebraucht wie die Begriffe System und System­anbieter. Viele verstehen unter System einen reinen Marketingbegriff; andere, dass sie möglichst viele Komponenten in einem gemeinsamen Gehäuse unterbringen. Wir definieren Klima- und Lüftungstechnik nach der Funktionalität eines Raums oder eines Gebäudes. Was will der Betreiber oder Nutzer mit dem Gebäude erreichen, welche Ziele hat er und welche klimatischen ­Bedingungen wünscht er? Wir gehen nicht mit dem Ziel in ein Beratungsgespräch dem Kunden zehn Anlagen einer bestimmten Größenordnung zu verkaufen, dann die Marge zu berechnen und dann noch einmal 30 % zu rabattieren. Wir ver­suchen zu eruieren was der Kunde benötigt und stellen ihm dann aus unserem „Baukasten“ eine Komplettlösung zusammen. Alleine schon aus ­diesem Grund kann und wird sich unsere ­Unternehmensphilosophie auch bei weiterem Wachstum nicht ändern, weil sie die Basis unseres Erfolges ist.

TGA: Wie würden Sie Ihre Fertigung und Ihren Vertrieb denn am ehesten charakterisieren?

Röben: Wir haben keine Fertigung in der wir vorne ein Stück Blech einbringen, das hinten bearbeitet herauskommt. Bei uns geht es um die Bedürfnisse des Kunden. Das können wir nur mit Mitarbeitern in Vertrieb, Service und Entwicklung abdecken, die entsprechend motiviert sind. Unserem Vertrieb bieten wir ein Tagesgeschäft mit sehr hohem Ingenieuranteil. Geht es bei anderen Produktionssystemen um Mengen, die unbedingt noch heute verkauft werden müssen, damit die Maschinen ausgelastet sind und die Marge stimmt, geht es bei uns um eine hoch flexible Einzelfertigung. Energieeffiziente Geräte gibt es nicht „von der Stange“. Sie finden derzeit im Markt viele Mitarbeiter im Vertrieb, bei denen es im Tagesgeschäft mehr um Preisfeilscherei als um Ingenieurleistung geht. Unser Vertrieb unternimmt genau das, was erforderlich ist, um effiziente Systeme zu erhalten – im Sinne des Architekten, Planers, Betreibers und Investors.

TGA: Wie werden Sie Ihre Organisation bei weiterem starken Wachstum aufbauen, um auch künftig genauso handeln zu können?

Thiel: Alle Unternehmensbereiche werden sich abgestimmt verändern und parallel wachsen. Uns steht derzeit für die strategische Planung eine Fläche für die Produktion zur Verfügung, die es erlaubt, unseren heutigen Umsatz zu verdreifachen. Wir errichten aktuell eine neue Fertigungshalle und werden in wenigen Jahren die nächste Halle erstellen. Ein wichtiges Thema in den kommenden Monaten ist für Menerga die Optimierung wesentlicher Prozesse, damit wir Anpassungen so vornehmen können, dass sie unser Wachstum effi­zient fördern. Das bezieht neben der Produktion z.B. das Beschaffungsmanagement, die Arbeitsvorbereitung aber auch die Verwaltung mit ein. Hier werden viele Prozesse bei uns in zwei Jahren ganz anders aussehen – immer unter der Prämisse, dass Individualität und Flexibilität weiter forciert werden.

In der Vergangenheit wurde immer wieder behauptet, dass es nicht möglich ist, flexibel und individuell zu sein, wenn formale Strukturen aufgebaut werden. Wir zeigen seit vielen Jahren das Gegenteil. Dafür ist es auch notwendig, Querdenker im Unternehmen zu haben, die immer wieder alles infrage stellen und dabei Gesellschafter im Rücken zu haben, die das nicht nur zulassen, sondern sogar fordern.

TGA: Herr Dr. Röben, Herr Thiel, welche Vision treibt Sie für die Entwicklung des Unter­nehmens und wo glauben Sie wird das Unternehmen in fünf bis zehn Jahren stehen?

Röben: Wir haben mit den Eigentümern des Unternehmens eine extrem gute Basis mit einem hohen Freiheitsgrad im Markt aktiv zu sein und damit neue Wege zu gehen. Wege, die jeder geht sind gleich – dadurch entstehen weder Veränderungen noch Innovationen. Wir haben die Vision im Kopf uns da zu bewegen, wo wir etwas bewegen können. Auch in fünf oder zehn Jahren werden wir diese Basis nicht verloren haben, sondern uns auch weiter in den Kernkompetenzen unseres Geschäftes bewegen. Wir werden weiterhin aktiv den Kontakt zu kreativen Planungsbüros suchen, uns aber auch in den Ebenen der Investoren, Politik, Architektur und Betreiber sicher bewegen.

