TGA Panorama

TGA Ausgabe 06-2008
Chillventa, (14.) 15. bis 17. Oktober in Nürnberg

Start-Ziel-Sieg

Abb. 1

Dass in Deutschland kein Platz für zwei internationale Kälte-Klima-Fachmessen ist, war von Anfang an klar. Dass die Chillventa im Wettstreit mit der IKK das Rennen macht, reine Formsache. Denn gerade die bornierten Fehlentscheidungen der IKKManager der VDKF-Spitze hatten die Aussteller zum Umsatteln gezwungen. Schon lange vor der offiziellen IKK-Absage konzentrierte man sich deswegen in Nürnberg darauf, neue Besuchergruppen über ein attraktives Fachprogramm für die Inter­nationale Fachmesse für Kälte + Raumluft + Wärmepumpen zu erschließen. Besonders können TGA-Fachplaner davon profitieren.

Schon ein halbes Jahr vor der Eröffnung ­befindet sich die 1. Chillventa – Internationale Fachmesse für Kälte + Raumluft + Wärmepumpen vom 15. bis 17. Oktober 2008 in Nürnberg auf der Zielgeraden. Allerdings allein: Die IKK in Stuttgart, ursprünglich auf die Woche vor der Chillventa terminiert, ist im März 2008 mangels Anmeldungen abgesagt worden [7]. Ganz anders sieht es bei der Chillventa aus. Bis zum 15. Mai haben sich nach Angaben der veran­staltenden NürnbergMesse 603 Unternehmen und Organisationen auf einer Netto-Ausstellungsfläche von knapp 30000 m2 angemeldet (letzte IKK 2006 in Nürnberg: 33680 m2 vermietete ­Fläche). Bis Oktober wird mit insgesamt 800 Buchungen ­gerechnet.

Von diesem Ziel ist man jedoch weit weniger entfernt, als es der offizielle Anmeldestand annonciert: Neben den 603 Anmeldungen beinhalten die im Ausstellerverzeichnis gelisteten Unternehmen auch Länderpavillons aus Großbritannien, USA, Spanien, der Türkei und China. Hier sind Beteiligungen von weiteren rund 80 Einzelfirmen angekündigt, die in der Ausstellerliste noch nicht enthalten sind, so dass von einer momentanen Gesamtzahl an Ausstellern von fast 700 gesprochen werden könne, berichtet Gabriele Hannwacker, Projektleiterin der Chillventa.

Deutlich mehr Besucher anvisiert

Ebenso hoch wie bei den Ausstellern sind die Ziele bei den Besuchern. Walter Hufnagel, Mitglied der Geschäftsleitung der NürnbergMesse, nannte auf dem 1st Global Press Meeting der Chillventa am 29. April in Athen eine Marke von 25000 für die Chillventa-Premiere. Die liegt leicht unter den Besucherzahlen der letzten beiden in Nürnberg veranstalteten IKK-Fachmessen mit 29100 (2006) und 27700 (2004). Insgeheim hoffen aber alle an der Chillventa beteiligten Unternehmen und Organisationen schon 2008 einen neuen Rekord aufzustellen, denn das mittelfristige Ziel lautet 50000 Besucher.

Dies geht aus der Pro-IKK-Resolution vom 26. April 2006 der „Ausstellerinitiative Pro IKK“ hervor, die die nach dem Besucherdebakel der IKK 2005 in Hannover mit knapp 13700 Besuchern von mehreren Leit-Ausstellern gegründet worden war. Genau genommen liegt die selbst aufgelegte Messlatte sogar noch etwas höher: „Verdoppelung der Besucher in fünf Jahren auf ca. 55000 bis 60000 und ca. gleichbleibende Kosten.“ Die damals angekündigten Maßnahmen dazu: Ausbau der Angebotspalette bei Wärmepumpen, Lüftungstechnik, Reinraumtechnik und Stiller Kühlung, ideelle Partner gewinnen, Kooperation eingehen und den Zusatznutzen durch Fachvorträge und Symposien erhöhen.

