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08.01.2013
VBI

Großprojekte: Oft fehlt Vier-Augen-Prinzip

Der Flughafen Berlin-Brandenburg, der Bahnhof Stuttgart 21, die Hamburger Elbphilharmonie – wenn in Deutschland Großprojekte umgesetzt werden, gehören Kostenexplosion, Zeitverzug und ein negatives Image in der Bevölkerung dazu. „Das müsste nicht sein“, mahnt Dr. Volker Cornelius, Präsident des Verbands Beratender Ingenieure VBI. Insbesondere bei Mega-Vorhaben müsse das „Vier-Augen-Prinzip“ angewendet und die Kostenberechnung von einem unabhängigen Experten begutachtet werden.

„Kaum Kostenehrlichkeit bei öffentlichen Projekten“


Die Realität sieht jedoch anders aus. Bei kaum einem öffentlichen Projekt gebe es Kostenehrlichkeit. „Man plant nicht, was ein Vorhaben wirklich kostet, sondern man korrigiert die oft nur geschätzten Ausgaben so lange nach unten, bis das Bauvorhaben genehmigungsfähig scheint“, erläutert Cornelius die gängige Praxis. Eine belastbare Planung als Grundlage jeder soliden Kostenaussage fehlt zu diesem Zeitpunkt. Die Folge dieser Augenwischerei: Kaum ein Projekt bleibt innerhalb der ursprünglich avisierten Kosten.

Professionelles Controlling für Energiewende erforderlich


Der VBI fordert daher „endlich ein professionelles Controlling“. Der Gesetzgeber müsse den Rahmen schaffen, damit unabhängige Planer und Ingenieure Vorhaben in bestimmten Größenordnungen überprüfen. „Dann hätte diese unberechenbare Kostentreiberei ein Ende“, ist sich der VBI-Präsident sicher. Auch bei der Energiewende – dem Mega-Projekt der Bundesregierung – deuten sich für den VBI diese Fehler an. „Es gibt keine Kostentransparenz und es gibt keine realistische Planung, was die Energiewende wirklich kostet, damit der Bürger weiß, was auf ihn zukommt“, stellt Cornelius fest. Eine Lösung wäre aus Sicht des VBI die Schaffung einer Stabsstelle für die Energiewende. In dieser Zentrale für ganz Deutschland müssten Politiker, Stromunternehmen und unabhängige Ingenieure zum Beispiel den Ausbau des Stromnetzes planen. „Nur so ist die Energiewende nicht nur realisierbar, sondern auch bezahlbar“, so der VBI-Präsident. ■
Jochen Vorländer

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