TGA-Newsletter: 15-2009 | 23.10.2009

ANLAGENTECHNIK

Wärmepumpen-Marktentwicklung bis 2030

Der Bundesverband Wärmepumpe (BWP) hat am 22. Oktober 2009 im Rahmen des „7. Forum Wärmepumpe“ seine „BWP-Branchenstudie 2009 – Szenarien und politische Handlungsempfehlungen“ exklusiv vorgestellt. Die Studie ist in Deutschland ein Novum und wagt erstmals eine explizite Prognose für die Wärmepumpe bei Absatz, Marktdurchdringung und technischem Fortschritt bis zum Jahr 2030. Ziel der Studie ist es, das Potenzial der Wärmepumpe für eine nachhaltige Wärmeversorgung auszuloten. Zu diesem Zweck wurden auf der Basis realistischer Annahmen zwei Szenarien formuliert. Das erste Szenario beschreibt die Entwicklung unter gleichbleibenden Rahmenbedingungen. Das zweite Szenario hingegen setzt deutlich optimierte Rahmenbedingen voraus: Der Modernisierungsstau1) im Altbau löst sich auf und die Förderung für erneuerbare Energie im Wärmebereich wird stark ausgebaut.

Wärmepumpen-Absatz und Marktentwicklung
Beide Szenarien gehen ab 2010 von einer stetig steigenden Absatzzahl aus, aber je nach politischen Rahmenbedingungen fällt der Anstieg unterschiedlich hoch aus. Im ersten Szenario mit nahezu unveränderter politischer Lage geht man von einem Zuwachs von 90 % auf rund 120.000 Einheiten (Zubau) in 2030 aus. Unter günstigeren Bedingungen – etwa einem starken Marktanreizprogramm, einer deutlich beschleunigten Heizungsmodernisierung und Steuererleichterungen für erneuerbare Wärme – prognostiziert das zweite Szenario den signifikant höheren Wert von rund 311.000 verkauften Wärmepumpen für das Jahr 2030. Damit käme es zu einem Anstieg des Wärmepumpen-Absatzes von 390 %.

Absatzzahlen für Heizungspumpen in Deutschland bis 2030, BWP-Prognose für zwei Szenarien. (Quelle: BWP)
Absatzzahlen für Heizungspumpen in Deutschland bis 2030, BWP-Prognose für zwei Szenarien. (Quelle: BWP)

Der Anteil der Wärmepumpe am Gesamtmarkt würde dabei von heute rund 10 % (2008) auf über 36 % (2030) steigen, also auf mehr als ein Drittel des gesamten Heizungsmarktes. Bis dahin gewinnt die Wärmepumpe auch für die Sanierung von Gebäuden zunehmend an Bedeutung. Der Marktanteil bei der Renovierung von etwa 7 % am Gesamtabsatz der Wärmeerzeuger in 2008 würde dann bei günstigen Bedingungen in 2030 über 31 % betragen.

Höhere Jahresarbeitszahlen, mehr Umweltenergie
Die Studie geht von stetig steigenden Jahresarbeitszahlen aus. Ausgangspunkt sind die in Studien (u.a. Feldtest Fraunhofer ISE) aktuell gemessenen Werte. Die Weiterentwicklungen der Wärmepumpen-Technik selbst, aber auch ihre Einbindung in das Heizsystem und der qualifizierte Umgang mit der Wärmepumpen-Technologie sind nur einige Gründe für diesen Prozess. In der Prognose wird aufgrund dessen eine Leistungs-Steigerung für den Feldbestand im Durchschnitt von rund 35% bis 2030 erwartet. Die durchschnittliche Jahresarbeitszahl einer neuen Luft/Wasser-Wärmepumpe im Neubau wird dann über 4,0 liegen, die von Erdreich/Wasser-Wärmepumpen bei etwa 4,8; Wärmepumpen im Bestand erreichen Jahreszahlen, die um etwa 0,4 Punkte niedriger liegen.

Betrachtet man den steigenden Absatz sowie die Effizienzsteigerung von Wärmepumpen gemeinsam, ergeben sich bei nahezu gleichbleibenden Rahmenbedingungen und einem Feldbestand von erwarteten 2,1 Mio. Wärmepumpen in 2030 eine perspektivische Nutzung von rund 36,6 TWh Umweltenergie. Bei optimierten Rahmenbedingungen ist laut der Studie bis 2030 bei einem Feldbestand von 3,9 Mio. Wärmepumpen sogar die Nutzung von 66,5 TWh Umweltenergie – also rund 80% mehr – möglich.

Studie liefert Antworten für Energie-Politik
Im Ergebnis stellt die Studie fest, dass die Wärmepumpe immer effizienter wird und dabei hilft, den Primärenergieverbrauch zu reduzieren. Damit trägt sie wesentlich zum Erreichen der Klimaschutzziele bei, ebenso wie zur Erfüllung der Anforderungen der europäischen Erneuerbaren-Energie-Richtlinie und hilft Endkunden Energie und Kosten zu sparen. Dazu Paul Waning, Vorstandsvorsitzender des BWP: „Unsere Prognose orientiert sich an den von der Politik vorgegeben Zielen. Bis 2020, so schreibt es die EU-Richtlinie zur Förderung der Nutzung erneuerbarer Energien vor, muss der Anteil Erneuerbarer Energien am Bruttoendenergieverbrauch in Deutschland mindestens 18 % ausmachen. Mit unserer Branchenprognose zeigen wir, welchen unverzichtbaren Beitrag die Wärmepumpe leisten kann, um diese Zielvorgaben auch zu erreichen“.

Studie soll jährlich fortgeschrieben werden
Der BWP will seine Branchenstudie künftig jährlich fortschreiben und um neue Themen ergänzen, etwa Warmwasser-Wärmepumpen, Luft/Luft-Wärmepumpen, Lüftung mit Wärmerückgewinnung, Wärmepumpen bzw. Quellenanlagen zum Kühlen und Wärmepumpen mit alternativen Antrieben. Schon in den aktuellen Gesamtszenarien ist auf der Basis von Experteninterviews eine Entwicklung der Gas-Wärmepumpe berücksichtigt, allerdings mit bescheidenen Absatzzahlen: Erst ab 2011 wird ein vierstelliger Bestand an Gas-Wärmepumpen erwartet, 2015 eine Absatzmenge von 5000, 2020 von 10.000 und 2030 von 15.000 Einheiten angenommen. ToR

1) Laut Erhebung des Schornsteinfegerverbandes waren 2008 rund 12,3 % der Ölheizungen und 5,2 % der Gasheizungen älter als 25 Jahre. Viele dieser Anlagen haben ihre technische Lebensdauer erreicht oder arbeiten zumindest äußerst ineffizient.

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