TGA Klimatechnik

TGA Ausgabe 11-2013
Flächentemperierung bei Harley-Davidson

Optimale Kühlung für „heiße Öfen“

Abb. 1 Die Präsentations- und Verkaufsräume des Motodrom Harley-Davidson in Klagenfurt verteilen sich über zwei Etagen. (Quelle: Motodrom Harley-Davidson Klagenfurt)
Abb. 1 Die Präsentations- und Verkaufsräume des Motodrom Harley-Davidson in Klagenfurt verteilen sich über zwei Etagen.

Ob Motorrad-Fan oder nicht – kaum jemand kann sich der Faszination der Kultmarke Harley-Davidson entziehen. Das gilt gerade dann, wenn in den entsprechenden Präsentations- und Verkaufsräumen außerdem noch ein besonders angenehmes Klima zum Aufenthalt einlädt. Dafür sorgen im Motodrom Harley-Davidson in Klagenfurt die Flächentemperiersysteme: Die einfache, platzsparende und vor allem unsichtbare Installation und die vorbildliche Energieeffizienz überzeugten den Bauherrn.

Das Motodrom Harley-Davidson Abb. 1 – ein klangvoller Name, passend zum satten Sound der Motorräder: Untergebracht in einem rund 700 m2 großen Neubau, können im österreichischen Klagenfurt Biker die neuesten Maschinen bestaunen und sich anschließend im Shop mit standes- und vor allem sicherheitsgemäßer Kluft ausstatten. Der Showroom wurde an ein umfunktioniertes Bestandsgebäude gebaut, das nun als Motorradwerkstatt dient.

Zu den Herausforderungen des Projekts gehörte die Klimatisierung. Die wichtigste Forderung des Bauherrn dabei: In dem als Galerie gestalteten Obergeschoss soll zu jeder Jahreszeit eine „Wohlfühltemperatur“ herrschen. Denn hier, unter dem Dach aus gedämmten Trapezblechen, ist der Shop untergebracht. Damit Kunden bereit sind, die warmhaltende Motorradbekleidung auch in den besonders verkaufsaktiven und zugleich heißen Sommermonaten anzuprobieren, muss es gerade dort angenehm kühl sein. Eine weitere Überlegung: Die Wände sollten in der stylischen Motorradausstellung im Erdgeschoss möglichst frei zu gestalten sein. Auch im Obergeschoss sind freie Wandflächen für Regale erforderlich.

Die Lösung für diese auch innenarchitektonische Herausforderung fanden SHK-Fachmann Mario Schuhs und Ing. Stefan Essmann Abb. 5 von Essmann-Bau bei Viega als Systemanbieter für Flächentemperiersysteme: Geheizt und gekühlt wird das Klagenfurter Motodrom Harley-Davidson durch Fonterra-Systeme über den Boden, die Decke und auch Wände. Damit wurden nicht nur die ästhetischen und praktischen Wünsche des Bauherrn erfüllt: Die Flächentemperierung war gleichzeitig der Schlüssel zum kostensparenden Einsatz regenerativer Energie.

Kühldecke und L/W-Wärmepumpe

Die Wärmeabfuhr übernimmt in erster Linie die Kühldecke unter dem Dach des Neubaus Abb. 2. Dort fällt die größte Kühllast an, denn aufgrund der atriumartigen Gestaltung des Gebäudes würde sich aufsteigende Warmluft im Giebel stauen. Zudem ist über die Dachfläche der Wärmeeintrag durch Sonneneinstrahlung am größten. Rund 230 m2 des Deckentemperiersystems Fonterra Top 12 sorgen hier jedoch auch im Sommer für das geforderte Wohlgefühl. Bei dem System werden werksseitig Rohrleitungen (12 × 1,3 mm) aus Polybuten (PB) in 18 mm starke Gipsfaserplatten eingearbeitet. Nur etwa 6 mm Rohrüberdeckung gewährleistet eine schnelle Reaktion bei Lastschwankungen.

Die Kühlleistung der Decke beträgt insgesamt 13 kW. Sie ist angeschlossen an zwei Luft/Wasser-Wärmepumpen, die auf dem Flachdach des Bestandsgebäudes platziert sind. Im Vergleich mit einer luftbasierten Klimalösung ist die Kühldecke deutlich wirtschaftlicher – sowohl bei der Installation, beim Platzbedarf und auch in der Energiebilanz. Denn die Temperierung der raumzugewandten Dachfläche ist Heizung und Kühlung in einem. Installationsarbeiten für eine Klimaanlage, die bei einem konventionellen Konzept notwendig wären, sind entfallen.

Fußboden- und Wandheizung

Um die erforderliche Heizleistung von 20 kW in dem Neu- und Erweiterungsbau zu erreichen, wurden zusätzlich zur Temperierung der Decke im Neubau 450 m2 Fußbodenheizung und in den Nebenräumen des Bestandbaus 20 m2 Wandheizungen eingebracht Abb. 3. Im Boden ist dabei das System Fonterra Base 15 installiert. Auf Noppenplatten wurden mehrere Verteilkreise aus PB-Rohr 15 × 1,5 mm verlegt, überdeckt von einem Zement-Fließestrich.

