TGA Leitartikel

TGA Ausgabe 09-2018
Baubranche

Bald am Limit

» Der Wohnungsneubau in Deutschland boomt. Für die Deckung des tatsächlichen Neubaubedarfs fehlen jedoch zunehmend Fachkräfte, insbesondere SHK-Handwerker. «

Der Wohnungsneubau boomt weiter: Nach 285 000 neuen Wohnungen 2017 dürften im laufenden Jahr 300 000 Wohnungen fertiggestellt werden, schätzt KfW Research. Das wären zwar so viele wie seit der Jahrtausendwende nicht, die Zahl der neu errichteten Wohnungen bliebe damit aber weiterhin deutlich hinter dem Bedarf zurück. Um Engpässe zu beheben, wären bis 2020 jährlich 350 000 bis 400 000 Fertigstellungen nötig.

Die wichtigste Ursache für die zu geringe Anzahl neuer Wohnungen liegt laut KfW Research nicht an zu wenigen Bauwilligen oder an zu langsamen Genehmigungsprozessen der Kommunen. Vielmehr hapere es an der Umsetzung bewilligter Bauvorhaben. Dr. Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW Bankengruppe: „In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Schere zwischen Baugenehmigungen und -fertigstellungen im Wohnungssektor immer weiter geöffnet. Aktuell warten in Deutschland 653 000 genehmigte Wohnungsneubauten auf Umsetzung. Ich erwarte, dass die Zahl bis Jahresende weiter steigt.“

Die Gründe für den hohen Bauüberhang sind vielschichtig: Im Mietwohnungsbau dauert etwa die Fertigstellung oftmals länger als zwei bis drei Jahre. Auch sei davon auszugehen, dass einige Bauherren den Baubeginn nach Genehmigung verzögern, weil sie auf steigende Mieten und Immobilienpreise in der Zukunft oder auf künftig wieder niedrige Baukosten spekulieren.

Eine zentrale Rolle spielen aber Kapazitätsengpässe in der Bauwirtschaft – und zwar zunehmend ausgelöst durch Fachkräftemangel. Das Bauhauptgewerbe konnte die Baunachfrage bisher durch die Zuwanderung ausländischer Fachkräfte befriedigen. Jeder sechste Mitarbeiter in diesem Wirtschaftszweig stammt mittlerweile aus dem Ausland. Im Ausbaugewerbe bestehen jedoch Engpässe, warnt Zeuner: „Im Klempner- und SHK-Handwerk hat sich das Fachkräfteangebot im vergangenen Jahr weiter verknappt, wie die hohe Zahl und die lange Dauer offen ge-meldeter Stellen bei der Bundesarbeitsagentur zeigen. Vor allem Meister sind schwer zu bekommen, aber zunehmend auch andere Fachkräfte des Bauhandwerks. Der Fachkräftemangel wird allmählich zum größten Risiko für eine Ausweitung der Bautätigkeit in Deutschland.“

Das deckt sich mit „Bramanns Beitrag“ zum Fachkräftemangel und zu einem Zuwanderungsgesetz. Helmut Bramann, Hauptgeschäftsführer des ZVSHK: „Unserem Handwerk fehlen Fachkräfte. Das erfahren tagtäglich unsere Betriebe auf der vergeblichen Suche nach personeller Verstärkung. Das merken unsere Kunden, die immer länger werdende Wartezeiten für die Abarbeitung des gestell-ten Auftrags einplanen müssen. Das spüren unsere Branchenpartner aus Industrie und Handel, die sich von mehr Installationskapazitäten höhere Inlandsumsätze versprechen.“

Die übervollen Auftragsbücher werden Konsequenzen haben. Schon heute laufen eher unattraktive Ausschreibungen ins Leere, die Laufzeit von Projekten verlängert sich und die Baukosten steigen. Den Engpass abmildern können industrielle Vorfertigung, für die Installation und Inbetriebnahme vereinfachte Systeme sowie eine konsequente Qualitätssicherung, die den kurz-, mittel- und langfristigen Nachsorgeaufwand verringert. Laut einer Umfrage von BauInfoConsult unter Planern und Verarbeitern verschlingen Fehlerkosten 12,5 % vom Branchenumsatz und binden vermutlich in ähnlichem Umfang Fachkräfte.

Jochen Vorländer, Chefredakteur TGA Fachplaner vorlaender@tga-fachplaner.de · www.tga-fachplaner.de

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