TGA Regelwerk erklärt

TGA Ausgabe 01-2015
Richtlinienreihe VDI 3807

Verbrauchskennwerte für Gebäude bewerten

1 Häufigkeitsverteilung von Heizenergiekennwerten 
für ein Verwaltungsgebäude nach [1]. Anzahl Daten: 1986; arithmetisches Mittel: 95 kWh/(m2 a); Zielwert: 55 k

1  Häufigkeitsverteilung von Heizenergiekennwerten

für ein Verwaltungsgebäude nach [1]. Anzahl Daten: 1986; arithmetisches Mittel: 95 kWh/(m 2  a); Zielwert: 55 kWh/(m 2  a); Median: 101 kWh/(m 2  a); Mittelwert: 79 kWh/(m 2  a); Standardabweichung: 52 kWh/(m 2  a); Flächendurchschnitt: 3649 m 2 .

VDI 3807 Blatt 1 beschreibt das Verfahren zur Bestimmung von Verbrauchskennwerten für Gebäude. Das Verfahren ist anwendbar auf thermische und elektrische Energie sowie Wasser. Nun wurden mit Blatt 2 Verbrauchskennwerte für Heizenergie, Strom und Wasser aus Verbrauchsmessungen und mit den Blättern 3 und 5 Hilfestellungen für die Bildung von Teilkennwerten für den Verbrauch von Wasser und thermischer Energie nachgelegt.

Kompakt informieren

Die VDI-Richtlinienreihe 3807 hilft bei der Beurteilung des Energie- und Wasserverbrauchs in Gebäuden und auf Grundstücken mithilfe von Kennwerteverfahren.

Die in Blatt 2 angegebenen, empirischen Richtwerte kennzeichnen Verbrauchskennwerte, die bei Gebäuden als real vorkommende günstige Werte auftraten. Mit der Differenz des Verbrauchskennwerts eines Gebäudes zum maßgeblichen Richtwert kann eine Einsparoption abgeschätzt werden.

Die Blätter 3 und 5 geben dazu Hinweise zur Berücksichtigung von Besonderheiten beim Verbrauch von Wasser und thermischer Energie über die Bildung von „Teilverbrauchskennwerten“ mit Aufteilung des gesamten Verbrauchs auf einzelne Verbrauchssektoren.

Im November 2014 sind aus der Richtlinienreihe VDI 3807 drei Blätter [1, 2, 3] zur Beurteilung des Energie- und Wasserverbrauchs in Gebäuden und Grundstücken mithilfe von Kennwerteverfahren erschienen. Für die praktische Anwendung werden Hinweise für den Umgang mit Gebäudekennwerten gegeben, insbesondere für die Interpretation von Abweichungen zwischen dem Istwert und Referenzverbrauchswerten.

Heizenergie, Strom und Wasser

VDI 3807 Blatt 2 gilt für das Anwenden von Energie- und Wasserverbrauchskennwerten für Gebäude, die mit Heizenergie, Wasser und Strom versorgt werden, insbesondere für den Vergleich von Verbrauchskennwerten einzelner Gebäude mit den in dieser Richtlinie angegebenen Mittel- und Richtwerten, die in den Anhängen anschaulich dokumentiert sind.

Die Mittel- und Richtwerte basieren überwiegend auf Verbrauchsmessungen aus den Jahren 2004 und 2005 für Gebäude mit konventioneller Technik in Deutschland. Beim Vergleich von Energie- und Wasserverbrauchskennwerten von Gebäuden in anderen Län-dern mit Mittel- und Richtwerten dieser Richtlinien sind die in diesen Ländern geltenden Randbedingungen (Wärmedämmstandard, Klima, übliche Nutzungsbedingungen zu berücksichtigen.

Beim Einsatz besonderer Technologien, beispielsweise Eigenstromerzeugung mit Blockheizkraftwerken oder Kälteerzeugung mit Absorptionskältemaschinen, weichen die vom Energieversorger bezogenen Endenergien von den Verbräuchen ab, die für die Bildung von Strom- und Heizenergieverbrauchskennwerten zu verwenden sind. Die erforderlichen Korrekturen werden in den VDI-3807-Blättern 3 bis 5 beschrieben.

In der Richtlinie werden aufbauend auf der Klassifizierung und den Bezugsgrößen Aussagen zum Datenmaterial, den Verbrauchskennwerten (nach Gebäudegruppen beziehungsweise Gebäudearten) und zu einer Reihe Anwendungshinweisen gegeben. Die umfangreichen Anhänge befassen sich mit:

  1. Erläuterungen zu statistischen Begriffen;
  2. Beispielen (Mischnutzung, Krankenhaus, Kindergarten, Verwaltungsgebäude, Schule mit Schwimmhalle);
  3. Bauwerkzuordnungskatalog;
  4. Maßnahmenkatalog (technische und organisatorische);
  5. Häufigkeitsverteilungen für Verwaltungsgebäude Abb. 1 Abb. 2 Abb. 3, Krankenhäuser, Schulen, Kindertagesstätten, Kindergärten, Turn-/Sporthallen, Hallenbäder, Freibäder, Wohnheime;
  6. Matrix typischer Wärmeanwendungen nach Gebäudearten;
  7. Matrix typischer Wasseranwendungen nach Gebäudearten

Teilkennwerte Wasser

VDI 3807 Blatt 3 (Entwurf) gilt für die Ermittlung und Anwendung von „Teilkennwerten Wasser“ für alle Gebäude und Liegenschaften inklusive Freiflächen entsprechend dem Bauwerkszuordnungskatalog, die mit Wasser versorgt werden. Diese Teilkennwerte können aus gemessenen Werten abgeleitet, rechnerisch und / oder aus den Hinweisen dieser Richtlinie beziehungsweise mithilfe von VDI 6024 Blatt 1 ermittelt werden.

Unter dem Begriff Wasser ist Trinkwasser gemäß Trinkwasserverordnung zu verstehen. Andere Arten von Wasser (Betriebswasser, Niederschlagswasser, Grauwasser) müssen bei der Anwendung dieses Verfahrens berücksichtigt werden und können gegebenenfalls analog zu der Richtlinie behandelt werden.

Die Vorgehensweise bei der Analyse des Wasserverbrauchs, weitergehende Untersuchungen des Wasserverbrauchs und Teilkennwerte werden beschrieben. Im Kapitel 7 werden zwei Beispiele für die Anwendung der Richtlinie vorgestellt.

Teilkennwerte thermische Energie

VDI 3807 Blatt 5 gilt für die Ermittlung und Anwendung von „Teilkennwerten thermische Energie“ für alle Gebäude und Liegenschaften, die mit thermischer Energie (für die Gebäudeheizung, die Trinkwassererwärmung und sonstige Prozesswärme) versorgt werden. Diese Teilkennwerte können aus gemessenen Werten abgeleitet und / oder rechnerisch ermittelt werden. Die Richtlinie kann verwendet werden um

aus dem aus Messwerten ermittelten thermischen Endenergieverbrauch eines Gebäudes oder einer Liegenschaft zunächst Teilverbrauchskennwerte zu bilden,

die Teilverbrauchskennwerte zu bewerten und einzuschätzen,

aus der Menge der Teilverbrauchskenn-werte des Gebäudes oder der Liegenschaft diejenigen zu identifizieren, die für die betreffende Nutzung typisch und vergleichbar mit den Referenzkennwerten aus VDI 3807 Blatt 2 sind, sowie diejenigen, die atypisch sind und um

einen um Sondernutzungen und atypische Verbrauchsanteile bereinigten Kennwert für ein Gebäude oder eine Liegenschaft zu bestimmen, der vergleichbar mit den Werten aus VDI 3807 Blatt 2 der Norm ist.

Dabei werden Besonderheiten bei der Wärmeerzeugung, von Sondernutzungen sowie der Nutzungsintensität und bauliche Besonderheiten entsprechend betrachtet und berücksichtigt.

Ausführlich werden die Verfahren, die Messkonzepte und Datenauswertung dargelegt. Das Kapitel 7 enthält sechs charakteristische Beispiele und entsprechende Erläuterungen. Der Anhang weist typische Teilkennwerte in Tabellenform in Abhängigkeit der Nutzung aus.

Schlussfolgerungen

Die vorliegenden drei Richtlinien stellen ein sehr gutes Kompendium dar, um bei der energetischen Beurteilung eines Gebäudes oder Liegenschaft zwischen dem Istzustand und repräsentativen Bezugswerten zu vergleichen und gegebenenfalls entsprechende Schlussfolgerungen und Maßnahmen ableiten zu können.

Literatur

[1] VDI 3807 Blatt 2 Verbrauchskennwerte für Gebäude – Verbrauchskennwerte für Heizenergie, Strom und Wasser. Berlin: Beuth Verlag, November 2014

[2] VDI 3807 Blatt 3 (Entwurf) Verbrauchskennwerte für Gebäude – Teilkennwerte Wasser. Berlin: Beuth Verlag, November 2014

[3] VDI 3807 Blatt 5 Verbrauchskennwerte für Gebäude – Teilkennwerte thermische Energie. Berlin: Beuth Verlag, November 2014

[4] VDI 6024 Blatt 1 Wassersparen in Trinkwasser-Installationen – Anforderungen an Planung, Ausführung, Betrieb und Instandhaltung. Berlin: Beuth Verlag, September 2008, überprüft und bestätigt Januar 2014

Inhaltsübersicht

  1. Teil: Verbrauchskennwerte für Gebäude bewerten
  2. Teil: Prof. Dr.-Ing. (em) Achim Trogisch
  • 2  Häufigkeitsverteilung von Stromverbrauchskennwerten

    für ein Verwaltungsgebäude nach [1]. Anzahl Daten: 2025; arithmetisches Mittel: 30 kWh/(m 2  a); Zielwert: 10 kWh/(m 2  a); Median: 23 kWh/(m 2  a); Mittelwert: 19 kWh/(m 2  a); Standardabweichung: 15 kWh/(m 2  a); Flächendurchschnitt: 3578 m 2 .

  • 3  Häufigkeitsverteilung von Wasserverbrauchskennwerten

    für ein Verwaltungsgebäude nach [1]. Anzahl Daten: 1685; arithmetisches Mittel: 196 l/(m 2  a); Zielwert: 75 l/(m 2  a); Median: 153 l/(m 2  a); Mittelwert: 145 l/(m 2  a); Standardabweichung: 110 l/(m 2  a); Flächendurchschnitt: 4293 m 2 .

Bild: nach VDI 3807 Blatt 2, Anhang E

Bild: nach VDI 3807 Blatt 2, Anhang E

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