TGA Raumlufttechnik

TGA Ausgabe 07-2018
Referenzprojekt robatherm

Zeitgenössische RLT-Geräte-Kunst

1 Ausgetüftelt, aber immer noch innerhalb des normalen Leistungsspektrums von robatherm: Das RLT-Gerät für das im Februar 2018 wiedereröffnete Edwin-Scharff-Museum.

1  Ausgetüftelt, aber immer noch innerhalb des normalen Leistungsspektrums von robatherm: Das RLT-Gerät für das im Februar 2018 wiedereröffnete Edwin-Scharff-Museum.

Als Ulrich Setzer vom Ingenieurbüro Conplaning mit der Planung der Raumlufttechnik für den Umbau des Edwin-Scharff-Museums in Neu-Ulm begann, dachte er nicht an eine Lösung, welche für sich schon ausstellungswürdig sein würde. Ein schwankendes Raumklima, aber auch der veraltete Brandschutz und Mängel in der Alarmsicherung führten zu der 3,7 Mio. Euro teuren Sanierung. Ohne diese Investitionen wäre der Betrieb als Kunstmuseum mit seinen kostbaren Exponaten so nicht mehr möglich gewesen. Verständlich, schließlich wollen Leihgeber wertvoller Kunstwerke die Risiken so gering wie möglich halten.

Kompakt informieren

Wegen eng begrenzter Aufstellmöglichkeiten wurde für das Edwin-Scharff-Museum ein RLT-Gerät in L-Form mit vertikaler Luftführung über fünf Etagen konzipiert, in das zudem ein Kaltwassersatz für die Luftkonditionierung und die Kaltwasserversorgung von Kühldecken integriert wurde.

Zusätzlich wurde die Kaltwasserhydraulik im Gerät untergebracht, sodass bauliche Maßnahmen zur Abtrennung der Hydraulik von der Ausstellungsfläche eingespart wurden.

Das RLT-Gerät konnte aufgrund der Flexibilität der TrueIndividual-Baureihe von robatherm ohne Sonderkonstruktionen ausgeführt werden.

Verantwortlich für die komplette Gebäudeausrüstung und damit auch für die Raumlufttechnik beim Umbau des Edwin-Scharff-Museums in Neu-Ulm war das renommierte Ulmer Ingenieurbüro Conplaning. Die zunächst festgelegten Anforderungen an das RLT-Gerät klangen ganz gewöhnlich: 3000 m3/h Luftvolumenstrom, ein Erhitzer auf 22 °C (Medium: 60/40 °C), ein Kühler auf 12 °C (Medium: 7/13 °C) zur Trocknung im Sommer, Nacherhitzer sowie Schalldämpfer. Außerdem sollte das gesamte RLT-Gerät in wetterfester Ausführung sein.

Die erste Auslegung des RLT-Geräts war für Ulrich Setzer von Conplaning ernüchternd. Das RLT-Gerät war deutlich zu groß. Was tun, mehr Platz stand nicht zur Verfügung und die Installation einer zeitgemäßen Raumlufttechnik war schließlich ein zentraler Punkt der Renovierung?

Kein Platz für ein „normales“ RLT-Gerät

Gemeinsam mit Werner Mayer von robatherm diskutierte Ulrich Setzer über die vorgegebenen Platzverhältnisse und die verschiedenen Möglichkeiten. Setzers Konzeptidee, die Raumlufttechnik auf einer Plattform zwischen zwei Gebäuden unterzubringen, stellte sich als große Herausforderung heraus. Ein Blick auf den Gebäudeplan genügte, um festzustellen, dass ein „normales“ RLT-Gerät, das die Anforderungen erfüllte und zudem aktuellen Richtlinien und Normen entsprach, an der vorgegebenen Stelle niemals Platz finden würde.

Mayer tüftelte und erarbeitete daraufhin eine Gerätekonzeption, welche den Anforderungen entsprach und gleichzeitig im Rahmen der modularen Bauweise von robatherm ohne zusätzliche Sonderkonstruktionen realisierbar war. Gewöhnliche RLT-Geräte mit der geforderten Luftmenge sind meist nicht besonders hoch und die Ab- und Zuluft-Volumenströme liegen übereinander. Um Platz zu sparen konzipierte Werner Mayer das RLT-Gerät für eine vorrangig vertikale Luftführung. Die Luft durchläuft dabei senkrecht insgesamt fünf Ebenen. Bereits in der Vergangenheit hatte Mayer immer mal wieder auf diese Art der Luftführung zurückgegriffen, wenn es die Platzbedingungen erforderten.

Wohin mit dem Kaltwassersatz?

Die Lösung schien für Setzer damit gefunden. Doch schon bei der anschließenden Besprechung des Gesamtprojekts gab es den nächsten Dämpfer. Das Gerät entsprach mit seinen Abmessungen zwar dem verfügbaren Platz, jedoch gab es keine alternative Aufstellmöglichkeit für einen externen Kaltwassersatz. Dieser sollte ursprünglich neben dem RLT-Gerät positioniert werden. Die Hydraulik der Kaltwasserverteilung für die einzelnen Verbraucher sollte dann im Gebäudeinnern platziert werden.