Thiel: Ziel ist es, auch bei weiterem Wachstum individuell auf die Bedürfnisse der Menschen eingehen zu können, die wir bedienen und mit unserer Technik versorgen. Dafür schaffen wir derzeit in allen Unternehmensbereichen die Voraussetzungen. Das Alleinstellungsmerkmal, das wir dabei mit unserer Technik haben, werden wir in den kommenden Jahren konsequent ausbauen. Besondere Chancen sehe ich in der weiteren vertrieblichen Internationalisierung. Auch damit stellen wir sicher, dass sich der positive Trend der Vergangenheit fort­setzen wird.

Flankiert wird dies durch Markt- und Wettbewerbsanalysen, die auch etablierte Vertriebsgebiete einschließen. Wir expandieren derzeit ja nicht nur in den bestehenden Vertriebsgebieten, sondern haben z.B. in 2007 Menerga Finnland und Mener­ga Moskau gegründet. Dieses Jahr kommen Menerga St. Petersburg und Menerga Frankreich hinzu. Weiter streben wir an, in den kommenden Jahren unsere sehr guten Kontakte nach Südamerika und in die USA zu intensivieren, um dort den Markt für unsere energieeffizienten Klimasysteme aufzubauen.

» Der größte Effizienzgewinn liegt künftig in der intelligenten Verschaltung der Komponenten sowie der Steuerung und Regelung.«

TGA: Immer noch identifiziert die Branche Ihr Unternehmen mit dem Spezialisten für Schwimmbad-Klimatisierung. Wird die ­aktuelle Entwicklung dem Bild noch gerecht?

» Wir sind gierig darauf zu lernen und den Austausch in der Branche zu forcieren. Wir lieben auch Querdenker, die mal etwas aussprechen, was andere direkt verwerfen.«

Röben: Die Schwimmbad-Klimatisierung ist ein eng begrenzter Markt, den es in der Form eigentlich gar nicht gibt, denn bei so einem Objekt ist in der Regel auch ein Restaurant, die Kassenhalle etc. dabei. Wir sind aber in diesem Markt extrem präsent, obwohl er von unserem Umsatz her maximal 30 % ausmacht. Wir sind stolz darauf, gerade dieses sehr anspruchsvolle Gewerk als unsere Basis zu haben, denn hier haben wir gelernt mit Energie umzugehen. Was wir hier bewegen, können wir auf andere Bereiche übertragen. Und das Potenzial hierbei ist riesig. Auch der Bereich der Industrie konzentriert sich jetzt immer mehr auf die energetischen Kosten – bedingt durch die sprunghaft gestiegenen Energiepreise.

TGA: Sind wir Ihrer Meinung nach in punkto Effizienz an der Spitze des Machbaren ­angekommen?

Röben: Die rein mechanischen Komponenten sind weitestgehend ausgereizt und die Investitionen selbst für geringe Effizienzsteigerungen sind oft so hoch, dass keine tragbare Amortisa­tionszeit daraus resultiert. Deswegen gilt aber umso mehr: Der größte Effizienzgewinn liegt in der intelligenten Verschaltung der Komponenten sowie der Steuerung und Regelung. Diese Aufgabenstellung kann jedoch nicht pauschal durch ein Massenprodukt gelöst, sondern muss jedes Mal neu beantwortet werden. Ist es z.B. zielführend, eine Wärmerückgewinnung mit 85 % anzusetzen, wenn ich sie mit dieser Qualität gar nicht brauche? Die individuelle, auf das Objekt angepasste Zusammenstellung effizienter Komponenten führt dazu, dass die Gesamteffizienz drastisch erhöht werden kann.

Wenn Sie sehen, dass sich zwar eine Komponente im System plakativ im Wirkungsgrad verschlechtert, das Gesamtsystem dadurch aber gewinnt, verstehen Sie unsere Philosophie. Man kann nicht einfach alle Komponenten mit den besten Wirkungsgraden zusammenstellen und dann davon ausgehen, dass im Ergebnis ein perfektes Gerät mit der höchsten Effizienz entsteht. In der intelligenten Zusammenstellung, Verschaltung und Regelung wird in den kommenden Jahren weiterhin ein hoher Optimierungsbedarf liegen.

