TGA Raumlufttechnik

TGA Ausgabe 04-2018
Referenzprojekt Zehnder

Wohnraumlüftung im Mehrparteienhaus


1 Der Gifhorner Neubau wurde im KfW-70-Standard errichtet.

1  Der Gifhorner Neubau wurde im KfW-70-Standard errichtet.

Welche Standards berücksichtigt eine Wohnungsbau-Genossenschaft, die ihren Mieter als Anteilseigner in besonderem Maße gerecht werden muss? Die Gifhorner Wohnungsbau-Genossenschaft eG realisierte kürzlich ein Mehrfamilienhaus in Massiv- und Holzbauweise mit KfW-70-Standard und wohnungsweisen Lüftungsgeräten mit Wärmerückgewinnung – und ist mit der Entscheidung rundum zufrieden.

Kompakt informieren

In Gebäuden mit energetisch hochwertiger Außenhülle ist der verbleibende natürliche Luftwechsel in der Regel für den Schutz der Gebäudesubstanz und hygienisch einwandfreie Raumluftverhältnisse nicht ausreichend.

Die Gifhorner Wohnungsbau-Genossenschaft entschied sich beim Neubau eines Wohnblocks mit acht Wohnungen für zentrale Lüftungsgeräte mit Wärmerückgewinnung pro Wohnung. Die Geräte wurden so angeordnet, dass sie in der Einbauküche „verschwinden“.

Die Luftverteilung mit nur 51 mm Aufbauhöhe wurde im Flur unter der Decke installiert und anschließend mit einer Trockenbaudecke verkleidet. In den Zulufträumen wurden spezielle Zuluftdurchlässe eingesetzt, die für einen Einbau direkt unter der Decke konzipiert sind.

Zwischen Hannover und Wolfsburg führt die Gifhorner Wohnungsbau-Genossenschaft eG (GWG) ein Wohnungsunternehmen in Genossenschaftsform. Das bedeutet, die Mieter sind als Mitglieder über Genossenschaftsanteile am Unternehmen beteiligt. In Gifhorn und Umgebung verfügt die GWG über 2200 Wohnungen, 500 Garagen und zwölf Gewerberäume, in deren Instandhaltung und Modernisierung jährlich weit über 6 Mio. Euro investiert werden.

Neben dem hervorragend gepflegten Bestand wurde jüngst auch wieder neuer Wohnraum geschaffen: Ein Mehrfamilienhaus in Massiv- und Holzbauweise für acht Parteien Abb. 1 Abb. 2. Wie es sich in der zeitgemäßen Bauplanung gehört, wurden bei dem Neubau hocheffiziente Systeme zur komfortablen Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung eingesetzt, die für ein behagliches und gesundes Raumklima sowie niedrige Heizkosten sorgen.

„Bei der Gebäudeplanung war eine grundlegende Vorgabe die Einhaltung des KfW-70-Standards“, berichtet Thomas Koch, zuständiger Projektmanager bei der GWG. „Dazu wurde das Gebäude mit dreifach verglasten Fenstern und einem Wärmedämmverbundsystem (WDVS) von 18 cm Stärke ausgeführt.“ Damit war sichergestellt, dass die acht Zwei- und Dreizimmerwohnungen mit je 50 bis 80 m2 Wohnfläche sehr gut gegen Wärmeverluste gedämmt sind. Allerdings findet durch die nahezu luftdichte Außenhülle kein natürlicher Luftwechsel mehr statt. Ohne händisches Lüften würde das schnell zu ungesunden Raumluftverhältnissen führen, CO2 und andere Schadstoffe würden sich in der Innenluft anreichern und eine zu hohe Luftfeuchtigkeit könnte zu Bauschäden durch Schimmel führen.

