TGA-Newsletter: 09-2009 | 15.06.2009

HOAI

VBI: 6. HOAI-Novelle ist eine Mogelpackung

Anlässlich der Zustimmung des Bundesrats zur 6. HOAI-Novelle hat der VBI Verband Beratender Ingenieure die Verordnung als Mogelpackung bezeichnet und die Bundesregierung aufgefordert, die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure mit einer sofortigen 7. Novelle zu überarbeiten. Die neue HOAi bringe nicht die versprochene Erhöhung der Honorare, sondern führe faktisch zu Einkommenseinbußen für Ingenieure.

„Keine Verbesserungen für Ingenieure und Architekten“
„Es ist eine Geschichte von Ignoranz, zeitlicher Verschleppung sowie der Missachtung eines ganzen Berufszweiges: Die Arbeit an der 6. Novelle der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure HOAI ist nach sage und schreibe 13 Jahren beendet und weder für die vielen Auftraggeber von Planungsleistungen noch für den Berufsstand der Ingenieure und Architekten hat sie zu nennenswerten Verbesserungen geführt. Im Gegenteil: Die Ingenieure in Deutschland müssen sich in Einzelfällen sogar auf Einkommenseinbußen einstellen, denn trotz einer pauschalen Erhöhung der Honorartabellen um 10% sind in die neue HOAI viele Fallstricke eingebaut, die zur faktischen Honorarreduzierung führen können“. So kommentiert der VBI-Hauptgeschäftsführer Klaus Rollenhagen die Zustimmung des Bundesrates vom 12. Juni zu der von der Bundesregierung eingebrachten 6. Novelle der HOAI.

„Wir sind tief enttäuscht und verärgert“
Der zu befürchtende Einkommensverlust könne bei Einzelprojekten unter dem Strich bis zu 40% betragen. Ursachen sind scheinbar geringfügige Veränderungen im Gesetzestext, beispielsweise beim Bauen im Bestand oder dem Zusammenfassen von Einzelprojekten zu einer Abrechnungseinheit, die in der Praxis enorme Auswirkungen auf die Honorare haben. Dies sei angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Situation, in die viele Planungsbüros vor dem Hintergrund der Finanzkrise geraten, eine Katastrophe, so Rollenhagen.

„Wir sind tief enttäuscht und verärgert, welche Mogelpackung uns die Bundesregierung nun nach vielen Gesprächen und permanenter Zuarbeit sowie Korrekturen der Verbände als Erfolg und Verbesserung verkaufen will. Die HOAI ist unnötig verstümmelt und eines gehörigen Teils ihrer Transparenz beraubt worden. Die innovative Leistungskraft der Ingenieure für die Gesamtgesellschaft und ihre Funktion für den Industriestandort Deutschland wird unnötig eingeschränkt.“

„Unfähige Politiker“
„Wir stehen vor dem Ergebnis eines Prozesses, in dem sich die Ziele der Verwaltung gegen eine vernünftige Politik und die berechtigten Interessen eines ganzen Berufsstandes durchgesetzt haben. Weder Vernunft noch gute Argumente hatten hier eine Wirkung. Wir werden alle 53.000 Ingenieurbüros mit ihren 300.000 Mitarbeitern und die über 115.000 Architekten in Deutschland dazu aufrufen, die Programme der politischen Parteien für die Bundestagswahl genau zu prüfen. Wir sind es Leid, uns mit Versprechungen hinhalten zu lassen und dann zusehen zu müssen, wie die wirtschaftliche Basis von Tausenden innovativer Planungsbüros von unfähigen Politikern und unkontrollierten wirtschaftsliberalen Verwaltungsbeamten bar jeder Vernunft und Marktkenntnis massiv gefährdet wird“, so der VBI-Hauptgeschäftsführer. ToR


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