TGA: Wir haben bisher über die bislang ­bekannte Klimatechnik gesprochen. Derzeit haben Sie aber z.B. mit der sorptiven Klima­tisierung auch ein neues Verfahren zur Marktreife gebracht. Wird es aus Ihrer Sicht in den kommenden Jahren völlig neuartige Techniken in der Klimatisierung und Lüftung geben?

Röben: Die Klima- und Lüftungstechnik ist und bleibt an physikalische Grenzen gebunden. Was sich aber ändern kann, ist der Transport der aufbereiteten Luft in den Raum oder, dass sich herausstellt, dass mit weniger Außenluftanteil eine ebenso gute Luftqualität erreicht wird. Wir sehen uns sehr aufmerksam die Vorbilder in der Natur an und nutzen die Prinzipien und Gesetze der Bionik. Auch in der Natur finden Sie sorptive Klimasysteme. Grundsätzlich werden Sie aber immer Luft befördern, sie entfeuchten, befeuchten, heizen oder kühlen müssen, um die Funktionalität der Gebäude zu erreichen. Die Methoden hierfür können und werden sich ändern.

TGA: Sie engagieren sich in vielen Bereichen, wie es z.B. der Gewinn des Green Building Award oder die Auswahl für die Teilnahme am Buch des VDMA „Energie – Technologie der Zukunft“ zeigt. Worin sehen Sie den Nutzen solcher Engagements?

Röben: Wir sind und bleiben ein Unternehmen, das immer wieder versucht, etwas mit Externen zu bewegen. Wir hören auch jeden Erfinder an, der uns in Mülheim besucht – vielleicht präsentiert er etwas, das wir in irgendeiner Form verwerten können. Genauso ist es in der Zusammenarbeit mit Instituten, mit denen wir nach wie vor eng ­zusammenarbeiten, weil hier Spezialisten zu­sammenkommen, die Sie sonst nicht in dieser Konzentration finden. Dieser ständige Austausch und die permanente Offenheit für neues ist die Stärke, aus der unser Unternehmen seine Kraft zieht.

Wir gehen aber nirgends in Vorzeigeprojekte nur, um zu sagen: Wir sind dabei. Wir sind gierig darauf zu lernen und den Austausch in der Branche zu forcieren. Dabei lieben wir auch Quer­denker, die mal etwas aussprechen, was andere direkt verwerfen. Diese Freiheit können Sie mit ­einer Massenproduktion und einem Maschinenpark nicht leben. Hier geht es darum, das Kapital, das an die Auslastung der Maschinen gebunden ist, zu rechtfertigen. Hier wollen und können wir gar nicht mit anderen Anbietern der Branche konkurrieren, die so aufgestellt sind und natürlich auch ihre Berechtigung am Markt haben. Aber – und damit komme ich auf Ihre erste Frage zurück – deswegen wird Menerga niemals Gefahr laufen trotz eines enormen Wachstums seine Basis zu verlieren.

Thiel: Unser Engagement in diesen Bereichen ist stets zielgerichtet. Wir beobachten die Branche aktiv und begleiten den Sinneswandel hin zu energieeffizienten Klima- und Lüftungsgeräten. Wir hoffen jetzt, dass es in den kommenden Jahren einen offenen und fairen Wettbewerb in der Branche geben wird, in dem wir hoch wirtschaftliche Lösungen und Technologien weiter nach vorne bringen können. Unter dem Druck der steigenden Energiepreise wird sich dann die Spreu vom Weizen trennen.

TGA: Vielen Dank für das Gespräch.

http://www.menerga.de

  • Rüdiger Thiel, Dr. Jürgen Röben: „Unter dem Druck der steigenden Energiepreise wird sich dann die Spreu vom Weizen trennen.“
  • „Wir gehen nicht mit dem Ziel in ein Beratungsgespräch, dem Kunden zehn Anlagen einer bestimmten Größenordnung zu verkaufen. Wir versuchen zu eruieren, was der Kunde wirklich benötigt und stellen ihm dann aus unserem ‚Baukasten’ eine Komplettlösung zusammen.“
  • „Ist es zielführend eine Wärmerückgewinnung mit 85 % ­anzusetzen, wenn ich sie mit dieser Qualität gar nicht brauche? Die individuelle, auf das Objekt angepasste ­Zusammenstellung effizienter Komponenten führt dazu, dass die Gesamteffizienz ­drastisch erhöht werden kann.“
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