TGA Leitartikel

TGA Ausgabe 12-2014
Gebäudeeffizienz

Nur zu wenig ist zu teuer

» Die Entwicklung der energetischen Anforderungen hat das Bauen nicht verteuert. Dies hat eine Initialstudie mit einer wissenschaftlichen Berechnung der Preisentwicklung von Gebäudeeffizienz festgestellt. Im Umkehrschluss bedeutet dies: Zu wenige Gebäudeeffizienz kommt teuer. «

„Mehr Energieeffizienz macht Bauen unbezahlbar“ lautet ein inzwischen gängiges Vorurteil. Nun haben sich das Beratungsunternehmen Ecofys und das Architekturbüro Schulze Darup & Kollegen mit dieser Behauptung in der Initialstudie Preisentwicklung Gebäudeenergieeffizienz wissenschaftlich auseinandergesetzt. Anhand wesentlicher Bauteile wurde analysiert, wie sich die Kosten zwischen 1990 und 2014 bei gestiegenen Effizienzanforderungen tatsächlich entwickelt haben.

Die Studie im Auftrag der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz (Deneff) kommt zu dem Ergebnis, dass die Investitionskosten für Neubauten seit 1990 preisbereinigt nahezu konstant geblieben sind, die monatlichen Kosten (inklusive Energiekosten) gegenwärtiger und zukünftig geplanter Neubaustandards sogar günstiger sind beziehungsweise werden.

Dr. Andreas Hermelink von Ecofys: „Es gibt keinen nachweislichen Zusammenhang zwischen steigenden Baupreisen und den energetischen Anforderungen von EnEV & Co. Der mittlere Anstieg der Baukosten seit 1990 entspricht der allgemeinen Preissteigerung. Inflationsbereinigt sind die Kosten für hocheffiziente Bauteile und Materialien sogar gesunken.“ Am besten zeige sich dies am Beispiel von Fenstern mit Dreischeiben-Verglasung. Sie kosten inzwischen kaum noch mehr als Standardfenster. Außerdem macht sich energieeffiziente Technik nach wenigen Jahren bezahlt. Besonders deutlich zeigt sich das am Beispiel von Heizungspumpen.

Architekt Dr. Burkhard Schulze Darup erwartet auch zukünftig keine Kostensteigerungen: „Es wird keine Preisexplosion fürs Bauen durch die kommenden Energiesparanforderungen geben. Der Bau einer Doppelhaushälfte nach EnEV-Standard 2014 kostet inflationsbereinigt etwa das Gleiche wie in den Jahren 1990 und 2002 nach damaligen Standards. Sogar der Bau eines gut geplanten Passiv- oder Plusenergiehauses kostet heute höchstens 10 % mehr. Die monatliche Belastung ist jedoch von Anfang an günstiger als bei einem Standardhaus.“ Für die kommenden zehn Jahre erwartet Schulze Darup bei einigen Bauteilen noch deutliche Preissenkungen durch ihren breiteren Einsatz und technischen Fortschritt.

Christian Noll, geschäftsführender Vorstand der Deneff, hofft, mit der Initialstudie vor allem einen Beitrag zu einer faktenorientierten Diskussion leisten zu können: „Wir brauchen dringend eine Versachlichung der überhitzten Debatte. Es ist klar, dass umwelt- und sozialpolitische Fragen in Einklang gebracht werden müssen. Das kann aber nur gelingen, wenn alle Beteiligten mit offenen Karten spielen und Horrorgeschichten den Fakten Platz machen. Wir hoffen, dass Bauministerin Hendricks dazu beiträgt, aus der teilweise geführten PR-Schlammschlacht eine zivilisierte und fundierte Diskussion zu machen.“

Vermutlich wird Hendricks` Einfluss nicht so weit reichen, denn mit Schlagzeilen lässt sich Aufmerksamkeit erzielen und Auflage machen. Die Mehrheit der Bauherren hat sich aber längst entschieden und baut oder saniert deutlich unter den öffentlich rechtlichen Anforderungen – aus einer einfachen Einsicht: Zu wenig Energieeffizienz kommt zu teuer. Allerdings gibt es in diesem Zusammenhang eine weitere Herausforderung für den Gesetzgeber und die Branche, mehr dazu ab Seite 6.

Jochen Vorländer, Chefredakteur TGA Fachplaner vorlaender@tga-fachplaner.de · http://www.tga-fachplaner.de

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