TGA Regelwerk erklärt

TGA Ausgabe 02-2013
Sprinkleranlagen

Korrekte Absicherung zum Trinkwassernetz

Abb. 1 Zur Absicherung von Sprinkleranlagen zum Trinkwassernetz ist der Freie Auslauf die Standard­anwendung. (Quelle: GEP IndustrieSysteme )
Abb. 1 Zur Absicherung von Sprinkleranlagen zum Trinkwassernetz ist der Freie Auslauf die Standard­anwendung.

Rund um den „Anschluss von Löschwasseranlagen an das Trinkwassernetz“ wurden in den letzten zwei Jahren die Regelwerke fortentwickelt, die Trinkwasserverordnung novelliert und höchstrichterlich Recht gesprochen. Danach sind bei der Verwendung von Sicherungseinrichtungen weder im Bestand noch beim Neubau Abweichungen von den allgemein anerkannten Regeln zulässig.

Für die Absicherung von Sprinkleranlagen sind nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik (aaRdT) nur ausgewählte Sicherungseinrichtungen zulässig. Die normativen Grundlagen zu den aaRdT werden u.a. in DIN EN 1717 [1], DIN 1988-600 [2] und DIN 14464 [3] abgebildet.

Für automatisch wirkende Löschanlagen mit geschlossenen Düsen (Sprinkleranlagen) sind ausschließlich die Sicherungseinrichtungen Freier Auslauf Typ AA1) und AB2) oder unter nachfolgend benannten Sonderbedingungen eine Direktanschlussstation3) (DAS) möglich Abb. 1.

Für den Standardfall ist der Freie Auslauf vorgesehen, an den – abgesehen von einer Zertifizierungsanforderung (beispielsweise durch den DVGW) und maximale Strömungsgeschwindigkeiten in der Anschlussleitung – keine weiteren trinkwasserhygienischen Anforderungen gestellt werden. Hingegen ist die Verwendung von Direktanschlussstationen Abb. 2 nur unter sehr eingeengten Sonderbedingungen möglich, die einem Nachweis unterliegen. Diese sind in DIN 1988-600 und in der Produktnorm DIN 14464 enthalten. Sonderbedingungen bei der Verwendung einer Direktanschlussstation sind:

maximaler Löschwasservolumenstrom von 50 m3/h

der häusliche Trinkwasserbedarf als Spitzenvolumenstrom (QS) muss größer als der Löschwasserbedarf sein

vollständige Dichtheit des Sprinklersystems, Wassernachspeisung ist unzulässig

Ausschluss gemäß der Wasser-Gefährdungskategorie 5

mindestens DVGW-zertifiziert

kein Wand- und Außenhydrant

DAS bleibt ein Sonderfall

Neben den umfangreichen zu beachtenden Zusatzanforderungen lässt eine Beispielberechnung den Fachmann schnell erkennen, dass auch in Zukunft der Einsatz von Direktanschlussstationen für Bestands- und Neuanlagen ein ausgesprochener Sonderfall bleibt. Um die Sicherungseinrichtung DAS für Sprinkleranlagen verwenden zu können, ist u.a. der Nachweis zu führen, dass dauerhaft der Trinkwasserspitzenvolumenstrom größer als der Löschwasservolumenstrom ist. In der gängigen Praxis wird dieser Nachweis nach DIN 1988-300 [4] geführt.

Benötigt beispielhaft eine Sprinkleranlage für eine Tiefgarage einen Löschwasservolumenstrom von 50 m3/h, muss für die Verwendung einer DAS der Trinkwasservolumenstrom QS größer als 50 m3/h nachgewiesen werden. Dies wird für ein Verwaltungsgebäude ab einer Installation von rund 55300 WCs und bei einem Wohngebäude ab etwa 1,5 Mio. WCs möglich Abb. 3.

Wird der Spitzenvolumenstrom durch Trinkwasserverbraucher nicht erreicht, ist eine Abtrennung für Löschanlagen ausschließlich nach den aaRdT über eine Freien Auslauf Typ AA oder AB umzusetzen.

Abweichungen gesetzlich nicht zulässig

Bedingt durch Trinkwasserhygiene, die unmittelbar durch das Infektionsschutzgesetz [5] und die Trinkwasserverordnung [6] auf eine Gefahrenabwendung für Leib und Leben abzielt, ist dem Anschluss von Löschwasseranlagen ein besonderes Augenmerk entgegenzubringen.

