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09.12.2011
Baugewerbe

ZDB beklagt praxisferne Baunormung

Der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) beklagt die praxisferne Baunormung. Wolfgang Paul, ZDB-Vizepräsident und Vorsitzender des ZDB-Ausschusses für Umwelt, Technik und Unternehmensentwicklung: „Anzahl und Umfang der Baunormen haben sich in den letzten Jahren stetig erhöht. Zudem beklagen die am Bau beteiligten Partner eine zunehmende Praxisferne und Verwissenschaftlichung der Normung. Die unnötige Komplexität der Baunormen erschwert das Verständnis und erhöht folglich das Risiko von Baumängeln und Bauschäden.“

„Praxisfernen Partikularinteressen entgegenwirken“


Paul fordert deshalb eine umfängliche Konsolidierung der Baunormung: „An der Planung und Errichtung von Bauwerken sind neben Architekten und Statikern eine Vielzahl weiterer Fachplaner sowie eine Fülle von Gewerken beteiligt. Sie alle benötigen als Grundlage einer mängelfreien Leistung eine praxisorientierte Baunormung. Weil sich die Anforderungen an Bauwerke erhöht haben und infolge die Komplexität der Bauausführung zunimmt, müssen die Baunormen sicher anwendbar und leicht verständlich sein.“

Die Forderung nach sicher anwendbaren und verständlichen Normen sei keinesfalls innovationsfeindlich. Technischer Fortschritt, neue Produkte sowie innovative Bauweisen würden nach entsprechender Praxiserprobung auch zukünftig in die Normung einfließen. Es gelte jedoch, praxisfernen Partikularinteressen entgegenzuwirken und die Normungsinhalte auf das für die Baupraxis Wesentliche zu beschränken. Paul plädiert für ein gemeinsames Vorgehen von Bauwirtschafts-, Architekten- und Ingenieurverbänden, um wieder zu praktikablen Regelungen zu gelangen.

Initiative PraxisRegelnBau als Vorbild


Paul: „Im Bereich der europäischen Bemessungsnormen EUROCODES hat sich mit der Initiative PraxisRegelnBau bereits ein verbandsübergreifendes Bündnis formiert, um die Europäische Bemessungsnormung zu konsolidieren. Konkret bedeutet das, dass vor allem die Zahl der Lastkombinationen reduziert werden muss, Handrechenverfahren wieder möglich und genauere Nachweise in einem Anhang angeboten werden.“

Negativbeispiel DIN V 18599


Auch bei bauphysikalischen Normen gelte es, einer Verwissenschaftlichung und völlig unpraktikablen Regelungen Einhalt zu gebieten. Negativbeispiel ist für den Zentralverband die mehr als 800 Seiten umfassende DIN V 18599 „Energetische Bewertung von Gebäuden“. Die ZDB verweist darauf, dass das „hoch komplexe Prognoseverfahren der DIN V 18599 für die Abschätzung des Gebäudeenergiebedarfs so weit von der Realität entfernt liegende Ergebnisse zeitigt, dass die KfW in ihren Förderbestimmungen auf dieser Norm basierende EDV-Berechnungen zeitweise nicht mehr akzeptiert hatte“ (Bericht von TGA Fachplaner). ■
Jochen Vorländer

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