Die Wandtemperierung erfolgt über das System Fonterra Side 12 – vom Aufbau her identisch mit den Deckenelementen Fonterra Top 12, also Trockenbauplatten mit eingearbeiteten Kreisen aus 12-mm-PB-Rohr.

Durch die Flächentemperierung konnte in allen Räumen auf Heizkörper verzichtet werden. Technisch ausgelegt sind die Systeme für Betriebstemperaturen bis 50 °C. Doch im Harley-Davidson-Objekt reichen für die Flächenheizungen typische 35 °C als Vorlauftemperatur bei 28 °C Rücklauftemperatur völlig aus, sodass die Luft/Wasser-Wärmepumpen auch zum Heizen eingesetzt werden können.

Installation und Innenausbau in einem

Nicht nur das Einbringen der Fußbodenheizung, sondern gerade die Wand- und Deckenmontage der Gipsfaserplatten mit integrierten Rohrleitungen war „sehr einfach, schnell und sicher“, wie die SHK-Fachhandwerker der dafür verantwortlichen Schuhs GmbH einhellig resümierten. Geschäftsführer Mario Schuhs: „Mit dem Trockenbau haben wir ein qualifiziertes Partnerunternehmen beauftragt. Für den Innenausbauer macht es keinen Unterschied, ob er konventionelle Gipsfaserplatten oder die Fonterra-Elemente montiert. So sind Innenausbau und Heizungsinstallation praktisch in einem Zug erledigt.“

Zum reibungslosen Ablauf trägt laut Schuhs außerdem die auch über Kopf einfach zu handhabende Presstechnik bei Abb. 4. „Die Rohrverbindung ist mit nur einem Arbeitsschritt sicher hergestellt. Aufweiten und Kalibrieren der PB-Rohre ist bei der Viega-Presstechnik nicht notwendig – das spart viel Zeit.“ So waren die 58 Kreisläufe nach der Montage der Decken- und Wand­elemente durch den Innenausbauer inklusive Anschluss an die Verteiler schnell einsatzbereit.

Nach dem Spülen und Abdrücken schloss der Trockenbauer die noch offenen Decken- und Wandflächen und überspachtelte die Klebefugen. Das reibungslose Ineinandergreifen der Gewerke Trockenbau und SHK Abb. 6 gewährleistete so den besonders zügigen Baufortschritt – und letztendlich die termingerechte Eröffnung nach nur einem halben Jahr Bauzeit.

Zukunftsmarkt Flächentemperierung

Wie viele SHK-Fachleute sieht auch Mario Schuhs einen wachsenden Anteil von Flächentemperiersystemen bei der Gebäudeklimatisierung ganz klar als Zukunftsmarkt: „Decken und Wände als zusätzliche Strahlungsfläche zu nutzen, ermöglicht geringere Vorlauftemperaturen und damit die ressourcenschonende Nutzung von Umweltwärme auch in größeren Gebäuden. Dass gleichzeitig über diese Flächen gekühlt werden kann, ist ein echter Pluspunkt. Denn die Anzahl heißer Sommertage steigt – und damit auch der Wunsch nach wirtschaftlicher und gleichzeitig energieeffizienter Raumkühlung.“

Das Motodrom Harley-Davidson in Klagenfurt steht dabei exemplarisch für die gleichzeitige Anpassungsfähigkeit von Flächentemperierung an objektspezifische Bedingungen und Nutzeransprüche – insbesondere, wenn die Boden-, Wand- und Deckenelemente installationsfreundlich aus einem abgestimmten Systemverbund stammen.  

Inhaltsübersicht

  1. Teil: Optimale Kühlung für „heiße Öfen“
  2. Teil: Hätten Sie das gewusst?
  3. Teil: Trockenbau plus Flächentemperierung
  4. Teil: Peter Buchner
  • Abb. 2 230 m² Fonterra-Top-12-Kühldecke sorgen im Obergeschoss auch an heißen Sommertagen für angenehme Temperaturen. Hier können die Kunden Motorradbekleidung anprobieren, ohne ins Schwitzen zu kommen.
  • Abb. 3 In den Nebenräumen übernehmen zusätzlich zur Deckenfläche auch die Wände Heiz- und Kühllast.
  • Abb. 4 Die Fonterra-Systeme werden mit Presstechnik verbunden und angeschlossen. Die Heizkreisverteiler wurden in der Decke untergebracht. So bleiben sie leicht zugänglich, wenn im Ladenlokal und Büro die Wände mit Ausstellungsstücken oder Regalen verstellt werden.
  • Abb. 5 Der Bauherr des Motodroms Harley-Davidson zeigt sich mit der Planung und Ausführung der Flächentemperierung sehr zufrieden. Verantwortlich dafür zeichneten (v.r.) Wolfgang Tandl, Planerberater bei Viega, Ing. Stefan Essmann von der Essmann-Bau GmbH und Mario Schuhs, Geschäftsführer des SHK-Fachhandwerkbetriebs Schuhs.
  • Abb. 7 Motorräder vor dem Motodrom Harley-Davidson Klagenfurt. Die passende Motorrad­bekleidung kann man im ­Obergeschoss anprobieren.
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