TGA Ausgabe: 03-2010

Wärmemarkt

1Zauberwaffe Förderdegression

Abb. 1

Der von der Modernisierung dominierte Markt für Wärmeerzeuger wuchs 2009 mit einem leichten Plus von 3 % gegenüber dem Vorjahr. Laut BDH-Statistik wurden im letzten Jahr in Deutschland 638000 Wärmeerzeuger zur ­zentralen Wärmeversorgung von Gebäuden und Wohnungen verkauft. Gewachsen hört sich zwar im allgemeinen Krisenjahr ganz positiv an, doch die Zeitreihe zeigt, dass deutlich mehr Aufwind ­erforderlich ist.

Das größte Krisenjahr der Heizungsindustrie war 2007, der Markt brach um 28 % ein und hängt seitdem zurück. Bei einem Wachstum von 3 %/a würde der Mittelwert der Jahre 2004 bis 2006 von über 750 000 Einheiten erst 2016 wieder erreicht. Aber schon bei den Absatzzahlen vor fünf Jahren wurde beklagt, dass sich der Modernisierungsstau verstärkt statt sich aufzulösen. Um das Durchschnittsalter im Wärmeerzeugerbestand spürbar zu senken und die kollektive Effizienz deutlich zu er­höhen, müssten mehr als 1 Mio. Wärmeerzeuger pro Jahr installiert werden.

Um die Heizungsmodernisierung anzukurbeln, haben BDH und BEE der Bundesregierung vorgeschlagen, den Druck auf Sanierungsunwillige durch Aufklärung, Pflichten und degressive Fördersätze im Marktanreizprogramm zu erhöhen.

Einfache Antworten, warum Gebäudeeigen­tümer ihre Heizungsanlagen auch bei schneller Refinanzierung der Investitionskosten durch die zu erwartenden Einsparungen nicht modernisieren, gibt es nicht. Allerdings haben die unstete Politik für den Wärmemarkt, eine Energie- und Energiesteuerpolitik ohne Gesamtkonzept, nicht auf eine langfristige Entwicklung ausgelegte staatliche Förderprogramme, unsichere Fördertöpfe sowie neue Gesetze und Verordnungen das Investitionsklima schwer belastet.

2009 kamen dann noch die Konkurrenz um Investitionsbudgets durch die temporäre Abwrackprämie für Autos und die von Schwarz-Gelb proklamierte Eindampfung der Einspeisevergütung für Elektrizität aus Photovoltaikanlagen dazu. Wie viele Haushalte haben wohl ihr Konto für diese Ein­malangebote abgeräumt, statt eine eigentlich überfällige Heizungsmodernisierung durchzuführen? Und wenn der Staat nicht eingegriffen hätte: Gab es im Jahr 2009 bei purzelnden Energie­preisen überhaupt eine besondere Motivation, eine noch funktionierende Heizung auszutauschen?

Motivieren soll nun Vater Staat. Die Zauberwaffe: Eine degressive Förderung im Markt­anreizprogramm für erneuerbare Energien (MAP). In einer gemeinsamen Resolution mit dem Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) hat der Bundesindustrieverband Deutschland Haus-, Energie- und Umwelttechnik (BDH) an die Bundesregierung appelliert, das MAP [von voraussichtlich 400 Mio. Euro] auf zunächst 1 Mrd. Euro/a auf­zustocken. Um die Impulswirkung zu erhöhen, sollen dann die Fördersätze einer jährlichen Degression unterliegen: Wer frühzeitig auf regenerative Systeme umsteigt, wird somit höher belohnt.

Parallel zu dem neuen Förderkonzept schlagen die Verbände eine breit angelegte Informationskampagne der Bundesregierung über die Vorteile einer Heizungsmodernisierung und die Weiterentwicklung des heute freiwilligen Heizungschecks zu einer verpflichtenden Überprüfung des energetischen Zustandes aller Heizungsanlagen vor. Heizungsanlagen, die älter als 15 Jahre sind, sollen dann auf dieser Basis regelmäßig inspiziert werden. Bei der Unterschreitung dynamischer Standards sollen die Eigentümer mit Fristsetzung zur Modernisierung angehalten werden.

Ein degressives Fördersystem für das MAP liegt als Vorschlag schon länger auf dem Tisch, wurde aber von der Branche nicht vorangetriebenen. Ambitionen, den Modernisierungsdruck im Bestand über Pflichten zu erhöhen, wurden vom BDH bisher bekämpft. Weil man eine Verstärkung des Modernisierungsstaus fürchtete.

Die zu begrüßende Neubewertung sollte von der Politik genutzt werden und in einem ganzheitlichen Konzept münden. Hierbei nicht die Grenze um das Heizungssystem, sondern um das Gebäude zu ziehen, wäre die nächste logische Konsequenz. Erstens weil für die Eigentümer nur eine Gesamtbetrachtung sinnvoll ist und zweitens weil sonst schon bald alle anderen Branchen mit vergleichbaren Programmvorschlägen die Wirkung mindern oder gar aufheben würden. Ob jährlich oder halbjährlich der richtige Takt ist, wäre sicherlich noch zu diskutieren. Unpraktisch wäre es allerdings, wenn der Umschaltzeitpunkt am Ende der Hauptsaison liegt.

Jochen Vorländer, Chefredakteur TGA Fachplaner

vorlaender@tga-fachplaner.de
http://www.tga-fachplaner.de

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