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27.02.2008

Schott-Rohrglas empfiehlt nur Überprüfungen

Schott-Rohrglas hat den Heizungssystemanbietern, die von ihm Vakuumröhrenkollektoren des Typs ETC16 bezogen haben, eine Überprüfung aller entsprechenden Anlagen durch einen Fachhandwerker empfohlen und dafür eine festgelegte Aufwandsentschädigung angeboten. Hintergrund sind Sachschäden, die im Sommer 2007 an Solarthermieanlagen mit ETC16-Vakuumröhrenkollektoren entstanden waren. Die Vaillant Group hatte daraufhin von ihr ausgelieferten Kollektoren vorsorglich stilllegen lassen (siehe: Vaillant lässt Röhrenkollektoren stilllegen).

„Die Handwerker sind Schuld“
Die Empfehlung stützt Schott-Rohrglas auf eine Ursachenanalyse des TÜV Süd. Nach einer Pressemittelung hat sie folgendes Ergebnis gebracht: „Ursache für den untersuchten Glasbruch sind höchstwahrscheinlich anlagenspezifische Konfigurationen oder Installationsmängel, die im Stagnationsbetrieb der Solaranlage in einzelnen Fällen Brüche von Kollektorrohren auslösen können. Die Verbindung aus folgenden drei Faktoren gilt demnach als kritisch:
  • Häufiger Eintritt von Stagnation, begünstigt durch anlagenbezogene Fehlauslegungen oder Fehlinstallationen (zum Beispiel als Folge einer unzureichenden Dimensionierung des Ausdehnungsgefäßes).
  • Eintritt kalten Mediums in die während des Stagnationsbetriebs aufgeheizten Kollektorrohre über den Vorlauf (d.h. entgegen der Durchströmungsrichtung, die in der von Schott-Rohrglas zur Verfügung gestellten Montageanleitung vorgeschrieben ist), zum Beispiel begünstigt durch Verwechselung von Vor- und Rücklauf bei der Montage oder ungünstige Rohrleitungsführung.
  • Mechanische Vorschädigungen des Kollektors, zum Beispiel durch unsachgemäßen Transport oder unachtsamen Umgang bei der Installation oder Wartung, können in Kombination mit den beiden erstgenannten Faktoren die Wahrscheinlichkeit für einen Kollektorbruch erhöhen.“

Aufwandsentschädigung für den Anlagencheck
Schott-Rohrglas hat seine Kunden über das Untersuchungsergebnis des TÜV Süd informiert. Um weitere Schadensfälle zu vermeiden, empfiehlt das Unternehmen seinen Kunden, alle Solarthermieanlagen mit integrierten Kollektoren von Schott-Rohrglas durch einen Fachhandwerker auf mögliche Fehldimensionierungen, Montagefehler und Beschädigungen überprüfen zu lassen. Aus Kulanzgründen bietet Schott-Rohrglas den Heizungssystemanbietern eine festgelegte Aufwandsentschädigung für den Anlagencheck durch einen Fachhandwerker an.

Unterschiedliche Bewertungen
Mit der Empfehlung von Schott-Rohrglas und der gerade angelaufenen Aktion von Vaillant (siehe: „Ganzglasröhren sind potenzielles Risiko“) existieren nur zwei unterschiedliche Bewertungen und Vorgehensweisen im Markt. Die unterschiedlichen Berichte von TÜV Süd (Auftraggeber Schott-Rohrglas) und TÜV Rheinland (Auftraggeber Vaillant) sind indes nicht verwunderlich, da sie nicht eine zu 100% übereinstimmende Aufgabestellung hatten. Im Extremfall kann das nun dazuführen, dass auf dem einen Dach ein neuer Kollektor montiert wird und in der Nachbarschaft nur eine Überprüfung erfolgt.

Es bleibt zunächst abzuwarten, wie die Kunden von Schott-Rohrglas reagieren und was die Handwerker von der unterschiedlichen Vorgehensweise halten. In der Haftungskette stehen sie jedenfalls ganz vorne. Sie werden zwar froh sein, wenn durch die für sie kostenlose Überprüfung ein selbst verschuldeter Mangel noch vor dem Auftreten eines Sachschadens entdeckt wird, aber sicher nicht begeistert. Denn ersetzen müssen sie die Mangelbeseitigung dann selbst: Folgt man bei der Argumentation von Schott-Rohrglas, kann durch den Mangel bereits eine Vorschädigung aufgetreten sein, die den vorsorglichen Austausch des Kollektors erfordert.

Produktion bereits eingestellt
Die Produktion des Vakuumröhrenkollektors von Schott-Rohrglas ist im Übrigen bereits im letzten Jahr eingestellt worden. Allerdings nicht aufgrund der Sachschäden, sondern aus strategischen und betriebswirtschaftlichen Gründen. Dies hatte Schott-Rohglas bereits im Frühjahr 2007 angekündigt, nachdem sich das Produkt nicht entsprechend der Erwartungen entwickelt hatte. Dem Auslaufen der Produktion zum Ende 2008 kam allerdings im August die Stilllegungsaktion von Vaillant zuvor. Schott-Rohrglas hatte damals aus Sicherheitsgründen die Auslieferung weiterer Solar-Röhrenkollektoren ausgesetzt. ToR

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