TGA Energietechnik

TGA Ausgabe 01-2009
Energieeffizienz privater Haushalte

Wie gewonnen, so zerronnen

Abb. 1
Bild 1 Private Hauhalte: Endenergieverbrauch, Preisindex Energie für Wohnen und Ausgaben Energie von 1995 bis 2006 bzw. bis 2007.

Seit die Energiepreise deutlich gestiegen sind, verbrauchen Deutschlands Wohnungen immer weniger Energie. Aber nur pro Quadratmeter. Weil auch die genutzte Wohnfläche, die durchschnittliche Wohnungsgröße und die Zahl der Haushalte steigen, bleibt von den Effizienzgewinnen in der Gesamtbilanz kaum etwas übrig.

Der erste Satz einer Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts zur Vorstellung von Ergebnissen der Umweltökonomischen Gesamtrechnung (UGR) Anfang November 2008 klingt für alle, die sich mit der Reduzierung des Energieverbrauchs in Gebäuden beschäftigen, demoralisierend: „In Deutschland ist der direkte Energieverbrauch der privaten Haushalte zwischen 1995 und 2006 trotz stark gestiegener Energiepreise mit – 0,7 % nur leicht zurückgegangen.“

Nur 0,7 % in zehn Jahren – wo wir doch in den nächsten Jahren jährlich mehr erreichen wollen und uns sicher sind, dass wir das auch können? Liegt es etwa an der Definition für den „direkte Energieverbrauch der privaten Haushalte“? Für die Statistik werden darin neben dem Verbrauch von Brennstoffen, Fernwärme und Elektrizität („Wohnenergie“) auch der Verbrauch von Kraftstoffen erfasst. Rechnet man letzteren heraus, würde der von Gebäudetechnikern beeinflussbare Teil sogar noch mickriger dastehen, denn der Kraftstoffverbrauch der privaten Haushalte ist von 1995 bis 2006 immerhin um 3,7 % gesunken.

Trendwende kam erst 2000

Der wirkliche Grund für den geringen Verbrauchsrückgang liegt am Betrachtungszeitraum: Von 1995 bis 1999 sind die Kosten für Wohnenergie fast stabil geblieben und gaben kaum einen Anreiz, besonders sparsam und bewusst mit Energie umzugehen. Nach 1999 ist der Preisindex „Ener­gie für Wohnen“ aber dramatisch angestiegen (Bild 1) und hat so seit dem Jahr 2000 eine deutlich erkennbare Trendwende herbeigeführt.

Dies ist insbesondere auf den „Energieverbrauch für Raumwärme“ – er hat einen Anteil von 74 % an der gesamten Wohnenergie – zurückzuführen. Während zwischen 1995 und 2000 für Raumwärme noch ein Anstieg des temperaturbereinigten Endenergieverbrauchs von 9,9 % zu verzeichnen war, ist er im Zeitraum von 2000 bis 2006 um 11,2 % gefallen. Ursachen dieses bemerkenswerten Rückgangs sind eine effizientere Nutzung der Energie durch Verbesserungen der Heiztechnik und der Wärmedämmung, aber auch durch Verhaltensänderungen der privaten Haushalte.

Doch zu früh gefreut: Der spezifische Energieverbrauch je Quadratmeter Wohnfläche ist von 1995 bis 2006 zwar um 14,4 % zurückgegangen, der Flächenzuwachs von 13,8 % hat den Erfolg aber fast vollständig eliminiert. Unterm Strich betrug der temperaturbereinigte Rückgang des Endenergieverbrauchs für Raumwärme von 1995 bis 2006 nur 2,3 %.

Nutzerverhalten oder Gebäudetechnik?

Welche Anteile der Verminderung geändertem Nutzerverhalten und technisch bedingter Energieeffizienzsteigerung zugeschrieben werden dürfen, ist aus den statistischen Daten nicht herauszulesen. Allerdings deutet die unmittelbare Reaktion auf die steigenden Energiepreise darauf hin, dass die Entwicklung stark durch bewusstes Energieeinsparen geprägt ist.

Für Gebäudetechniker mag diese Analyse eine Enttäuschung sein. Auf der anderen Seite bedeutet sie, dass die leicht (sehr kostengünstig) erschließbaren Potenziale zur Senkung der Energiekosten bereits realisiert werden und damit der Druck steigt, für ihre weitere Reduzierung auch größere Investitionen zu tätigen. Insgesamt belegt die Statistik, dass zur Senkung des Energieverbrauchs ein finanzieller Anreiz existieren muss.

Zahlen im Detail

Die bisher aufgeführten Zahlen kennzeichnen die Entwicklung über alle Haushalte. Dabei ist zu berücksichtigen, dass sich in den letzten Jahren auch die Anzahl und die Struktur massiv verändert haben. Welche Entwicklungen Entscheidungen und Verhalten vor Ort prägen, zeigt sich erst unter der Lupe:

Die Bevölkerungszahl hat sich zwischen 1995 und 2006 nur geringfügig erhöht, die Zahl der Haushalte ist aber von 36,6 Mio. auf 38,9 Mio. um 6,4 % gestiegen. Die genutzte Wohnfläche erhöhte sich von 2,84 Mrd. m2 auf 3,23 Mrd. m2 um 13,8 %.

