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Der Artikel kompakt zusammengefasst
- Der Mehrwert eines Batteriespeichers entsteht nicht durch seine Kapazität allein. Entscheidend ist, wie präzise er auf Erzeugung, Verbrauch, Netzanschluss und Markt abgestimmt wird.
- Dann wird aus einem Batteriespeicher ein steuerbares Instrument, das den Wert erneuerbarer Energie erhöht und Flexibilität für Betrieb, Netz und Markt schafft.
Batteriespeicher machen Strom aus Wind und Sonne zur steuerbaren Größe. Je nach Standort stärken sie Eigenverbrauch und Vermarktung, reduzieren Leistungsspitzen oder sichern kritische Prozesse ab.
Wenn die Sonne am höchsten steht, trifft Solarstrom zunehmend auf einen gesättigten Markt. Was Betreiber von Photovoltaik-Anlagen nicht selbst verbrauchen, erzielt dann oft nur geringe Erlöse – zeitweise rutschen die Börsenpreise sogar ins Negative. Zugleich kann die Einspeisung an Netzanschlusspunkten an Grenzen stoßen. Hier kommen Batteriespeicher ins Spiel: Sie nehmen Überschüsse auf und stellen Energie bereit, wenn sie gebraucht wird. Ihre Rolle reicht jedoch weit über die zeitliche Verschiebung von Strom hinaus.
2025 stammten 58,6 % des in Deutschland erzeugten und ins Netz eingespeisten Stroms aus erneuerbaren Energien. Der Trend ist europaweit zu beobachten. Grüner Strom ist damit zunehmend verfügbar – aber nicht immer zur richtigen Zeit und am richtigen Ort. Erzeugung, Verbrauch und Netze müssen besser aufeinander abgestimmt werden.
Batteriespeicher setzen hier an und machen erneuerbaren Strom flexibler nutzbar: Sie speichern Überschüsse für den späteren Eigenverbrauch, federn Leistungsspitzen ab und eröffnen zusätzliche Vermarktungsoptionen. Netzgekoppelte Speicher können zudem Strom aus dem öffentlichen Netz beziehen. Eine intelligente Fahrplanoptimierung legt fest, wann und mit welcher Leistung der Speicher lädt oder entlädt. Je nach Auslegung sichern Batteriespeicher außerdem kritische Produktionsbereiche bei einem Netzausfall ab.
Dr. Karsten Schulte, Managing Director von Kraftwerk Renewable Power Solutions (Kraftwerk RPS): „Ein Batteriespeicher ist somit kein Standardprodukt, das man einfach neben eine Photovoltaik-Anlage stellt. Jeder Standort folgt einer eigenen Logik: Verbrauchsprofil, Netzanschluss und wirtschaftliches Ziel bestimmen, welche Aufgabe der Speicher übernimmt. Erst daraus ergeben sich Leistung, Kapazität und Betriebsweise.“ Wie unterschiedlich diese Aufgaben ausfallen, zeigen vier Projekte von Kraftwerk RPS – und eine Wirtschaftlichkeitsanalyse, die dem ersten Spatenstich vorausgeht.
Kraftwerk RPS
Höhere Wirtschaftlichkeit
In Kressbronn am Bodensee ergänzt ein Speicher mit 250 kW Leistung und 522 kWh Kapazität eine bestehende 400-kWp-PV-Anlage der Firma Bodan Schwimmbadbau. Überschüssiger Solarstrom fließt in die Batterie, statt „flüchtig“ zu niedrigen Börsenpreisen und entsprechend niedriger Vergütung ins Netz eingespeist zu werden.
Am Abend oder in der Nacht deckt der gespeicherte Strom den Bedarf vor Ort oder erzielt am Markt bessere Preise. Zusätzlich wird der Speicher genutzt, um teure Lastspitzen zu kappen. Nicht zuletzt wird ein Teil der Kapazität des Speichers vorgehalten, um bei einem Stromausfall einen Netzersatzbetrieb zu ermöglichen.
Produktion im Notfall absichern
Beim Linoleum-Hersteller Gerflor in Delmenhorst soll ein Speicher mit 500 kW Leistung und 1 MWh Kapazität ein mit fossilem Energieträger betriebenes Blockheizkraftwerk als Absicherung bei Stromausfällen ablösen – bei geringeren laufenden Kosten. Versagt das Netz, hält er kritische Produktionsbereiche so lange am Laufen, bis die Anlagen kontrolliert heruntergefahren sind und Maschinenschäden ausbleiben.
