TGA-Newsletter: 01-2009 | 23.01.2009

REGELWERK

AMEV: „RLT-Anlagenbau 2004“ ergänzt

Der Arbeitskreis Maschinen- und Elektrotechnik staatlicher und kommunaler Verwaltungen (AMEV) hat im Dezember 2008 die „1. Ergänzung 2008“ seiner „Hinweise zur Planung und Ausführung von Raumlufttechnischen Anlagen für öffentliche Gebäude“ (RLT-Anlagenbau 2004) herausgegeben. Die Ergänzung ist eine Reaktion auf die Veröffentlichung von DIN 1946 „Raumlufttechnik - Teil 4: Raumlufttechnische Anlagen in Gebäuden und Räumen des Gesundheitswesens“.

Bestandsschutz für RLT-Anlagen
Der AMEV weist darauf hin, dass DIN 1946-4 keine Anpassungsverpflichtung für bestehende RLT-Anlagen (Bestandsschutz) enthält. Diese können aus medizinischer Sicht nur von den zuständigen Gesundheitsbehörden auf der Grundlage gesundheitsrechtlicher Vorschriften getroffen werden. Bei laufenden Baumaßnahmen erfolgt die Abnahme nach dem Messverfahren, das Grundlage für die Planung und die Baugenehmigung war. Für den Betrieb sei die Norm dann anzuwenden, wenn die RLT-Anlagen nach dieser Norm geplant, gebaut und abgenommen wurden.

Schutzgradmessung empfohlen
Hygienische Abnahmeprüfungen sind nach der neuen Norm wahlweise als Schutzgradmessung oder Turbulenzgradmessung durchzuführen. Der AMEV empfiehlt als Abnahmeprüfung die Schutzgradmessung und nennt dafür folgende Gründe:
  • Schutzgradmessung ist genormt (Übernahme VDI 2167 bzw. SWKI 99-3).
  • Das Verfahren ist wissenschaftlich abgesichert und gut reproduzierbar.
  • Die Schutzwirkung vor Lasteintrag wird direkt gemessen und quantitativ bewertet.
  • Strömungsstörkörper (OP-Tisch, OP-Leuchte, Dummies) werden mitgeprüft.
  • OP-typische Wärmelasten werden berücksichtigt (OP-Leuchte, Dummies).
  • Mindestens ein Instrumententisch im Schutzbereich wird beispielhaft mitgeprüft.
  • Das Prüfkonzept ist systemunabhängig und für neue TAV-Systeme geeignet.
  • Das Messverfahren ist aussagekräftig bei vertretbarem Aufwand.
  • Schutzgradmessungen haben sich langjährig gut bewährt.

Abschnitt 4.4 der „RLT-Anlagenbau 2004“ erhält folgende Neufassung (Stand 12. Dezember 2008):

„4.4 Krankenhäuser und Kliniken
Bei Errichtung von RLT-Anlagen in Krankenhäusern ist DIN 1946-4:2008-12 anzuwenden.

Die Anforderungen an RLT-Anlagen in medizinisch genutzten Räumen sind auf der Basis der Nutzervorgaben in einem Projekt-Pflichtenheft nach DIN 1946-4 Anhang A.3.2 festzulegen. Der Nutzer kann sich bei der Festlegung der Nutzerforderungen beraten lassen.

Soll von der Norm abgewichen werden, so ist dies zwischen dem Bedarfsträger (Nutzer), dem Hygieniker und der für das Gesundheitswesen zuständigen Behörde unter beratender Beteiligung des planenden Fachingenieurs zu vereinbaren. Die Vereinbarung ist mit einer detaillierten Begründung im Projekt-Plichtenheft aktenkundig zu machen und dem Ersteller der RLT-Anlagen zur Kenntnis zu geben.

Als Messverfahren bei hygienischen Abnahmeprüfungen und bei ggf. durchzuführenden Systemprüfungen wird die Schutzgradmessung nach DIN 1946-4 Anhang C empfohlen.

Die Schutzwirkung von OP-Räumen der Klasse Ia wird in mehreren Schritten ermittelt:
  • Musterlastanordnung, jedoch ohne OP-Leuchte
  • Musterlastanordnung (einschließlich OP-Leuchte)

Bei schwierigen örtlichen Bedingungen kann im Vorfeld eine Systemprüfung sinnvoll sein. Sie erfolgt in einem vereinfachten 1:1-Modell des künftigen OP-Raums unter Einbeziehung der relevanten RLT- und OP-Komponenten und unter vergleichbaren Projektbedingungen wie die spätere Abnahmeprüfung.

DIN 1946-4 Anhang E.3 definiert die Rahmenbedingungen für Systemprüfungen in einem Referenz-OP-Raum. Zum Beispiel ergibt sich bei einem Deckenfeld von 3,2 m x 3,2 m mit mindestens 1,5 m Abstand zu den Wänden ein quadratischer Grundriss von 6,2 m x 6,2 m. Bei Neubauten und Sanierungen ist zu prüfen, ob sich das Raumkonzept für die geplanten OP-Räume eignet. Standardisierte Bau- und RLT-Planungen nach DIN 1946-4 sind anzustreben, da sie die Planungssicherheit deutlich erhöhen.

Das mikrobiologische Monitoring nach DIN 1946-4 Anhang F umfasst mikrobiologische Untersuchungen der OP-Raumnutzung, deren Durchführung erst nach erfolgter Abnahme der RLT-Anlage und Aufnahme der Operationstätigkeit beginnt. Bei regelmäßiger Erfassung und Auswertung der Biokontamination können überhöhte Werte ggf. auf eine Fehlfunktion der RLT-Anlage hinweisen. Die Funktionsfähigkeit der RLT-Anlage ist jedoch nur durch eine technische und hygienische Prüfung nach DIN 1946-4 Kapitel 7 zu klären.“


Die 1. Ergänzung 2008 zur RLT-Anlagenbau 2004 hat der AMEV auch auf seiner Internetseite als kostenlosen PDF-Download veröffentlicht. ToR

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