TGA Brandschutz

TGA Ausgabe 10-2018
Alternatives Sanierungskonzept spart Kosten

Brandschutz im Tanklager optimiert


1 Brandschutz muss Schutzziele erreichen und ist kein Selbstzweck.

1  Brandschutz muss Schutzziele erreichen und ist kein Selbstzweck.

Die Feuerlöscheinrichtung eines Tanklagers in Bayern wies zahlreiche Mängel auf. TÜV SÜD Industrie Service erhielt den Auftrag, ein Brandschutzkonzept für die Sanierung zu erstellen. Abweichend von den üblichen Regelwerken wurde dem Betreiber ein alternatives Konzept vorgeschlagen, mit den zuständigen Behörden abgestimmt und umgesetzt. Wesentlicher Bestandteil der Schadensbegrenzung ist nun die Brandfrüherkennung mit einem voll-automatischen Infrarot-Messsystem.

Kompakt informieren

Nicht alles, was beim Brandschutz aus technischer Sicht im Bereich des Machbaren liegt, ist tatsächlich sinnvoll. Oft werden zu umfangreiche Maßnahmen empfohlen und geplant – auch, um etwaige Haftungsrisiken auszuschließen.

Insbesondere bei der Sanierung bestehender Anlagen bzw. bei der Behebung von Mängeln kann es sich lohnen, die Schutzziele über alternative Lösungen zu erfüllen.

Für die zu sanierenden Feuerlöscheinrichtungen eines Tanklagers wurde statt einer vollständigen Erneuerung ein alternatives Brandschutzkonzept entwickelt und mit erheblichen Kosteneinsparungen umgesetzt. Wesentlicher Bestandteil ist ein vollautomatisches Infrarot-Messsystem, das ein mögliches Brandereignis über Temperaturveränderungen detektiert.

Brandschutz muss Schutzziele erreichen und ist deshalb kein Selbstzweck. Aber nicht alles, was beim Brandschutz aus technischer Sicht im Bereich des Machbaren liegt, ist tatsächlich sinnvoll. Oft werden zu umfangreiche Maßnahmen empfohlen und geplant – mitunter auch, um etwaige Haftungsrisiken auszuschließen.

Die zentrale Herausforderung beim Brandschutz ist jedoch, sinnvolle Ingenieurleistungen und Rechtsanwendung aufeinander abzustimmen und zu optimieren. Denn Brandschutz erfordert zugleich ein hohes Maß an technischem Wissen und juristischem Know-how. Das ist von großer Bedeutung, weil anspruchsvolle Situationen gemäß spezifischer Schutzziele bewertet und nachvollziehbare Risikobetrachtungen angestellt werden müssen.

Am Ende dieses Prozesses sollte ein schlüssiges sowie wirtschaftlich vertretbares Brandschutzkonzept vorliegen, das die Zustimmung der Behörden und der Feuerwehr erhält und einfach in der Praxis umzusetzen ist.

Baurechtliche Grundlagen

Tanklager sind Anlagen besonderer Art und Nutzung. Der Betrieb von Tanklagern ist verbunden mit dem Umgang und der Lagerung von Stoffen mit Explosions- oder erhöhter Brandgefahr. Wie bei anderen Sonderbauten auch, nimmt der vorbeugende Brandschutz eine zentrale Rolle bei der technischen Gebäudesicherheit ein.

Schutzmaßnahmen und Sicherheitsvorkehrungen liegen deshalb nicht nur in der Eigenverantwortlichkeit des Betreibers, sondern sind darüber hinaus auch von öffentlichem Interesse. Deshalb enthält die Bayerische Bauordnung (BayBO) unter anderem materielle Anforderungen, die als „Generalklausel des Brandschutzes“ den in Artikel 12 definierten Schutzzielen dienen.