Im Regelbetrieb übernimmt der Speicher eine zweite Aufgabe: An produktionsärmeren Wochenenden nimmt er überschüssigen Solarstrom auf und hält ihn für die kommende Woche bereit.
Schulte: „Die Herausforderung ist die Doppelfunktion: Backup und Speicherbetrieb folgen unterschiedlichen Anforderungen. Wer beides will, muss Planung und Installation darauf auslegen.“
Kraftwerk RPS
Flexible Nutzung und Vermarktung
In Maxweiler (Bayern) werden auf den Dächern eines Reiterhofs eine Photovoltaik-Anlage mit 725 kWp und ein netzgekoppelter Batteriespeicher mit 1,4 MW Leistung und 5 MWh Kapazität installiert. Der Speicher kann Solarstrom und Strom aus dem öffentlichen Netz aufnehmen und die gespeicherte Energie zu Zeiten höherer Nachfrage vermarkten.
Dieser Arbitragehandel erweitert die Nutzungsmöglichkeiten über die reine Solarstromvermarktung hinaus und kann zugleich den Netzanschlusspunkt des Reiterhofs entlasten. Eine intelligente Fahrplanoptimierung steuert, wann und mit welcher Leistung der Speicher lädt und entlädt. Das Projekt verbindet Solarstrom, Stromhandel und flexible Betriebsführung an einem Standort.
Energiekonzept aus einem Guss
In Arendsee (Sachsen-Anhalt) wird Agri-PV nicht als Solaranlage „plus Batterie“ geplant, sondern als integriertes Energiekonzept. Landwirtschaftliche Nutzung, nachgeführte Stromerzeugung und Speicherstrategie greifen von Beginn an ineinander:
Ein einachsiges Nachführsystem folgt dem Lauf der Sonne und soll den Ertrag gegenüber einer starren Aufständerung um rund 25 % erhöhen.
Der Speicher verschiebt den Mehrertrag in Stunden mit höherer Nachfrage und besseren Preisen. Vorgesehen sind 7,2 MWp PV-Leistung sowie ein Speicher mit 2,5 MW Leistung und 10 MWh Kapazität. Die Anlage war Anfang August 2026 im Bau; der Batteriespeicher soll schon im Herbst 2026 folgen.
Kraftwerk RPS
Wirtschaftlichkeit beginnt vor dem Bau
Bevor investiert wird, braucht es belastbare Zahlen. Für den geplanten Solarpark der Stadtwerke Bramsche bewertete Kraftwerk Economics deshalb Erlöspotenziale und Auslegungsvarianten und ermittelte die Speichergröße, die zur vorgesehenen Größe des Solarparks und zum Netzanschluss passt.
„Photovoltaik-Anlage und Netzanschluss setzen einen technischen Rahmen. Daraus ergeben sich aber nicht automatisch die beste Leistung oder Kapazität des Speichers“, sagt Rasmus Priess, Datenanalyst bei Kraftwerk Economics. „Wir simulieren unterschiedliche Anlagenkonfigurationen und bewerten sie wirtschaftlich. Erst dann lässt sich belastbar entscheiden, welche Auslegung sinnvoll ist.“ Auf Basis der Analyse treiben die Stadtwerke das Projekt nun weiter voran und haben Kraftwerk RPS mit der Detailplanung von Solarpark und Batteriespeicher beauftragt. Die Bauausführung ist für 2027 geplant.
„Der Solarpark wird die lokale Energieversorgung stärken und unser Erzeugungsportfolio gezielt erweitern“, sagt Daniel Nordmann, Technischer Leiter und Prokurist der Stadtwerke Bramsche. „Die Wirtschaftlichkeitsanalyse bestätigt unsere Einschätzung, dass sich Photovoltaik und Grünstromspeicher unter Marktbedingungen wirtschaftlich betreiben lassen. Solche Projekte sind für uns ein wichtiger Baustein, um die Stadtwerke langfristig erfolgreich und unabhängig von den rückläufigen Ergebnissen des Gasgeschäfts aufzustellen.“
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