TGA Leitartikel

TGA Ausgabe 05-2015
Luftverschmutzung wird unterschätzt

Feinstaub lähmt Bundesliga

» Eine aktuelle Studie zeigt, dass bereits moderate Feinstaub-Konzentrationen neben bekannten Gesundheitsgefahren auch enorme wirtschaftliche Schäden durch entgangene Produktivität hervorrufen. Für die Branche ergeben sich daraus Herausforderungen und Chancen. «

Feinstaub gehört nicht gerade zu den beliebten Themen in der Branche. Insbesondere weil Feinstaub sehr medienrelevant ist und in der Vergangenheit die oft pauschale Berichterstattung die Nachfrage nach Holz- und Holzpellet-Heizungen negativ beeinflusst hat. Ohne Zweifel gibt es Regionen mit Feinstaubproblem und es gibt auch Regionen, bei denen im Winter bei bestimmten Wetterlagen Kleinfeuerstätten Hauptverursacher von kritischen Feinstaub-Konzentrationen sind.

Seit 2007 gelangt hierzulande mehr Feinstaub (PM10, Partikel mit einem maximalen Durchmesser von 10 µm) aus kleinen, privaten Holz-Heizungen als aus den Abgasen des Straßenverkehrs in die Luft. Inzwischen ist es mehr als doppelt so viel – weil mehr Holz in überwiegend alten Feuerstätten verbrannt wird und weil der Abgasanteil des Straßenverkehrs deutlich rückläufig ist. Allerdings sind beim Straßenverkehr die Abgase nur für etwa ein Drittel der Feinstaub-Emissionen verantwortlich, zwei Drittel stammen aus dem Abrieb von Reifen, Bremsen und der Fahrbahn.

Feinstaub macht krank. PM10-Partikel können beim Menschen in die Nasenhöhle und PM2,5-Partikel bis in die Bronchien und Lungenbläschen und ultrafeine Partikel mit einem Durchmesser von weniger als 0,1 µm können bis in das Lungengewebe und sogar in den Blutkreislauf eindringen. Je nach Größe und Eindringtiefe der Teilchen sind die gesundheitlichen Wirkungen von Feinstaub verschieden. Laut Umweltbundesamt gibt es in Deutschland jährlich etwa 47 000 vorzeitige Todesfälle durch Feinstaub.

Eine aktuelle Studie des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) zeigt nun, dass bereits moderate Feinstaub-Konzentrationen neben den bekannten Gesundheitsgefahren auch enorme wirtschaftliche Schäden durch entgangene Produktivität hervorrufen. In die Studie flossen Leistungsdaten von mehr als 1700 Fußballprofis ein, die im Laufe von zwölf Spielzeiten bis 2011 für 29 Vereine in fast 3000 Spielen der ersten Fußball-Bundesliga zum Einsatz kamen.

Als Leistungsindikator diente die Anzahl der jeweils gespielten Pässe. Da Datum und Ort jedes Spiels bekannt sind, ließen sich exakte Informationen zur PM10-Feinstaub-Konzentration in unmittelbarer Umgebung der Stadien ermitteln. Bereits bei Luftwerten deutlich unterhalb der geltenden EU-Grenzwerte wurden negative Produktivitätseffekte nachgewiesen, die sich bei extremer Luftverschmutzung vervielfachen.

Die Daten zeigen, dass ältere Spieler stärker vom Feinstaub beeinträchtigt werden als Nachwuchstalente. Besonders ausgeprägt ist der Effekt für Abwehr- und Mittelfeldspieler mit langen Laufwegen. Während englischer Wochen, wenn die körperliche Belastung größer ist, fiel die Leistung zudem deutlicher ab. Auch wenn Fußballprofis nicht repräsentativ für den typischen Arbeitnehmer sind, lassen sich aus der IZA-Studie doch wichtige Erkenntnisse für die Erwerbsbevölkerung ableiten, so die Autoren. Denn die Produktivität eines durchschnittlichen Erwerbstätigen, der körperlich weniger fit als ein Profi-Fußballer ist, dürfte unter Luftverschmutzung sogar noch massiver leiden.

Für die Branche bedeutet das, dass der Druck zur Minderung von Feinstaub-Emissionen noch steigen könnte. Die Studie zeigt aber auch, dass Lüftungstechnik die Produktivität über den bekannten Faktor Thermische Behaglichkeit hinaus positiv beeinflussen kann.

Jochen Vorländer, Chefredakteur TGA Fachplaner vorlaender@tga-fachplaner.de · www.tga-fachplaner.de

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