TGA Leitartikel

TGA Ausgabe 06-2012
Energiewende

Erneuerbare sind keine Alternative

Erneuerbare sind keine Alternative

Liebe TGA-Leser, ich bin stolz auf euch! Fast zwei Drittel haben beim TGA-Wissens-Check 05-2012 (Webcode 1015) gewusst, dass sich die von Menschen nutzbar gemachten erneuerbaren Energien aus lediglich drei Primärenergiequellen speisen: der Kernfusion in der Sonne, dem Zerfall natürlicher radioaktiver Isotope im Erdinneren und der Gravitation (zwischen Erde und Mond). Vornehmlich nutzen wird die Energie der Sonne. Über Biomasse, Wind, Wasserkraft, Photovoltaik, Solar-, Aero- und Geothermie. Mit der steigenden Verbreitung scheinen jedoch viele ein Problem zu haben.

Erneuerbare Energien sind aber kein Teil eines Problems, sondern eine Lösung. Das Problem ist die Nutzung fossiler Energieträger zur Deckung des steigenden Energiebedarfs, den das Verfügbarmachen von Kohle, Erdöl und Erdgas angefacht hat. Vorher wurden nur erneuerbare Energien genutzt. Und einer der größten Problemfaktoren für die Menschheit ist, dass die Erdgeschichte mehr Kohlenstoff aus der Atmos­phäre entfernt und für uns erreichbar in der Erdkruste deponiert hat, als wir freisetzen dürfen, bevor sich die Umweltbedingungen nach einer heutigen Bewertung negativ und unumkehrbar verändern.

Die Nutzung fossiler Energieträger wieder durch erneuerbare Energien zu ersetzen, ist deswegen keine Alternative zum „Weiter so wie bisher“, sondern nach der signifikanten Verbrauchssenkung die plausibelste Option, ein Gebot. Schnell wird dies mit horrenden Kosten in Verbindung gebracht. Mathematisch mögen viele der Zahlen richtig sein, aber selten werden sie für eine objektive Information errechnet.

Natürlich wird die Energiewende Geld kosten. Aber viele Studien zeigen auch, dass ein Unterlassen der Energiewende mindestens genauso teuer kommt, vermutlich sogar viel teurer wird. Sind die Ölpreise auf einem so hohen Niveau, weil bereits mit der Substitution begonnen worden ist? Wird man um die halbe Welt verschiffte Kohle künftig billiger einkaufen können? Auf welches Niveau wird die momentane Erdgasschwemme den Preis drücken, bevor die ersten Quellen Verluste einfahren?

Für den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit benötigen wir billige Energie. So wird es von der Politik und der Industrie propagiert. Tatsächlich sind geringe Energiekosten für die Wettbewerbsfähigkeit ausschlaggebend – also das Produkt aus Energiepreis und Energieverbrauch. So ist es doch immer wieder erstaunlich, wie Unternehmen mit zeitgleich klagenden Wettbewerbern in übertragbaren Pilotprojekten ihren Energieverbrauch mit kurzen Refinanzierungszeiten drastisch senken können. Warum haben beide Unternehmen zuvor die Hände in den Schoß gelegt? Zu billige Energie dürfte ein Teil der Antwort sein.

Energiekosten senken, erneuerbare Energien sinnvoll einsetzen, das sind auch Zukunftsaufgaben für unsere Branche. Mehrere Artikel in dieser TGA-Ausgabe werden Sie darin bestätigen, dass dazu eine anspruchsvolle Planungsleistung erbracht werden muss – und dass auch der Blick über den Tellerrand gefordert ist. Ich wünsche Ihnen stets genügend Auftraggeber, die Sie für Ihren Weitblick gewinnen können.

Seit März wird TGA Fachplaner übrigens klima­neutral gedruckt und seit April ist die Internetseite von TGA Fachplaner „klimaneutral“. Mehr dazu erfahren Sie, wenn Sie auf http://www.tga-fachplaner.de das ClimatePartner-Logo anklicken.  

Jochen Vorländer, Chefredakteur TGA Fachplaner
vorlaender@tga-fachplaner.de · http://www.tga-fachplaner.de

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