Attraktives Programm für Planer

Vieles davon wird bereits in diesem Jahr ­umgesetzt oder zumindest unverkennbar auf den Weg gebracht worden sein. Hervorzuheben ist schon heute das fachliche Programm, das bereits einen Tag vor der Messe startet. TGA-Planer ­sollten sich mindestens den Messe-Donnerstag im ­Kalender blocken. Aber bereits am Dienstag, also einen Tag vor der Chillventa, beginnt in ­Nürnberg das Tagungs- und Begleitprogramm. Den Auftakt bildet die Fortsetzung des im Sep­tember 2007 erfolgreich gestarteten Internatio­nalen Wärmepumpensymposiums unter der ­Federführung des Deutschen Kälte- und Klimatechnischen Vereins (DKV) [6]. Am Nachmittag ­finden das renommierte ASERCOM+EPEE-Symposium und parallel dazu ein Symposium des ILK Dresden über Absorptionskälte statt. Im ­Anschluss an die beiden Nachmittagsveran­staltungen lädt das Kompetenzzentrum Energie­effizienz Kälte- und Klimatechnik (kekk) zu einer Podiumsdiskussion ein. Der erste Tag klingt danach mit einem „Get Together“ der Teilnehmer und Referenten aus.

Während der Messe werden verschiedene Fachforen durchgeführt, die Informationen über Systeme, Produkte, Lösungen und Anwendungs­erfahrungen bieten. In Verbindung mit den Präsentationen auf den Ausstellungsständen der Vor­tragenden ist so eine sinnvolle Ergänzung der Theorie durch eine gezielte Auswahl an Praxis­anwendungen gegeben. Themen sind u.a. energieefziente Ventilatoren, BACnet, Gewerbekälte, Wärmepumpen für heiztechnische Anwendungen, Klimatechnik, Anwendungen mit natürlichen Kältemitteln und Kältetechnik im Lebensmitteleinzelhandel.

Das Fachinstitut Gebäude-Klima (FGK) stellt den Messe-Donnerstag, ganz in das ­Zeichen der Fachplaner. CO2-Einsparung in der ­Klimatechnik sowie die Energierückgewinnung und Systemoptimierung durch VRF-Anlagen sind Schwerpunkte des Fachplanertags. Ent­wicklungen und Efzienzkriterien bei Kaltwassersätzen runden das Programm ab. Die Veranstaltung mit dem Titel „Neue Klimatechnik an einem Tag“ findet im Kongresszentrum CCN Ost direkt am Messeeingang Ost statt. Teilnehmer können sie mit dem Besuch der Messe oder einer weiteren Veranstaltung des Begleitprogramms kombinieren. Gleichzeitig kann man sich an diesem Tag in einem Short Course von ASHRAE über „natürliche Belüftung“ informieren. Das gesamte Programm steht auf:

http://www.chillventa.de/begleitprogramm

Bewährungsprobe steht noch aus

Mit der Absage der IKK haben die an der Messe beteiligten Organisationen und Partner, ­Messebeirat und Ausstellerkreis schon das wesentliche Ziel erreicht: Nämlich eine erfolgreiche Chillventa 2008. Das Ausscheiden des Wettbewerbers war dazu nicht erforderlich, aber vorprogrammiert. Für zwei Kälte-Klima-Messen, die um dieselben Aussteller und Besucher buhlen, ist der Markt zu klein. Das hatte selbst die IKK-GmbH schon während der Abschieds-IKK in Nürnberg 2006 eingeräumt, allerdings völlig irrational auf „eine Entscheidung durch den Be­sucher“ gesetzt. Dazu wäre aber der Showdown erforderlich gewesen, den man selbst für unrealistisch hielt. Doch auch ohne eben­bürtigen Wettbewerber hat man sich in Nürnberg ins Zeug gelegt, denn nicht eine von Anfang an zum Scheitern verurteilte IKK in ­Stuttgart, sondern viele Fachbesucher auf der eigenen Veranstaltung sind die Messlatte. Dafür wurden die Weichen richtig ­gestellt: Das Rahmenprogramm bietet hohen ­Nutzwert, Termin und Messeplatz sind für die Kälte-Klima-Branche eine langjährige und lieb gewonnene Tradition, alle wesentlichen Aussteller werden auf der ­Chillventa vertreten sein und jeder Aussteller weiß, dass die Besucherfrequenz auf dem eigenen Stand deutlich davon abhängt, wie viel man im Vorfeld selbst für die Besucherwerbung ­unternimmt.

