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31.03.2011
Offener Brief an Merkel

Forscher fordern schnellen Atomausstieg

In einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel haben am 30. März mehr als 300 Wissenschaftler aus Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaften ein beschleunigtes Ausstiegsszenario aus der Nutzung der Kernenergie gefordert. Die deutschen Laufzeitverlängerungen müssten dauerhaft zurückgenommen werden.

In dem Schreiben drücken die Unterzeichner ihre Betroffenheit über die Naturkatastrophen in Japan und „Kernenergiekatastrophe“ in Fukushima aus und betonen, dass heute erneuerbare Energien im Zusammenwirken mit Effizienztechnologien genügend Energie bereitstellen könnten, um bis 2020 oder früher alle Kernkraftwerke in Deutschland abzuschalten. Dafür seien ein Ausbau der Netze, Stromspeichertechnologien und eine verstärkte Nutzung von Kraft-Wärme-Kopplung KWK nötig.

Echte Energiewende ist wirtschaftlicher


Detaillierte Szenarien zur Energiewende aus dem Jahr 2010 zeigten, dass ein Energiesystem auf Basis erneuerbarer Energien bis 2050 rund 750 Mrd. Euro günstiger ist als ein Festhalten am bisherigen Weg. Die Unterzeichner beschreiben ihre Sorge über den Weiterbetrieb von Kernkraftwerken und bieten ihre Hilfe bei der Erforschung und raschen Realisierung von Technologien zur Nutzung erneuerbarer Energien an. Sie begrüßen das von der Bundesregierung verfügte Moratorium und weisen auch auf die wirtschaftlichen Chancen für Deutschland und die Vorbildfunktion hin, die das deutsche Verhalten auf der globalen Bühne haben könnte.

Zweifel am Sinn der Forschung für Kernfusion


In dem Brief wird auch die Förderung der Kernfusion, die in den letzten Jahrzehnten aus Mitteln für Energieforschung unterstützt wurde, infrage gestellt: „Wir haben ernste Zweifel, ob überhaupt und wann die wissenschaftlichen Durchbrüche erreicht werden, die noch erforderlich sind, um nach 2050 wirklich Strom mit dieser Technologie zu gewinnen. Auf der einen Seite steht das völlig ungelöste Problem der Wandmaterialien, die den Bedingungen des Millionen Grad heißen Plasmas jahrzehntelang widerstehen müssen. Auf der anderen Seite steht das ökonomische Argument: Selbst wenn es gelingt, nach 2050 einen Fusionsreaktor kommerziell zu betreiben, wird dieser Strom bedeutend teurer sein als künftiger Strom aus erneuerbaren Energien.“

Das Schreiben ist in Kopie auch an Minister Dr. Norbert Röttgen (Bundesumweltministerium), Ministerin Prof. Dr. Annette Schavan (Bundesforschungsministerium) und an Minister Rainer Brüderle (Bundeswirtschaftsministerium) gesendet worden.

Dem Offenen Brief können sich unter www.solar-consulting.de/OffenerBriefMerkel weitere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler anschließen. Dort ist auch eine Liste der bisherigen Unterzeichner verfügbar. ■
Jochen Vorländer

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