TGA Interview

TGA Ausgabe 04-2017
Smart-TV als Schaltzentrale

Smart Home auf neuen Wegen


1 Peter Lepper: „Wir haben uns gefragt: Warum muss man für ein Smart Home unbedingt eine separate Zentraleinheit und damit ein weiteres Gerät platzieren, wenn man doch bereits ein zentrales Stück Technik zuhause stehen hat: den Fernseher.“

1  Peter Lepper: „Wir haben uns gefragt: Warum muss man für ein Smart Home unbedingt eine separate Zentraleinheit und damit ein weiteres Gerät platzieren, wenn man doch bereits ein zentrales Stück Technik zuhause stehen hat: den Fernseher.“

Was will ein Anbieter von Unterhaltungselektronik im Markt für Smart-Home-Anwendungen? Die Antwort: Gemeinsam mit dem SHK-Fachhandwerk einen boomenden Markt erschließen. Die Rede ist vom deutschen Markenunter-nehmen TechniSat. Die SBZ-Redaktion hat bei Peter Lepper nachgefragt, wie er sich das Vorhaben genau vorstellt.

SBZ: Herr Lepper, TechniSat ist bisher vor allem als Hersteller von Digitalreceivern und TV-Geräten in Erscheinung getreten. Was bitteschön hat das Geschäftsfeld mit Smart-Home-Anwendungen für die Gebäudetechnik zu tun?

Lepper: TechniSat hat sich in den nun 30 Jahren seines Bestehens stetig weiterentwickelt, um den Anforderungen im Markt, den tech-nischen Neuerungen und Herausforderungen gerecht zu werden. Heute, wo alle Welt vom Internet der Dinge spricht, lassen sich nicht mehr nur Smart-TVs und Multimediareceiver vernetzen, sondern fast alles. Daher ist das Thema Smart Home im Grunde eine konsequente Weiterentwicklung unseres bisherigen Produktportfolios.

SBZ: Die Idee, das Fernsehgerät als Schaltzentrale zu etablieren, ist nicht ganz neu. Warum ist die Stoßrichtung in Zeiten von Smartphones und mobiler Steuerung bzw. Sprachsteuerungen wie Alexa überhaupt noch angebracht?

Lepper: TechniSat ist dafür bekannt, dem Kunden den bestmöglichen Bedienkomfort anbieten zu wollen. Er soll intuitiv mit nur einem zentralen Gerät eine möglichst große Anzahl an Funktionen bedienen können. Schließlich sind Smartphones und andere mobile Geräte für den Einsatz unterwegs gedacht. TechniSat geht mit dem Prinzip des Master-Displays als Schaltzentrale auf die Bedürfnisse des Nutzers in den eigenen vier Wänden ein. Warum noch mehr zusätzliche Geräte, wenn wir bereits mit einem Smart-TV oder Receiver beim Kunden zuhause vertreten sind?

SBZ: Häufig kommt das Bedürfnis, Licht, Heizung, Rollläden etc. zu steuern, gerade beim TV-Konsum. Wird beides parallel möglich sein? Wird die Fernbedienung auch ein direktes Bedienelement für die Smart-Home-Funktionen sein?

Lepper: Genau das ist der Kerngedanke unseres Smart-Home-Ansatzes und gleichzeitig auch unser Alleinstellungsmerkmal im Markt. Wir schaffen es, das Smart-Home-System, den TV-Konsum sowie umfangreiche Multimedia-Streaming-Funktionen in einem Gerät zu vereinen. Die Steuerung der verschiedenen Smart-Home-Komponente erfolgt ganz intuitiv per Fernbedienung, so wie der Nutzer das vom klassischen Fernsehschauen gewohnt ist.

SBZ: Wo sehen Sie sich und Ihr Angebot am ehesten platziert, im Einfamilienhaus, im Mehrfamilienhaus, in Gewerbebauten? Warum? Welche Funktionen werden den Kern ausmachen?

Lepper: Für uns geht der Begriff Smart Home weit über die Grenze der einfachen Hausautomatisierung hinaus. Wir verstehen darunter vielmehr die Vernetzung all unserer Produktgruppen. Und da wir ein sehr breites Produktportfolio haben, schaffen wir es im Kern, jedem Kunden eine für ihn zugeschnittene Lösung im Bereich vernetztes Wohnen anzubieten – unabhängig von der Größe des Gebäudes. Die Funktionen sind somit sehr vielfältig, sodass ein Kern schwer auszumachen ist.

SBZ: Ein bisher wenig entwickeltes Thema ist die saubere, individuelle Bedarfsanalyse, um die Kunden glücklich und zu Werbeträgern zu machen. Wie wollen Sie dies angehen und wem kommt dabei die Beraterrolle zu?

Lepper: Die Beraterrolle wird hier demjenigen zukommen, der wie kein zweiter die Bedürfnisse des Kunden kennt, weil er sich bereits in dessen Zuhause bewegt und anpackt – dem Handwerker. Der Handwerker ist für uns zwischen TechniSat und dem Kunden das Bindeglied. Durch sein Feedback erfahren wir, welche Bedürfnisse die Nutzer haben oder welche neuen Trends sich draußen abzeichnen. Durch eine Entwicklung und Produktion in Deutschland ist es TechniSat dann möglich, auch kurzfristig auf diese Bedürfnisse einzugehen bzw. Trends in die Entwicklung neuer Produkte einfließen zu lassen.