Erneut setzten sich Setzer und Mayer zusammen und fanden schließlich auch dafür eine Lösung: Der externe Kaltwassersatz wurde in das RLT-Gerät integriert. Die Idee mit der senkrechten Luftführung blieb bestehen, zusätzlich wurde das RLT-Gerät noch in L-Form konzipiert. Auf diese Weise konnte in das RLT-Gerät ein separater Installationsraum für die Kälte- und Kaltwasserzeugung integriert werden.

Lediglich knapp die Hälfte der Kälteleistung von 56 kW wird vom RLT-Gerät benötigt. Für die beiden Zuluftzonen sind jeweils 14 kW vorgesehen. Die andere Hälfte der Kälteenergie wird für den Betrieb der Kühldecken im Erd- und Obergeschoss benötigt. Außerdem verlegten Setzer und Mayer die Hydraulik der Kaltwasserverteilung einschließlich der Regelung der unterschiedlichen Vorlauftemperaturen für Lüftung und Kühldecken ebenfalls in den Installationsraum im Innern des RLT-Geräts.

Ein Vorteil, über den sich der Bauherr sehr freute. Der ursprüngliche vorgesehene Platz im Gebäudeinnern für die Verrohrung war hinfällig und konnte der Ausstellungsfläche zugeteilt werden. Angesichts der ohnehin be-engten Platzverhältnisse des Museums war dies ein signifikanter Mehrwert. Ein weiterer Pluspunkt waren die eingesparten Kosten, da zusätzliche Baumaßnahmen, um die hydraulische Verrohrung von der Ausstellungsfläche zu separieren, dank der neuen Lösung nicht mehr notwendig waren.

Ohne Sonderkonstruktionen

Auch wenn es sich um eine besondere Lösung handelt, war diese ohne Sonderkonstruktionen oder zusätzlichen Entwicklungsaufwand möglich. Dies ist auf die Flexibilität der TrueIndividual-Baureihe des führenden Anbieters von Premium-Produkten für die Raumlufttechnik zurückzuführen. Der Verzicht auf mögliche Sonderkonstruktionen bedeutete für den Bauherrn konkret zwei Pluspunkte. Zum einen verursachen Sonderkonstruktionen meist Mehraufwand, angefangen von der Entwicklungsabteilung bis hin zur Produktion und Montage. Mehraufwand, der letztlich vom Bauherrn bezahlt werden muss.

Zum anderen bedeuten Sonderkonstruktionen auch, dass sie außerhalb des gewohnten Leistungsspektrums produziert werden. Fehlende Erfahrungswerte und negative Überraschungen in der Umsetzung können die Folge sein. Auch wenn Setzer und Mayer ein ungewöhnliches und optimal auf die Bauaufgabe abgestimmtes RLT-Gerät konzipierten, bewegten sie sich immer noch im Standardprogramm von robatherm. Dies schafft Sicherheit für den Planer und Bauherrn, sowohl bei der Realisierung als auch beim späteren Betrieb der Anlage. Die Anlieferung und Montage des RLT-Geräts erfolgte an einem Tag. Mit einem Autokran wurden die einzelnen Gerätesegmente auf die dafür vorgesehene Plattform gehoben – an sich kein ungewöhnlicher Vorgang, aber aufgrund der Innenstadtlage und der Bedeutung des Museums berichtete das Regionalfernsehen ausführlich über die Anlieferung.

Raumklima eingehend untersucht

Vor der offiziellen Eröffnung wurde das Raumklima über Wochen hinweg eingehend untersucht. Dem Zufall überlässt Setzer nämlich nur ungern etwas. Letzte Parameter wurden feinjustiert, sodass der feierlichen Wiedereröffnung im Februar 2018 nichts mehr im Wege stand. Verschiedene Museen und Privatsammler vertrauten zur Wiedereröffnung dem Edwin-Scharff-Museum Gemälde und Skulpturen zur Ausstellung an. Guten Gewissens können die Verantwortlichen des Edwin-Scharff-Museums dieses Vertrauen nun rechtfertigen – auch dank der Planung und Umsetzung vom Ingenieurbüro Conplaning und robatherm.

„Es ist fast schade, dass die Gebäudetechnik für die Museumsbesucher verborgen bleibt“, bemerkte Mayer augenzwinkernd bei der Abnahme des robatherm-RLT-Geräts. Zumindest für Gebäudetechniker wäre das RLT-Gerät im Edwin-Scharff-Museum ebenso ein Besuch wert, betrachten können es jedoch maximal drei Besucher zeitgleich – für mehr Besucher ist kein Platz.

Inhaltsübersicht

  1. Teil: Zeitgenössische RLT-Geräte-Kunst
  2. Teil: RLT-Gerätetechnik auf einen Blick
  3. Teil: Robert Sauter
  • 2  Selbst für den Fotografen war es aufgrund der Platzverhältnisse eine Herausforderung, das RLT-Gerät auf ein Bild zu bekommen.

  • 3  Planer Ulrich Setzer (rechts) und Werner Mayer von robatherm bei der Besichtigung des RLT-Geräts.

  • 4  Im Anlagenschema wird die Luftführung in L-Form im RLT-Gerät deutlich.

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