TGA Leitartikel

TGA Ausgabe 02-2018
Energiewende

Fast umsonst

» Die volkswirtschaftlichen Kosten der Energiewende sind offensichtlich erheblich geringer, als vielfach behauptet wird. Bei einer umfassenden Bilanz können sie sogar negativ ausfallen. Deshalb sollten Möglichkeiten und Maßnahmen die Debatte beherrschen. «

Was die Energiewende kosten wird, darüber gibt es unterschiedlichste Meinungen. Was auch nicht verwunderlich ist, weil es mehrere Optionen, eine Spannbreite bei der Definition der Klimaschutzziele (bis 2050 mindestens 80 bis 95 % weniger Treibhausgas-Emissionen als 1990), unterschiedliche Auffassungen über den Anteil der 2050 importierten Energiemengen und nur eine zaghafte Energiewendepolitik gibt.

Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion. Darin wurde allerdings nur nach den Kosten der Energiewende für Stromkunden gefragt. Um solche Kosten tatsächlich fixieren zu können, müssten komplexe Rechnungen und Vergleiche zwischen Entwicklungen mit und ohne Energiewende samt künftiger Folgekosten angestellt werden, erklärt die Bundesregierung. „Ein derart umfassender Kostenvergleich, der insbesondere auch die Vorteile einer sauberen Energieversorgung für Mensch und Natur genau erfasst, ist der Bundesregierung nicht bekannt.“

Etwas konkreter wird da die gerade vom Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) veröffentlichte Studie „Klimapfade für Deutschland 2050“. Eine wesentliche Erkenntnis ist, dass bei einer Fortsetzung derzeitiger Anstrengungen in Form bestehender Maßnahmen, beschlossener politischer und regulatorischer Rahmenbedingungen sowie absehbarer Technologieentwicklungen („Referenzpfad“) bis 2050 eine ca. 61%ige Reduktion der Treibhausgase (THG) gegenüber 1990 erreicht wird, also noch eine Lücke zwischen 19 und 34 Prozentpunkten zu den deutschen Klimazielen existiert.

Weiterhin heißt es in der Zusammenfassung: „80 % THG-Reduktion sind technisch möglich und in den betrachteten Szenarien volkswirtschaftlich verkraftbar. 95 % THG-Reduktion wären an der Grenze absehbarer technischer Machbarkeit und heutiger gesellschaftlicher Akzeptanz.“ Und weiter: „Die kosteneffiziente Erreichung der Klimapfade würde aus heutiger Sicht in Summe Mehrinvestitionen von 1500 bis 2300 Mrd. Euro bis 2050 gegenüber einem Szenario ohne verstärkten Klimaschutz erfordern, davon ca. 530 Mrd. Euro für eine Fortschreibung bereits bestehender Anstrengungen (im Referenzpfad). […] Die direkten volkswirtschaftlichen Mehrkosten nach Abzug von Energieeinsparungen lägen bei etwa 470 bis 960 Mrd. Euro [für 80 bzw. 95 % THG-Reduktion] bis 2050 (etwa 15 bis 30 Mrd. Euro/a), davon ca. 240 Mrd. Euro für bestehende Anstrengungen. […] Bei optimaler politischer Umsetzung wären die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen der betrachteten Klimapfade dennoch neutral („schwarze Null“), im betrachteten 80-%-Klimapfad wäre dies sogar im Szenario ohne globalen Konsens der Fall.“ Alle Kosten wurden mit einem Realzinssatz von 2 % diskontiert.

Nicht enthalten sind in den Zahlen Strukturwandel-Kosten, jedoch wurden auch keine Anpassungskosten an einen verstärkten Klimawandel und keine Umweltkosten durch die Nutzung fossiler Energieträger eingerechnet. Berücksichtigt man auch diese, ist die Energiewende quasi umsonst oder sogar ein gutes Geschäft.

Das bedeutet nicht, dass die Energiewende einfach umzusetzen oder gar ein Selbstläufer ist, denn es gilt viele Interessen auszugleichen und vermeintliche Rechte und Privilegien abzuschaffen. Eine Erweiterung der BDI-Analyse zeigt aber, sie ist technisch möglich und volkswirtschaftlich sinnvoll. Darum sollten nicht ständig die Kosten die Debatte beherrschen, sondern die Möglichkeiten und Maßnahmen zum Schließen der Lücke(n).

Jochen Vorländer, Chefredakteur TGA Fachplaner vorlaender@tga-fachplaner.de · www.tga-fachplaner.de

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