SBZ: Trotz allem Vorwärtsdrang: Sie betreten ein Marktsegment, in dem die unterschiedlichsten Player aktiv sind. Die Heizungsindustrie und Telekommunikationsunternehmen bieten eigene Systeme an, Energieversorger wollen auf den Zug aufspringen, außerdem gibt es schon etablierte Anwendungen wie Tado und Wi-Butler. Wo machen Sie den Unterschied?

Lepper: Wir verstehen uns im Bereich Smart Home als Gesamtlösungsanbieter, ungleich einiger Insellösungen, die gerade genannt wurden. Unser breites Produktportfolio erlaubt uns Produkte vom Dach bis zum Keller anzubieten, die dem Kunden ein wirklich schlaues Zuhause bescheren und dazu noch vom Handwerker verbaut werden können. Vom Empfang und Verteilung der Informationssignale über unsere vielfältige Installationstechnik, über die Heimautomatisierung oder die Multimediaverteilung durch Streaming, Multiroom und Ähnliches, bis hin zu unserer TechniSat Connect-App, die die Bedienung aller dieser Komponenten unter einem Dach vereint, bietet TechniSat alles aus einer Hand.

SBZ: Welche Rolle haben Sie dem Fachhandwerk bei Ihrem Engagement im Bereich Smart Home zugedacht? Und welchen Fachdisziplinen wird dabei eine Schlüsselfunktion zukommen?

Lepper: Im Unterschied zu anderen Syste-men, die zwar vom Fachhandwerker verbaut, dann aber vom Hersteller eingerichtet oder installiert werden müssen, ist es das Ziel von TechniSat, den Fachhandwerker allumfänglich einzubinden. Wir involvieren den Fachhandwerker in allen Bereichen, die das Produkt betrifft, damit er unabhängig von seiner Fachdisziplin den Kunden beraten und den Einbau bzw. die Installation der verkauften Produkte ausführen kann. Der Handwerker erlangt durch die Zusammenarbeit mit TechniSat immense Chancen für Cross- bzw. Upselling in den kommenden boomenden Bereichen des Smart Homes: Sicherheitsüberwachung und Multimedia.

SBZ: Welche Voraussetzungen sollte ein etablierter Fachhandwerksbetrieb mitbringen, um Ihr System systemgerecht umsetzen zu können?

Lepper: Die Voraussetzungen sind abhängig von den verschiedenen Produktkategorien. Durch Schulungen in der TechniSat Akademie, auf den Fachhandwerker zugeschnittene Onlinebeiträge, Vor-Ort-Schulungen und einen vollumfänglich beratenden Handwerkskundenservice stellen wir aber sicher, dass jeder Fachhandwerker den Kunden umfänglich beraten und die Installation umsetzen kann.

SBZ: Wie lösen Sie die Aufgaben Wartung und Updates, was passiert, wenn der Kunde die Hardware wechseln oder vorhandene Systeme auf TechniSat upgraden möchte?

Lepper: Alle TechniSat-Produkte unterliegen einer konstanten Softwarepflege. Aktuelle Software kann – auf Wunsch – automatisch aufgespielt werden, damit Funktionen für den Kunden immer erhalten bleiben bzw. der Funktionsumfang erweitert wird. Auch wenn ein Kunde sein vorhandenes System durch TechniSat erweitern oder sogar vollständig ersetzen möchte, ist das kein Problem. Hier vertrauen wir dann auf die Beratung und Umsetzung seitens des Fachhandwerkers, der dem Kunden zu seiner Wunschkonfiguration verhilft.

SBZ: Wo sehen Sie mittel- und langfristig die größten Erlöse – im Geschäft mit neu installierten Systemen oder bei Dienstleistungen mit vorhandenen Systemen?

Lepper: Das Thema Smart Home startet im Markt mit hohen Wachstumsprognosen. Wir sehen die größten Erlöse mittel- und langfristig noch durch die Neuinstallation. Aber die vernetzte Welt ist im ständigen Wandel, deshalb werden auch im Bereich Smart Home Änderungen nicht ausbleiben, die wiederum Hersteller und Handwerker vor neue Herausforderungen stellen, aber auch neue Möglichkeiten eröffnen werden.

Inhaltsübersicht

  1. Teil: Smart Home auf neuen Wegen
  2. Teil: Vita
  • 2  So sieht die Smart-Home-Lösung der Zukunft aus. Zumindest wenn es nach TechniSat geht. Den Start bei Sensoren und Aktoren machen Türkontakt, Rauchmelder, ein Multisensor (Bewe-gung, Temperatur, Luft-feuchtigkeit, Helligkeit), ein Heizkörperthermostat mit Fensteröffnungs-erkennung, ein Zwischen-stecker und ein Zwischen-stecker mit Energie-verbrauchsmessung (Auflösung 1 W) und Repeater-Funktion. Die Funkkommunikation erfolgt über Z-Wave (maximale Reichweite 30 m).

Technisat

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