Doch das mittelfristige Ziel, die Besucherzahl drastisch zu steigern, ist eventuell nicht ganz ­konfliktfrei. Schon die Diskussionen um die Zukunft der IKK, lange bevor der Name Chillventa in die Öffentlichkeit drang, war auch von der starken Fokussierung der Messe auf „handwerksrechtliche Gewerkegrenzen“ geprägt. Das ließ auf der Besucherseite kaum Spielraum für Wachstum. So heißt es auch in der Pro-IKK-Resolution, dass dies einen „schleichenden Tod der IKK bedeuten“ könne.

Doch gerade diese unerlässliche Öffnung für deutlich steigende Besucherzahlen stößt nicht bei allen Ausstellerkreisen auf unein­geschränkte Gegenliebe. Denn fast zwangsweise würde sie den bisher von der IKK gewohnten ­Charakter verändern. Und von Messebesuchern, die sich in erster Linie für Wärmepumpen zur ­Beheizung von Gebäuden interessieren, werden nicht alle der „alteingesessenen“ Aussteller pro­fitieren. Andere wittern den Wettbewerb der heute noch nicht auf der IKK präsenten Aussteller aus der Heizungsbranche. Dies ist angesichts der zu erwartenden Konsolidierungswelle auch nicht von der Hand zu weisen. Einige der Heiztechnik­anbieter finden sich auch jetzt schon durch ­Übernahmen oder Beteiligungen indirekt auf der Ausstellerliste. Jochen Vorländer

Zur Entstehungsgeschichte der Chillventa

[1] Vorländer, Jochen: Ausstellerinitiative übergibt Resolution an VDKF – Ränkespiel um die IKK. TGA 6-2006

[2] Vorländer, Jochen: Schlagabtausch um Messestandorte und -konzepte – Kälte-Klima-Messe-Poker. TGA 9-2006

[3] Vorländer, Jochen: Die IKK verlässt Nürnberg… …viele ­Aussteller bleiben. TGA 11-2006

[4] Vorländer, Jochen: Chillventa Nürnberg 2008 – Donnerstag ist Planertag. TGA 6-2007

[5] Schmid, Wolfgang: ISH-Aircontec-Verbund – Noch mehr ­Klimafirmen wollen zurück. TGA 6-2007

[6] Schmid, Wolfgang: DKV-Wärmepumpen-Symposium – Terrain abstecken. TGA 12-2007

[7] Meldung: IKK 2008 abgesagt. TGA 5-2008

[8] http://www.ausstellerkreis-chillventa.info

Inhaltsübersicht

  1. Teil: Start-Ziel-Sieg
  2. Teil: Anreise bequem und kostengünstig
  • Chillventa-Manager Gabriele Hannwacker und Walter Hufnagel, NürnbergMesse, Werner Rolles (Daikin) und Thomas Ernst (Bitzer), Koordinatoren des Messebeirats und des Ausstellerkreises, und Dr. Rainer M. Jakobs (DKV), Koordinator des fachlichen Begleitprogramms, beim 1st Global Press Meeting der Chillventa in Athen: „Die Chillventa ist ein ausgesprochenes Gemeinschaftswerk mit umfassender Teilhabe der Branche.“
JV
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