Demnach sind bauliche Anlagen so anzuordnen, zu errichten, zu ändern und instand zu halten, dass der Entstehung eines Brandes und der Ausbreitung von Feuer und Rauch (Brandausbreitung) vorgebeugt wird und bei einem Brand die Rettung von Menschen und Tieren sowie wirksame Löscharbeiten möglich sind. Gemäß Artikel 3, Absatz 1, kann jedoch von den technischen Baubestimmungen abgewichen werden, wenn mit einer alternativen Lösung in gleichem Maße die allgemeinen Anforderungen des Absatzes 1 erfüllt werden. Das heißt: Werden die allgemein anerkannten Regeln der Baukunst und Technik beachtet, gelten die im Gesetz festgelegten Anforderungen und Vorschriften als eingehalten.

Tanklager mit hohem Sanierungsbedarf

Auf dem Werksgelände eines Tanklagers in Bayern wurden durch verschiedene Prüfgutachter bei Feuerbeschauen und Störfallbegehungen erhebliche Mängel an der Feuerlöscheinrichtung festgestellt. Für die Sanierungsplanung hat ein Ingenieurbüro einen Katalog mit umfangreichen Erneuerungsmaßnahmen vorgelegt. Gesamtvolumen: 1,7 Mio. Euro.

Unabhängige Ingenieure von TÜV SÜD führten eine Validierung der Planungen durch. Der betroffene Teilbereich des an einem Hafenbecken gelegenen Tanklagers besteht aus 24 Tanks mit einem Fassungsvolumen zwischen 600 und 2000 m3. Sie dienen als Zwischenlager für leicht entzündbare Flüssigkeiten mit einem Flammpunkt (FP) von < 21 °C nach Gefahrstoffrecht.

Folgende brandschutztechnische Infrastruktur war zum Zeitpunkt der Beurteilung vorhanden: Eine nicht selbsttätige Schaumlöschanlage mit einem Schaummittelvorrat von insgesamt 10 500 l in zwei Behältern, zwei Tauchpumpen im Hafenbecken mit einer Förderleistung je 180 m3/h für die Mantel- und Dachberieselung der Tanks sowie die Löschwasserversorgung, eine manuelle Auslösung der Absperrventile und eine eigene Transformatorenstation, die durch den regio-nalen Energieversorger eingespeist wurde. Die Bereitstellung von Notstrom erfolgte durch die ortsansässige Feuerwehr.

Vollständige Erneuerung der Feuerlöschanlage

Bei der Sichtung und Begutachtung des vorgeschlagenen Sanierungskonzepts fiel den Ingenieuren von TÜV SÜD auf, dass der Maßnahmenkatalog des Ingenieurbüros die komplette Erneuerung der Feuerlöschanlage beinhaltete. Vorgeschlagen wurde die Errichtung von drei Löschmittelzentralen in Containerform zur mobilen Aufstellung. Die DIN-konforme Lösung sollte die fernbediente Berieselung und Beschäumung der Tanks sicherstellen.

Bei dieser Lösung eingeschlossen waren auch die erforderlichen Elektro-, Bedien- und Steuerungsanlagen zum ferngesteuerten Betrieb der Löschmittelzentralen sowie die Installation neuer Rohrleitungstrassen von den Feuerlöschzentralen zu den Löscheinrichtungen in den Tankfeldern. Die veranschlagten Kosten allein für die drei Löschmittelzentralen inklusive der aufwendigen Infrastruktur betrugen ca. 1,2 Mio. Euro.

Alternatives Konzept mit gleichem Schutzniveau

Mit Blick auf die Schutzziele erstellten die Ingenieure von TÜV SÜD eine Prioritätenliste mit wesentlichen, umzusetzenden Maßnahmen. Dies war notwendig aufgrund der Vielzahl der festgestellten Mängel. Wesentliche Parameter für die Erreichung der Schutzziele mit der alternativen Lösung waren drei Maßnahmenpakete, die folgende Details enthielten:

A) Aufbau und Inbetriebnahme einer Brandfrüherkennung, bestehend aus einem vollautomatischen Infrarot-Messsystem von DIAS Infrared, das ein mögliches Brand-ereignis über Temperaturveränderungen im Überwachungsbereich detektiert, bevor es zu einem Brand kommen kann. Dabei werden besonders die Sicherheitseinrichtungen der Tanks, die Motoren und Pumpen, sowie die Betankungsstationen auf dem Werksgelände überwacht.

Das System besteht aus sieben Wärmebildkameras auf Schwenk-Neige-Köpfen. Das ermöglicht eine Unterteilung der zu überwachenden Flächen in Sektoren, die nacheinander zyklisch angefahren werden. Überschreitungen eines bestimmten Temperaturwertes werden sofort der Messwarte des Tanklagers, sowie der ortsansässigen Feuerwehr gemeldet.

Die Kameras sind in ein Wetterschutz-gehäuse mit Lüftung und Heizung eingehaust Abb. 2, um sie vor äußeren Einflüssen zu schüt-zen. Zu diesem Maßnahmenpaket gehören zudem die Fernauslösung der Löschmittelzufuhr von der Messwarte aus und die Automatisierung der sicherheitstechnischen Einrichtungen.

B) Sanierung des Rohrleitungssystems der Schaumlösch- und Berieselungsanlage durch Austausch von undichten und von Korrosion betroffenen Leitungsabschnitten. Zusätzlich sind zur Entstehungsbrand- und Brandbekämpfung drei fest installierte Schaumlöschanlagen in Form von Schaummonitoren einzubinden. Darüber hinaus ist ein mobiler und damit flexibler Schaummonitor vorzuhalten.

C) Sicherstellung der Stromversorgung für die Brandfrüherkennung und Brandbekämpfung: Nach Auskunft des regionalen Energieversorgers beträgt die maximale Dauer eines Stromausfalls mindestens 30 min. Als Redundanz ist eine eigenständige Notstromversorgung für die Dauer von zwei Stunden durch Batteriepufferung und zusätzlich über ein dieselbetriebenes Notstromaggregat bereitzustellen.

Das von TÜV SÜD erarbeitete alternative Brandschutzkonzept wurde mit dem Betreiber des Tanklagers, der zuständigen städtischen Behörde und der Berufsfeuerwehr abge-stimmt und umgesetzt. Die Brandfrüherkennung in Verbindung mit den zusätzlichen Maßnahmen zur Optimierung der brand-schutztechnischen Infrastruktur ist nun zentraler Bestandteil der Schadensbegrenzung. Der Betreiber des Tanklagers wird dadurch in die Lage versetzt, möglichen Szenarien der Brandentstehung in Zusammenarbeit mit der Feuerwehr frühzeitig und effektiv zu begegnen – dies auch bei Stromausfall und versperrter Zufahrt durch einen Güterzug, wie Abb. 3 und Abb. 4 zeigen.

Ein Drittel der ursprünglich angesetzten Sanierungskosten eingespart

Vorhandene Schwächen bei der brandschutztechnischen Infrastruktur konnten mithilfe der hier vorgestellten Maßnahmen kompensiert werden. Im Vergleich zum Vorläuferkonzept sparte das TÜV-SÜD-Brandschutzkonzept mit der Brandfrüherkennung von DIAS Infrared dem Betreiber des Tanklagers rund ein Drittel der ursprünglich veranschlagten Sanierungskosten. Die geforderten Schutzziele und das gleiche Sicherheitsniveau wurden ebenso erreicht.

Inhaltsübersicht

  1. Teil: Brandschutz im Tanklager optimiert
  2. Teil: Dipl.-Ing. (FH) Michael Daub
  3. Teil: M. Sc., Dipl.-Ing. (FH) Torsten Welz
  • 2  Wärmebildkamera Pyroview eingehaust in ein Wetterschutzgehäuse.

  • 3  Beispielszenario der Entstehungsbrandbekämpfung bei intakter Stromversorgung und freier Zufahrt zum Tanklager.

  • 4  Beispielszenario der Entstehungsbrandbekämpfung bei Stromausfall und versperrter Zufahrt zum Tanklager durch einen Güterzug.

DIAS Infrared

TÜV SÜD

TÜV SÜD

  • Zurück
  • Druckansicht
  • Versenden

Weitere TGA online Inhalte

Nach Schlagworten:

› Brandfrüherkennung (35%) › Tanklager (30%)