TGA Regelwerk erklärt

TGA Ausgabe 04-2018
DIN 1946-6 (Entwurf)

Wohnungslüftung: Kritik unerwünscht?

1 Auf welche Art auch immer: Wohnräume müssen regelmäßig gelüftet werden. In neuen und sanierten Gebäuden sind fast immer lüftungstechnische Maßnahmen erforderlich, weil ein natürlicher Luftwechsel über Fugen kaum noch stattfindet.

1  Auf welche Art auch immer: Wohnräume müssen regelmäßig gelüftet werden. In neuen und sanierten Gebäuden sind fast immer lüftungstechnische Maßnahmen erforderlich, weil ein natürlicher Luftwechsel über Fugen kaum noch stattfindet.

In der TGA-Branche gehört die Wohnungslüftungs-Norm DIN 1946-6 in den letzten Jahren zu den meistzitierten Regelwerken. Allerdings gibt es seit dem Erscheinen im Jahr 2009 auch Kritik an den Berechnungsgrundlagen und starren Entscheidungen. Ob der vorgelegte Neuentwurf die Kritiker ver-stummen lässt und zu einer breiteren Akzeptanz führt, bleibt abzuwarten – denn eine fristgerechte Einreichung von Einsprüchen wurde mit einem Kniff erschwert.

Kompakt informieren

Der vorliegende Entwurf für DIN 1946-6 integriert alle bisher veröffentlichten Beiblätter zu einem Gesamtwerk mit einem Umfang von rund 130 Seiten.

Diese Konsolidierung ist für die TGA-Branche vorteilhaft. Bei Branchenakteuren, die im Wesentlichen mit der Erstellung des Lüftungskonzepts befasst sind, dürfte dies die Akzeptanz kaum erhöhen.

Die fachliche Bewertung des Entwurfs für die Einreichung von Einsprüchen wurde durch die Veröffentlichung des Entwurfs vor Weihnachten und einen Monat vor dem eigentlichen Erscheinungstermin, ohne erkennbare bzw. kommunizierte Notwendigkeit erschwert.

Mit Ausgabedatum Januar 2018 ist ein Entwurf für DIN 1946 „Raumlufttechnik – Teil 6: Lüftung von Wohnungen – Allgemeine Anforderungen, Anforderungen an die Auslegung, Ausführung, Inbetriebnahme und Übergabe sowie Instandhaltung“ [2] erschienen. Dieser Entwurf soll die aktuell gültige Ausgabe ([1] Mai 2009) und die in den vergangenen Jahren herausgegebenen fünf Beiblätter ersetzen. Die kurze Einspruchsfrist von einem Monat (bis 01. Februar 2018) erweckt den Eindruck, dass eine fachliche Auseinandersetzung mit der Neuherausgabe – der bisher nicht bei allen im Bauprozess Beteiligten vollständig akzeptierten Norm – unerwünscht ist. Obwohl oder vielleicht gerade weil im Vorfeld schon einige kritische Fachartikel zu dem Entwurf veröffentlicht worden sind.

Der Normentwurf gilt für die freie und ventilatorgestützte Lüftung von Wohnungen und gleichartig genutzten Raumgruppen (Nutzungseinheiten) sowie in Kellerräumen in Wohngebäuden und Gebäuden mit gleichartig genutzten Raumgruppen (Nutzungseinheiten). Er legt dafür die Anforderungen an die Planung, die Ausführung und Inbetriebnahme, den Betrieb und die Instandhaltung der notwendigen Lüftungskomponenten bzw. Geräte für Einrichtungen zur freien Lüftung und für ventilatorgestützte Lüftungssysteme unter Berücksichtigung bauphysikalischer, hygienischer sowie energetischer Gesichtspunkte fest.

Die Planungsempfehlungen gelten für schadstoffarme Nutzungseinheiten. Übermäßige Schadstoffbelastungen aus dem Gebäude und aus der Umgebung des Gebäudes erfordern darüber hinausgehende Maßnahmen. Er behandelt nicht die Luftbehandlungsarten aktives Kühlen sowie aktives Be- und Entfeuchten. Für die Lüftung fensterloser Räume gelten weiterhin zusätzlich die bauaufsichtliche Richtlinie über die Lüftung fensterloser Küchen, Bäder und Toilettenräume in Wohnungen sowie DIN 18 017 Blatt 3.

Ausführlich werden in dem Entwurf mit insgesamt 130 Seiten Umfang „Begriffe, Abkürzungen und graphische Symbole“, „Lüftungskonzept – Notwendigkeit lüftungstechnischer Maßnahmen“, „Lüftungskonzept – Auswahl von Lüftungssystemen“, „Lüftungskonzept – Festlegung der Außenluftvolumenströme“, „Freie Lüftung“, „Ventilatorgestützte Lüftung – Festlegung der Außenluftvolumenströme“ sowie „Kombinierte Lüftungssysteme“ behandelt.

Die normativen Anhänge B, C, E und G enthalten Aussagen zum Lüftungskonzept, zur Inbetriebnahme und Übergabe, zur Instandhaltung und zu den Winddaten für Deutschland. Die informativen Anhänge A, D, F und I enthalten Aussagen zur Darstellung und Kennzeichnung der Lüftungssysteme, zu optionalen Vollständigkeits- und Funktionsnachweisen im Rahmen der Inbetriebnahme, zu optionalen Funktionsnachweisen im Rahmen der Instandhaltung und zur Kellerlüftung, Anhang H enthält ein Formblatt-Bleispiel.

Im Entwurf wurde der Inhalt an die europäischen Normen und Verordnungen angepasst, die Vorgaben für das Lüftungskonzept neu strukturiert (Kapitel 4 bis 8), das Kapitel 9 (kombinierte Lüftungssysteme) neu aufgenommen, die Berechnung des Außenluftvolumenstroms durch In- und Exfiltration angepasst sowie ein Abgleich der hygienischen Anforderungen an VDI 6022 und eine Anpassung des Abschnittes „Betrieb von Feuerstätten und Lüftungsanlagen bzw. -geräten“ an den Stand der Technik vorgenommen.

Bemerkungen

Bei einem ersten Vergleich des Entwurfs mit der noch gültigen Fassung fiel u. a. auf:

Kapitel 4.2.2 (Luftvolumenstrom zum Feuchteschutz): In Gleichung 2 wurde der Faktor vor der Nutzungsfläche von –0,001 auf –0,002 verdoppelt und der Faktor für den Feuchteschutz hat sich geändert (neu in Tabelle 4).

Kapitel 4.2.3 (Luftvolumenstrom durch Infiltration) wurde überarbeitet (Gleichungen und zusätzliche Tabelle 5).

Kapitel 6.1.2 (Anforderungen für die Nutzungseinheiten): in Gleichung 8 (entspricht oben genannter Gleichung 2) wurde ein Faktor für die Berücksichtigung der Lüftungsstufe eingeführt (Tabelle 6).

Die ursprüngliche Tabelle 5 (Mindestwerte der Gesamtaußenluftvolumenströme) wurde überarbeitet (jetzt Tabelle 7) und weist grundsätzlich geringere Werte aus.

Überarbeitet wurde das Kapitel freie Lüftung in Kapitel 6.2 und Kapitel 7, wobei die Werte für den Gesamtvolumenstrom bei freier Lüftung (Tabelle 11) gegenüber den Werten in der aktuellen Fassung ebenfalls kleiner sind.

Schlussfolgerungen

Positiv ist zu bewerten, dass unter Berücksichtigung der Berichtigungen und der Anpassung an aktuelle Normen und Regeln der Technik ein Entwurf vorgelegt wurde, der das Thema Wohnungslüftung insgesamt betrachtet. Unverständlich ist der kurze Zeitraum zwischen Veröffentlichung und Ende der Einspruchsfrist. Um formal die übliche Einspruchsfrist einzuhalten, wurde der Entwurf schon am 1. Dezember 2017 veröffentlicht. Hätte dafür eine terminliche Notsituation vorgelegen, wäre eine breite und frühe Information der Fachöffentlichkeit angezeigt gewesen. Dies ist nicht erfolgt. Das lässt nur den Schluss zu, dass die Ersteller des Normentwurfs kaum gewillt sind, sich einer fachlichen Auseinandersetzung zu stellen.

Literatur

[1] DIN 1946-6 Raumlufttechnik – Teil 6: Lüftung von Wohnungen – Allgemeine Anforderungen, Anforderungen zur Bemessung, Ausführung und Kennzeichnung, Übergabe/Übernahme (Abnahme) und Instandhaltung. Berlin: Beuth Verlag, Mai 2009

[2] DIN 1946-6 (Entwurf) Raumlufttechnik – Teil 6: Lüftung von Wohnungen – Allgemeine Anforderungen, Anforderungen an die Auslegung, Ausführung, Inbetriebnahme und Übergabe sowie Instandhaltung. Berlin: Beuth Verlag, Januar 2018

[3] DIN 1946-6 Beiblatt 1 Raumlufttechnik – Teil 6: Lüftung von Wohnungen – Allgemeine Anforderungen, Anforderungen zur Bemessung, Ausführung und Kennzeichnung, Übergabe/Übernahme (Abnahme) und Instandhaltung – Beiblatt 1: Beispielberechnungen für ausgewählte Lüftungssysteme. Berlin: Beuth Verlag, September 2012

[4] DIN 1946-6 Beiblatt 2 Raumlufttechnik – Teil 6: Lüftung von Wohnungen – Allgemeine Anforderungen, Anforderungen zur Bemessung, Ausführung und Kennzeichnung, Übergabe/Übernahme (Abnahme) und Instandhaltung; Beiblatt 2: Lüftungskonzept. Berlin: Beuth Verlag, März 2013

[5] DIN 1946-6 Beiblatt 3: Raumlufttechnik – Teil 6: Lüftung von Wohnungen – Allgemeine Anforderungen, Anforderungen zur Bemessung, Ausführung und Kennzeichnung, Übergabe/Übernahme (Abnahme) und Instandhaltung; Beiblatt 3: Gemeinsamer und nicht gemeinsamer Betrieb von Lüftungsgeräten und Einzelraumfeuerstätten für feste Brennstoffe – Installationsregel. Berlin: Beuth Verlag, Juni 2017

[6] DIN 1946-6 Beiblatt 4: Raumlufttechnik – Teil 6: Lüftung von Wohnungen – Allgemeine Anforderungen, Anforderungen zur Bemessung, Ausführung und Kennzeichnung, Übergabe/Übernahme (Abnahme) und Instandhaltung; Beiblatt 4: Gemeinsamer Betrieb von Lüftungsgeräten und Einzelraumfeuerstätten für feste Brennstoffe – Installationsbeispiele. Berlin: Beuth Verlag, Juni 2016

[7] DIN 1946-6 Beiblatt 5 (Entwurf) Raumlufttechnik – Teil 6: Lüftung von Wohnungen – Allgemeine Anforderungen, Anforderungen zur Bemessung, Ausführung und Kennzeichnung, Übergabe/Übernahme (Abnahme) und Instandhaltung; Beiblatt 5: Kellerlüftung. Berlin: Beuth Verlag, Dezember 2015

Inhaltsübersicht

  1. Teil: Wohnungslüftung: Kritik unerwünscht?
  2. Teil: Prof. Dr.-Ing. (em.) Achim Trogisch
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