Kontrollierte Lüftung quasi ein Muss

Selbst wenn die Bewohner diszipliniert (quer)lüften – für jeweils fünf Minuten in zweistündigen Intervallen – wäre der Lüftungswärmeverlust unvermeidbar. Architekt und Fachplaner rieten uns deshalb zum Einbau einer kontrollierten Lüftungslösung, so der Projektleiter. „Das bestätigte auch die lüftungstechnische Bewertung nach DIN 1946-6.“ In diesem Zusammenhang sorgt eine maschinelle Wohnungslüftung nicht nur für allzeit optimale Luftverhältnisse in den Wohnungen, mit Wärmerückgewinnung hat sie auch energetische Vorzüge, argumentiert Frank Kruschewski vom ausführenden Planungs- und Installationsunternehmen Schäffer & Walcker: „Zentrale Wohnraumlüftungsanlagen übertragen in der Heizperiode einen Großteil der Wärme aus der Abluft auf die einströmende Außenluft. Das senkt die Heizkosten gegenüber dem Lüften von Hand und erhöht insgesamt die energetische Wertigkeit der Immobilie.“

An den Findungsprozess für ein optimales Lüftungssystem erinnert er sich genau: „Bei den hohen EnEV-Standards ist es eigentlich unumgänglich, ein kontrolliertes Raumlüftungssystem einzubauen. Zudem hielten wir Ausschau nach einer Systemlösung, die bei hoher Energieeffizienz möglichst platzsparend und unauffällig installiert werden kann.“ Die Wahl fiel auf ein Kompakt-Lüftungssystem von Zehnder. Kruschewski: „Nicht nur das Komfort-Lüftungsgerät und das Luftverteilsystem sind für den Geschosswohnungsbau aus einer Reihe von Gründen sehr interessant, auch der Kundenservice ist vorbildlich. So bot Zehnder an, unverbindlich die Bewertung der lüftungstechnischen Maßnahme nach DIN 1946-6 durchzuführen und übernahm später auch die Auslegung bzw. Luftmengenberechnung für die Anlagen.“

Lüftungssystem im Küchenschrank

Das zentrale Komfort-Lüftungsgerät ComfoAir 180 ist zudem so konstruiert, dass es mit Abmessungen von (HBT) 680 × 560 × 280 mm sogar in einem Standard-Küchenschrank untergebracht werden kann. Neben der insbesondere für kleine Wohnungsgrößen prädestinierten Anordnungsmöglichkeit punktet das Zehnder-Kompakt-Lüftungssystem mit weiteren durchdachten Vorzügen, beispielsweise einem modularen Aufbau der Luftverteilung mit baupraktischen Abmessungen. Die Komponenten der Außen- und Fortluftführung – ComfoPipe-Plus-Doppelkanäle – lassen sich durch ihre Quaderform mit nur 200 mm Höhe hinter der Verblendung der Einbauküche anordnen Abb. 3.

Die Doppelkanäle bestehen aus dem wärmedämmenden und diffusionsdichten Werkstoff EPP (expandiertes Polypropylen), der auch mit geringer Wandstärke alle Anforderungen der Lüftungsnorm 1946-6 hinsichtlich der Installation von Außen- und Fortluftleitungen in der thermischen Gebäudehülle erfüllt.

Die Luftverteilung Räume konnte oberhalb einer minimal abgehängten Decke angebracht werden, da die Verteilkästen und Lüftungsrohre vom Typ ComfoTube flat 51 nur 51 mm aufbauen . Durch die Flachovalrohre werden die Zulufträume mit Frischluft versorgt und die Luft aus den Ablufträumen abgeführt – zugluftfrei und ohne Geräuschübertragung zwischen den Zimmern. Die glatte Innenhaut „Clinside“ der Lüftungsrohre wurde unter hygienischen Aspekten entwickelt, sie zeichnet sich durch eine geringe Staubbelastung und ein gute Staubentfernung aus. Das belegt auch die Zertifizierung durch das Hygiene-Institut des Ruhrgebiets. Die Verlegung der Lüftungsrohre konnte ohne nennenswerten Mehraufwand in den Rohbauablauf integriert werden.

