TGA Gebäudetechnik

TGA Ausgabe 03-2019

Evolution der Niedrigstenergiehäuser

Bis zum heutigen Gebäudeenergiestandard „Effizienzhaus Plus“, aber auch bis zur Marktreife des Passivhauses, war es ein langer Weg. Der Autor erinnert sich noch, wie Mitte der 1980er-Jahre ganze Heerscharen von deutschen Architekten, Fachingenieuren und Bauphysikern nach Schweden und Finnland pilgerten, um die dort bereits als Standard vorhandenen Niedrigenergiehäuser zu begutachten, auch wegen der damals für deutsche Verhältnisse noch sehr exotischen Wohnungslüftungsanlagen. Hans Erhorn, einer der Protagonisten der Niedrigstenergiehaus-Bewegung, hat die Entwicklung in seinem Berufsleben von Beginn an begleitet, angefangen bei den sogenannten Solarhäusern über Niedrigenergiehäuser, 3-Liter-Häuser und Passivhäuser bis hin zu Plus-Energiehäusern.

Anfangs überzeugte weder die Solararchitektur der 1980er-Jahre (zu warm im Sommer, hoher Energieverbrauch im Winter) noch der Niedrigenergiestandard in seinen Anfängen (zu viel Technik, anspruchsvoller Betrieb). Auch Versuche mit saisonalen Speichern im Gebäudeenergiestandard „3-Liter-Haus“ scheiterten letztendlich an der Komplexität der Technik und an den Kosten. Durch die über 30-jährige Erfahrung mit allen Facetten energiesparenden Bauens eröffnet sich mit 37 Häusern des Standards „Effizienzhaus Plus“ nunmehr die Chance, einen neuen Gebäudestandard zu etablieren, bei dem mehr Energie aus regenerativer Energie erzeugt wird als zum Heizen – gegebenenfalls zum Kühlen – und zur Versorgung der elektrischen Geräte inklusive Licht nötig ist.

Dass es weder an der Technik, den Materialien noch an den theoretischen Grundlagen liegt, dass solche Plus-Energie-Gebäude noch eher die Ausnahme sind als die Regel, liege in erster Linie am fehlenden Mut und mangelnden Know-how von Architekten, Fachplanern und ausführenden Firmen. Erhorn: „Die Forschungsprojekte waren bei der Entwicklung energiesparender Gebäudesysteme sowohl zeitlich als auch quantitativ den vom Gesetzgeber festgelegten Mindestanforderungen immer ein Stück voraus.“ Der Regelsetzer, also die Bundesregierung, solle deshalb bei der Festlegung neuer Gebäudeenergiestandards mehr Mut zeigen und letztendlich mehr in die Fortbildung der Akteure investieren.

  • 3  Bei der Entwicklung energiesparender Bauweisen und Gebäudetechniken hinkt die Baupraxis den Ergebnissen der Demonstrationsprojekte signifikant hinterher. Das Festhalten am Standard Effizienzhaus 75 im Rahmen des GEG wurde von den Teilnehmern heftig kritisiert.

Wolfgang Schmid

Inhaltsübersicht

  1. Teil: Ergebnisse sprechen für Standard KfW 55+
  2. Teil: Evolution der Niedrigstenergiehäuser
  3. Teil: Gebäudestandards im Wandel
  4. Teil: Wolfgang Schmid
  • Zurück
  • Druckansicht
  • Versenden

Weitere TGA online Inhalte

Weitere Links zum Thema: