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29.06.2007

Erster Kurzzeit-Großkältespeicher in Betrieb

Dr. Thorsten Urbaneck vor dem 3,5-Mio.-Liter-Kältespeicher.
Heute ist in Chemnitz Deutschlands erster Kurzzeit-Großkältespeicher in Betrieb genommen worden. Anlass für den Bau waren Kapazitätsengpässe im Chemnitzer Fernkältesystem durch steigende Abnehmerzahlen sowie die Effizienzverbesserung bei der Kälteerzeugung. Das Chemnitzer Fernkältesystem, das seit 1973 in Betrieb ist, besteht aus einem 4,5 km Rohrsystem mit 5°C Kaltwassertemperatur. Es wird mit Abwärme aus dem Heizkraftwerk Chemnitz Nord per Kraft-Wärme-Kälte-Kopplung gekühlt und versorgt nahezu alle großen Kälteabnehmer der Stadt.

5 Stunden Kältespeicherung für Innenstadt
Das bisherige Problem der Fernkälteversorgung: Zu normalen Zeiten ist es nur zum Teil ausgelastet. Zu Spitzenzeiten im Sommer sind die Maschinen durch den Neuanschluss weiterer Kältekunden überlastet. Abhilfe schafft jetzt ein Tank von 19 m Höhe (Füllstand rund 17 m) und 16,5 m Durchmesser, in den 3500 m³ Wasser passen. Auf 5°C gekühlt reicht es aus, um die Abnehmer in der Chemnitzer Innenstadt zu Spitzenlastzeiten fünf Stunden lang zu versorgen. Dafür wird der gut gedämmte Kältespeicher nachts mit Abwärmenutzung durch Absorptionskältemaschinen aufgeladen, Tagsüber gleicht er die Engpässe im Fernkältesystem aus. Diese Lösung ist nach Meinung von Experten nicht nur umweltfreundlich, sondern auch ökonomisch ausgewogen.

Musterprojekt für Aufbau und der Umrüstung von Kühlsystemen
An der Entwicklung der Anlage war die TU Chemnitz maßgeblich beteiligt. Die Idee für den Speicher entwickelte Dr. Thorsten Urbaneck von der Professur Technische Thermodynamik. Das Projektteam der TU unter Leitung von Prof. Dr. Bernd Platzer berechnete die Strömungsverhältnisse und das thermische Verhalten im Kältespeicher und betreut auch zukünftig die Messtechnik. Urbaneck: „Die Ergebnisse könnten bald deutschlandweit beim Aufbau und der Umrüstung von Kühlsystemen angewendet werden, denn die oberirdische Kurzzeit-Speicherung von Kälte ist in Deutschland neu.“ Neben den Stadtwerken zeigte sich auch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie begeistert – es übernahm die Kosten für die Forschung der TU zu 100% und steuerte knapp 247.000 Euro bei. Insgesamt förderte das Bundeswirtschaftsministerium das 1,1 Mio. Euro teure Vorhaben mit etwa 588.000 Euro. ToR

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