Zu der praktischen, einfachen und unauffälligen Montage der gesamten Anlage bietet das ComfoAir 180 auch eine hervorragende Energiebilanz: Es überträgt bis zu 95 % der Abluftwärme auf die Außenluft. In der Intensivstufe ist das Lüftungsgerät in der Lage, bei einem externen Druck von 170 Pa bis zu 180 m3/h Luft zu fördern. Der Frischluftbedarf im Gifhorner GWG-Neubau liegt je nach Wohnfläche bei 100 m3/h, geregelt wird sie über hocheffiziente Gleichstrom-Ventilatoren. Das führt zu einem niedrigen, in Anbetracht der Wärmerückgewinnung zu einem nahezu vernachlässigbaren Stromverbrauch. Ein unterschiedlicher Druckbedarf im Luftverteilsystem wird durch die getrennte Ansteuerung der Ventilatoren ausgeglichen. Das stellt ein stets ausbalancierter Zu- und Abluftvolumenstrom in allen Lüftungssituationen sicher.

Zulufteinbringung mit Coand-Effekt

Zur energieeffizienten Bauweise passt auch das Kombi-Außenwandgitter des Systems mit nur einem Element für Außen- und Fortluft . Das verringert nicht nur den Installationsaufwand, auch der Eingriff in die thermische Gebäudehülle fällt geringer aus. Die bei der GWG verwendeten Zuluftventile sind ebenfalls eine praktische Lösung: Diese Luftdurchlässe heißen Zehnder-Renovationsventil , eignen sich aber auch sehr gut für Neubauten. Sie werden einfach auf die Anschlussgehäuse gesteckt und können fast deckenbündig installiert werden. Die schlichten weißen Halbkugeln fallen zwar kaum ins Auge, sind aber technisch raffiniert konstruiert: Ihre Formgebung mit runden Aussparungen auf der unteren Hälfte und gebogenen Schlitzbändern am oberen Rand sorgen dafür, dass die Frischluft beim Einströmen dem Coand-Effekt folgt. Er bewirkt, dass der Zuluftstrom zugluftfrei an den Oberflächen von Decke und Wand entlang verläuft und den Raum besonders gut durchflutet.

Was jedoch bei jedem Bauvorhaben zusätzlich zählt: „Das ganze System ist sehr einfach einzubauen. Zwei Monteure gingen in der Rohbauphase Wohnung für Wohnung durch und konnten die acht Kompaktlüftungs-Systeme jeweils in maximal ein bis zwei Tagen installieren“, berichtet Kruschewski. Auch Koch ist rundum zufrieden. „Die Lüftung läuft unmerklich im Hintergrund und das System funktioniert stabil. Gleichzeitig bieten wir unseren Mietern niedrige Energiekosten bei gesundem Raumklima. Und der Service von Zehnder war für uns als Bauherren von der Planung bis zur Abnahme eine hervorragende Arbeitserleichterung. Unser Installationsfachbetrieb übernimmt den regelmäßigen Filterwechsel, damit wir die einwandfreie Funktion unabhängig von den Nutzern gewährleisten können. Neben dem Zugewinn an Raumlufthygiene, Energieeffizienz und täglichem Wohnkomfort für die Bewohner ist das gesamte System auch für uns als Betreiber eine sehr empfehlenswerte Gebäudetechniklösung.“

Inhaltsübersicht

  1. Teil: Wohnraumlüftung im Mehrparteienhaus
  2. Teil: Kontakt zum Anbieter
  • 2  Überdachte Balkone ermöglichen ein angenehmes Verweilen an der frischen Luft. Das Frischlufterlebnis bieten jedoch auch die Innenräume: Ein zentrales Komfort-Lüftungssystem pro Wohnung sorgt ganzjährig für ein gesundes und behagliches Raumklima bei optimaler Energieeffizienz.

  • 3  Das zentrale Kom-fort-Lüftungsgerät Zehnder ComfoAir 180 findet in einem Küchenschrank oder in Badezimmernischen Platz. Die Doppelkanäle aus EPP können oberhalb der Küchenschränke im ungenutzten Raum verschwinden und halten trotz minimalem Platzbedarf alle Anforderun-gen nach DIN 1946-6 hinsichtlich der Installa-tion von Außen- und Fortluft innerhalb der thermischen Gebäudehülle ein.

Zehnder Group Deutschland GmbH, Lahr

Zehnder Group Deutschland GmbH, Lahr

  • Zurück
  • Druckansicht
  • Versenden

Weitere TGA online Inhalte

Weitere Links zum Thema: