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02.01.2012
AG Energiebilanzen

Kernenergieausstieg: Energieeffizienz steigt

Der Ausstieg aus der Kernenergie hat Auswirkungen auf die Energiebilanz und die Ermittlung der Energieeffizienz in Deutschland. Nach Berechnungen der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (AGEB) wird die Abschaltung der Kernkraftwerke bis 2022 zu einer rechnerischen Einsparung von Primärenergie zwischen 3 und 7 % führen. Zugleich wird die gesamtwirtschaftliche Energieeffizienz leicht steigen. Die AGEB weist aber darauf hin, dass es sich bei der ausstiegsbedingten Energieeinsparung um einen statistischen Effekt handelt, der aufgrund internationaler Konventionen bei der Bilanzierung von Energieträgern ohne Heizwert nach der sogenannten Wirkungsgradmethode entsteht.

Fiktiver Heizwert für Kernenergie


2010 produzierten die deutschen Kernkraftwerke rund 140,5 Mrd. kWh Elektrizität. Da Kernenergie keinen natürlichen Heizwert besitzt, wird der Wirkungsgrad der Anlagen auf 33 % festgelegt und damit der Effizienz älterer Kohlekraftwerke gleichgesetzt. Dieser international üblichen Konvention folgend, ergibt sich für den Energieeinsatz der deutschen Kernkraftwerke im Jahr 2010 ein Wert von 1533 PJ. Damit hatte die Kernenergie einen Anteil von knapp 11 % am gesamten inländischen Energieverbrauch des Jahres 2010. Wird nun die bisher aus Kernkraft erzeugte Strommenge auf Basis anderer Energieträger ersetzt, ergeben sich infolge anderer Wirkungsgrade bei der Stromerzeugung rechnerische Mehr- oder Minderverbräuche an Primärenergie.

Substitution bestimmt den Einspareffekt


Der größte mögliche Einspareffekt ergibt sich, wenn die Stromproduktion der Kernkraftwerke vollständig durch erneuerbare Energien und / oder Stromimporte ersetzt wird. Für die erneuerbaren Energien (Wasser, Wind, Photovoltaik) und den Stromaußenhandelssaldo mit dem Ausland wird – ebenfalls internationaler Übereinkunft folgend – ein Wirkungsgrad von 100 % angenommen. Würde der 2010 aus den inländischen Kernkraftwerken erzeugte Strom durch Strom aus erneuerbaren Energien oder Importe ersetzt, ergibt sich rechnerisch eine Reduzierung des Energieeinsatzes in Höhe von 1026 Petajoule. Das entspricht einem Anteil gut 7 % am gesamten inländischen Energieverbrauch im Jahre 2010. Erfolgt der Ersatz durch neue Gas-Kraftwerke (GuD-Kraftwerk mit 60,75 % Wirkungsgrad) läge die rechnerische Einsparung bei knapp 5 %. Bei Strom aus neuen Kohlekraftwerken würde sich der Wert um knapp 3 % reduzieren.

Stromintensität bleibt unverändert


Der Ersatz von Elektrizität aus Kernenergie führt also allein aus methodischen Gründen zu einer Erhöhung der gesamtwirtschaftlichen Energieeffizienz. Diese rechnerische Erhöhung tritt ein, weil je Einheit Wirtschaftsleistung rechnerisch weniger Primärenergie eingesetzt wird. Die Stromintensität – berechnet als Verhältnis von Stromerzeugung und Wirtschaftsleistung – bleibt hingegen unverändert. ■
Jochen Vorländer

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