Der Anteil der Einpersonenhaushalte ist von 34,9 % auf 37,9 % (+ 20 %) gestiegen. Diese Entwicklung hat Konsequenzen: Eine Person in einem Einpersonenhaushalt verbraucht statistisch fast 60 % mehr Energie für Raumwärme, als im Durchschnitt. In der UGR ­werden für einen Einpersonenhaushalt 12506 (davon Raumwärme: 10828) kWh/a angesetzt. Der Pro-Kopf-Verbrauch in einem Durchschnittshaushalt beträgt nur 8723 kWh/a.

2006 wendeten alle Haushalte zusammen 60,13 Mrd. Euro für Wohnenergie aus, 1995 waren es 37,74 Mrd. Euro. Insgesamt sind die Ausgaben für Wohnenergie von 1995 bis 2006 um 59,3 % gestiegen (bezogen auf einen einzelnen Haushalt allerdings „nur“ um 49,7 %).

2006 gab ein durchschnittlicher Haushalt 1546 Euro/a für Wohnenergie aus, 1995 betrug dieser Mittelwert 1033 Euro/a. Das entspricht einer jährlichen Teuerung von 3,73 %. Von 2000 (damals gab ein Haushalt im Mittel 1063 Euro/a für Wohnenergie aus) bis 2006 betrug die jährliche Teuerung 6,45 %.

2006 hatte Wohnenergie einen Anteil von 4,7 % der Konsumausgaben der privaten Haushalte. 1995 lag dieser Wert nur bei 3,7 %.

Die größte Teuerung der Haushaltsenergieträger zwischen 1995 und 2006 trat bei Heizöl mit 164,7 % auf. Gas (einschließlich Flüssiggas) verteuerte sich um 83,2 %. Im Mittel verteuerte sich Wohnenergie in diesem Zeitraum um 60,6 %.

Der temperaturbereinigte Energieverbrauch für Raumwärme betrug 2000 noch 192,9 kWh/(m2a), bis 2006 ist er auf 161,8 kWh/(m2a) gesunken.

Problemfaktor elektrische Energie

Die größte Dynamik der Endenergieentwicklung existiert bei der Verwendung elektrischer Energie (ohne Heizung und Trinkwassererwärmung). Von 1995 bis 2006 ist hier der Endenergieverbrauch um 21,5 % von 86,3 Mrd. kWh/a auf 105 Mrd. kWh/a gestiegen. Dabei blieb der Anwendungsbereich Beleuchtung mit etwa 11 Mrd. kWh/a stabil. Der größte Zuwachs entfiel auf „mechanische Energie“, wozu die Statistiker auch den Betrieb von Geräten für Unterhaltung, Information und Kommunikation zählen. Von 1995 bis 2006 betrug die Steigerung 25,4 % (von 47,5 auf 59,4 Mrd. kWh/a). Aber auch bei „sonstiger Prozesswärme“ (Energie für Kochen und Waschen) war die Steigerung mit 24,1 % signifikant (von 27,5 auf 34,2 Mrd. kWh).

Ursache für den rasant zunehmenden Elektroenergieverbrauch ist die gestiegene Ausstattung der Haushalte mit – zum Teil neuen – Elektrogeräten wie Mikrowelle, Kaffeeautomaten, Wäschetrocknern sowie die Anschaffung von Zweitgeräten wie Kühlschränke, Tiefkühltruhen, Personalcomputer und Fernsehgeräte. Noch zeigt der Trend weiter steil nach oben.

Der Anteil von elektrischer Energie an der Raumwärme liegt bei etwa 4,5 % (2004: 25,8 Mrd. kWh/a) und ist in der temperaturbereinigten Darstellung relativ stabil mit leicht steigender Tendenz. Ähnlich sieht es bei der elektrischen Trinkwassererwärmung, allerdings mit leicht sinkender Tendenz aus. Die Statistik gibt für 2004 einen Wert von 21,4 Mrd. kWh an, was einem Anteil von ca. 25 % am gesamten Endenergieverbrauch für die Trinkwassererwärmung entspricht.

Unterm Strich eine rote Null

Die Umweltökonomische Gesamtrechnung zeigt, dass für eine bedeutsame Reduzierung des kollektiven Endenergieverbrauchs der privaten Haushalte deutlich mehr getan werden muss, als nur Bauvorschriften zum energetischen Standard zu erlassen und ihre Einhaltung zu kontrollieren. Die energetische Modernisierung von Gebäuden und ihren technischen Anlagen ist für die Umweltziele Deutschlands ein sehr wichtiger Faktor. Wenn aber gleichzeitig aus Wohnungen, die ursprünglich für zwei oder mehr Personen konzipiert wurden, mangels entsprechender Angebote eigentlich zu große Singlehaushalte mit hohem spezifischem Energieverbrauch werden, ist wenig gewonnen. Fast noch schlimmer wiegt allerdings, dass die verbleibenden Effizienzgewinne der Raumheizung vom Stromverbrauch für zusätzliche Fernsehgeräte, Kühlgeräte, Computer dann auch noch überkompensiert werden. Jochen Vorländer

http://www.destatis.de

Inhaltsübersicht

  1. Teil: Wie gewonnen, so zerronnen
  2. Teil: Indirekter Energieverbrauch gesunken
  • Bild 2 Endenergie­verbrauch der privaten Haushalte für Wohnen nach den Anwendungs­bereichen (temperatur­bereinigt).
  • Bild 3 Entwicklung der Haushaltgröße von 2006 ­gegenüber 1995 und ­Endenergieverbrauch der privaten Haushalte für Wohnen der unterschiedlichen Größenklassen im Jahr 2006 ­(temperaturbereinigt).
JV / Quelle Statistisches Bundesamt
JV / Quelle Statistisches Bundesamt
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