TGA Ausgabe: 01-2009

2009

1Gürtel enger schnallen

Abb. 1

Mit dem Blick auf die jüngsten Rohölpreise „die Zeiten billigen Öls sind vorbei“ zu proklamieren, erfordert schon etwas Mut und gute Argumente. Die sind aber auch vorhanden, nur nicht so leicht zu erkennen. Tatsächlich gibt es noch viele Ölfelder, in denen das Öl für wenige US-Dollar pro Barrel gefördert werden kann. Doch bereits bei dem aktuellen Marktpreis von rund 45 US-Dollar pro Barrel lassen sich mehrere Lagerstätten nicht wirtschaftlich ausbeuten. In den (aktuellen) Marktpreis fließen solche Dinge kaum ein, er bestimmt sich nicht nach Rücksicht auf die geschäftliche ­Situation der einzelnen Ölfelder, sondern nach ­Angebot und Nachfrage und durch einen gewissen Teil Spekulation.

Die Konjunkturabkühlung überschattet momentan ein großes Angebotsproblem auf dem Energiemarkt. Beim nächsten Aufschwung könnten deswegen die Energiepreise schnell und in eine ganz neue Region durchstarten. Eine energetische Modernisierung ist deswegen gerade jetzt sinnvoll.

Ohne Zweifel befindet sich die weltwirtschaftliche Lage momentan in einem Zustand, der sehr kurzfristig einen Anstieg des Ölpreises unwahrscheinlich macht. Fast noch sicherer ist allerdings, dass dem Abschwung ein Aufschwung folgt. Nur seinen Startpunkt, seinen Zeitpunkt und die Steilheit des Anstiegs kann niemand mit Gewissheit vorhersagen. Ziemlich gewiss ist indes, dass in der globalen Gesamtbetrachtung viel zu wenig daran gearbeitet wird, den Energieverbrauch deutlich zu senken und ebenfalls nur auf Sparflamme daran gearbeitet wird, die Förderkapazitäten zu steigern. Denn aktuell ist bei einer statischen Betrachtung beides unattraktiv.

Dies wird zwangsweise dazu führen, dass beim nächsten Aufschwung der Ölpreis wegen steigender Energienachfrage schnell klettern wird. Denn auch bei verringerter Ölentnahme haben viele den Weltmarkt bestimmende Lagerstätten ihr Fördermaximum längst überschritten. Steigender Nachfrage können sie nur bis zu einer bestimmten Grenze folgen, ohne den Aufwand enorm zu er­höhen. Und diese Grenze sinkt kontinuierlich – mit jedem geförderten Barrel. Steigt der Ölpreis, steigen auch die Gaspreise und auch die Preise für Kohle und Kernbrennstoffe und damit der Preis für elektrische Energie. Zwar gibt es hier überlagernde Effekte, aber der Preissog ist durch die prinzipielle Austauschbarkeit in einer freien Marktwirtschaft vorgezeichnet und ­historisch belegt.

Isoliert betrachtet klang der unlängst vom saudischen Ölminister Ali al Naimi geforderte „faire Ölpreis von 75 US-$“ so, als sollten wir seinem Land den Reichtum sichern. Tatsächlich war es aber eine Warnung vor dem, was uns (sonst) bald bevorsteht: Nämlich ein Ölpreisanstieg, der den letzten Gipfelsturm bis knapp unter 150 US-$ in den Schatten stellen wird. Ja, stellen wird und nicht stellen würde. Denn momentan scheint dies unausweichlich vorgezeichnet zu sein, weil viele der Erweiterungsinvestitionen von den Ölproduzenten zurückgestellt worden sind.

Nun ist die Ölförderung nicht gerade das Geschäft von TGA-Planern, Energieberatern und Heizungsbauern, aber sie nimmt einen gewaltigen Einfluss auf unsere Branche. Ob sich der Einfluss für unsere Kunden über einen längeren Zeitraum gerechnet positiv oder negativ auswirkt, liegt auch in unserer Verantwortung. Zu den Gewinnern können die Kunden gehören, die wir schon im Vorfeld über die Zusammenhänge aufklären. Wenngleich es sich bei der Energiepreisentwicklung nur um ein Szenario handelt, die Verbraucher wollen Antworten und Beratung zu diesen Themen. Auch von uns. Unsere Antwort kann deswegen nur lauten: Den Gürtel beim Energieverbrauch rechtzeitig enger schnallen, allerdings ohne dabei den Komfort einzuschränken. Am meisten profitiert, wer investiert, bevor der Höhenflug angesetzt hat und sich auch auf die Preise von Produkten und Dienstleistungen auswirkt. Also möglichst in 2009. Vergessen Sie nicht, Ihren Kunden das zu sagen und gut zu begründen.

Das TGA-Team wünscht Ihnen, Ihren Ange­hörigen und Mitarbeitern frohe Weihnachten und einen guten Start in ein erfolgreiches Jahr 2009.

Ihr

Jochen Vorländer, Chefredakteur TGA Fachplaner

Sie sind anderer Meinung?
Ich freue mich darauf:
vorlaender@tga-fachplaner.de

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