Löschwasseranlagen, die mit dem Trinkwassernetz verbunden sind und über eine unzulässige Sicherungseinrichtung verfügen, dürfen nach höchstrichterlicher Entscheidung in Ermangelung des Bestandschutzes weder betrieben noch gewartet werden. Ausnahmegenehmigungen durch Dritte sind unzulässig4).

Abb. 4 bietet einen grafischen Gesamtüberblick über die Bedingungen und Möglichkeiten für die Absicherung von Sprinkleranlagen. Weiterführende Informationen können mit der Broschüre „Leitfaden TrinkwasserTrennstation für Sprinkleranlagen bis 16.600 l/min“ kostenlos angefordert werden, Bestellung und Download über Webcode 264461.  

Weitere Informationen zum Thema finden Sie in den TGAdossiers Brandschutz und Trinkwasserhygiene: Webcode 724 bzw. 1057

Literatur

[1] DIN EN 1717 Schutz des Trinkwassers vor Verunreinigungen in Trinkwasser-Installationen und allgemeine Anforderungen an Sicherungseinrichtungen zur Verhütung von Trinkwasserver­unreinigungen durch Rückfließen; Deutsche Fassung EN 1717:2000; Technische Regel des DVGW. Berlin: Beuth Verlag, August 2011

[2] DIN 1988-600 Technische Regeln für Trinkwasser-Installationen – Teil 600: Trinkwasser-Installationen in Verbindung mit Feuerlösch- und Brandschutzanlagen; Technische Regel des DVGW. Berlin: Beuth Verlag, Dezember 2010

[3] DIN 14464 Direktanschlussstationen für Sprinkleranlagen und Löschanlagen mit offenen Düsen – Anforderungen und Prüfung. Berlin: Beuth Verlag, September 2012

[4] DIN 1988-300 Technische Regeln für Trinkwasser-Installationen – Teil 300: Ermittlung der Rohrdurchmesser; Technische Regel des DVGW. Berlin: Beuth Verlag, Mai 2012

[5] Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen (Infektionsschutzgesetz – IfSG) vom 20. Juli 2000 (BGBl I S. 1045), zuletzt durch Artikel 1 des Gesetzes vom 28. Juli 2011 (BGBl I S. 1622) geändert.

[6] Verordnung über die Qualität von Wasser für den menschlichen Gebrauch (Trinkwasserverordnung – TrinkwV 2001) vom 28. November 2011 (BGBl I S. 2370), zuletzt durch Artikel 1 der Verordnung vom 5. Dezember 2012 (BGBl I S. 2562) geändert.

1) nach DIN 13076 Sicherungseinrichtungen zum Schutz des Trink­wassers gegen Verschmutzung durch Rückfließen – Ungehinderter freier Auslauf – Familie A – Typ A; Deutsche Fassung EN 13076:2003. Berlin: Beuth Verlag, Mai 2004

2) nach DIN 13077 Sicherungseinrichtungen zum Schutz des Trink­wassers gegen Verschmutzung durch Rückfließen – Freier Auslauf mit nicht kreisförmigem Überlauf (uneingeschränkt) – Familie A, Typ B; Deutsche Fassung EN 13077:2008. Berlin: Beuth Verlag, September 2008

3) nach DIN 14464 Direktanschlussstationen für Sprinkleranlagen und Löschanlagen mit offenen Düsen – Anforderungen und Prüfung. Berlin: Beuth Verlag, September 2012

4), 5) Urteil vom Hanseatischen Oberlandesgericht Bremen, Aktenzeichen 2U 1/12 vom 18. Mai 2012

6) Stand 01. November 2012, Quelle und Download: http://www.gep-h2o.de

Inhaltsübersicht

  1. Teil: Korrekte Absicherung zum Trinkwassernetz
  2. Teil: Enrico Götsch
  • Abb. 2 Schematische Darstellung einer Direkt­anschlussstation nach DIN 14464.
  • Abb. 3 Für die Verwendung einer Direktanschluss­station muss der Trinkwasservolumenstrom QS größer als der Löschwasservolumenstrom sein. Bei typischen Sprinkleranlagen ist das kaum zu erreichen.
  • Abb. 4 Absicherung für Sprinkleranlagen zum Trinkwassernetz nach DIN EN 1717, DIN 1988-600 und DIN 14464, Bedingungen und Möglichkeiten
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