E.ON / Malte Braun
Der Artikel kompakt zusammengefasst
■ Bei der Nutzung dynamischer Stromtarife verlagern sich Risiken und Chancen der Energiebeschaffung vom Energielieferanten zum Energiekunden. Abgesehen von der Hürde „Smart-Meter-Verfügbarkeit inklusive echter Energiemarktdatenanbindung“ scheint die „Risikobereitschaft“ der Haushalte trotz kurzer Kündigungszeiten noch begrenzt zu sein.
■ Ein Angebot von E.on kombiniert nun Festpreistarife und Boni für intelligent gesteuerte Photovoltaik-Anlagen, Batteriespeicher, Elektroautos (Stellplatz mit eigener Wallbox) und Wärmepumpen. Durch das zusätzliche Energiemanagement ergibt sich gegenüber E.on-Festpreistarifen ein beachtliches Potenzial zur Kostensenkung.
Wie stark können Privatleute mit Photovoltaik, Stromspeicher und Wärmepumpen das Stromnetz entlasten – ohne ihr Verhalten im Alltag aktiv zu verändern? Eine Studie zeigt, dass sich dabei auch finanzielle Vorteile für alle Haushalte ergeben.
Wichtig sind die ersten beiden Worte: Intelligent gesteuerte Photovoltaik-Anlagen, Batteriespeicher, Elektroautos und Wärmepumpen könnten das Stromnetz in Spitzenlastzeiten jährlich um insgesamt mehr als 3 TWh entlasten. Zum Vergleich: Die Strommenge würde ausreichen, um fast 1,4 Mio. Haushalte mit einem Durchschnittsverbrauch von 2500 kWh/a ein Jahr lang mit Elektrizität zu versorgen.
„Möglich wird die Netzentlastung durch eine smarte Steuerung, die den Stromverbrauch im Hintergrund automatisch optimiert – ohne Komforteinbuße für Hauseigentümer“, sagt Martin Endress, Chief Commercial Officer (CCO) in der Geschäftsführung von E.on Deutschland. „Diese Potenziale sollte Deutschland nutzen. Dazu müssen wir den Großteil der Verbraucher mitnehmen, die auf stabile Festpreise setzen, anstatt auf schwankende dynamische Tarife.“
Das wird keine leichte Aufgabe. Sie wird jedoch erheblich einfacher, wenn dem vermuteten Risiko und vermeintlichen Nachteilen attraktive Vorteile gegenüberstehen. So darf man die Analyse zu den Potenzialen im Netz und im Eigenheim verstehen, denn E.on hat jüngst als erster Anbieter in Deutschland mit „E.on Home Comfort“ ein entsprechendes Angebot auf den Markt gebracht: Kunden mit kompatibler Wärmepumpe, Photovoltaik-Anlage und Stromspeicher sowie E-Auto und Wallbox können eine smarte, flexible Steuerung bei den meisten E.on-Festpreistarifen ergänzen.
Ein durchschnittlicher Drei-Personen-Haushalt könne so bis zu 780 Euro/a (siehe unten und Info-Kasten) durch smartes Energiemanagement und Flexibilitäts-Boni sparen, ohne ständig auf die Strombörse achten zu müssen, erläutert Endress. Der spezifische Energiepreis kann sich nicht erhöhen, aber rechnerisch deutlich sinken.
Dynamischer Tarif oder Flex-Bonus
Grundsätzlich ist der Schlüssel für die Entlastung des Stromnetzes und des eigenen Geldbeutels: Flexibilität – also das intelligente (netzdienliche) Verschieben von Energiemengen. Dazu können Verbraucher (bzw. E.on-Stromkunden) zwei Optionen nutzen:
● Dynamischer Stromtarif: Der Kilowattstundenpreis für den Verbrauch zu Hause variiert viertelstündlich – wer sich darauf bei der Stromnutzung ausrichtet, kann sparen, allerdings werden auch Preisausschläge nach oben direkt weitergegeben. Für jede Viertelstunden ist der Börsenstrompreis ausschlaggebend. Er wird für jeden Kalendertag am Vortag ermittelt und veröffentlicht.
● Festpreis-Tarif mit Bonus: Der Kilowattstundenpreis bleibt stabil. Wenn der Haushalt das Beladen von Stromspeicher, Elektroauto und Wärmepumpe durch E.on managen lässt, gibt es entsprechende Boni.
In beiden Fällen übernimmt ein intelligentes Energiemanagementsystem für den Haushalt automatisch das Verschieben der Strommengen im Hintergrund – etwa die Entscheidung, wann der Speicher oder das E-Auto geladen wird. Im Rahmen der Studie hat E.on die smarte Steuerung von Photovoltaik-Anlage mit Speicher, Elektroauto und Wärmepumpe mithilfe eines digitalen Zwillings simuliert und die Wirkung auf das Stromnetz und die Haushalte untersucht.
Spitzenbelastungen sinken
Für die Studie wurden zwei Tageszeiten betrachtet: Die Mittagszeit, wenn die Solarstromproduktion am größten ist, und der Abend, wenn der Stromverbrauch durch Privathaushalte am größten ist.
Mittags, 11:00 bis 15:00 Uhr: Haushalte mit Solaranlage in Deutschland könnten ihre Einspeisung um über 1,9 TWh/a senken, indem ihre über den normalen Verbrauch hinausgehende Solarstromerzeugung durch eine smarte Steuerung nicht einfach ins Netz fließt, sondern (auch) einen Stromspeicher und / oder die Batterie eines Elektroautos lädt oder vorausschauend über eine Wärmepumpe für die Trinkwassererwärmung oder Raumheizung genutzt wird.
Abends, (17:00 bis 21:00 Uhr): Es lassen sich mehr als 1,5 TWh/a Netzentnahme vermeiden, wenn eingespeicherter Solarstrom jetzt genutzt wird und E-Autos sowie Wärmepumpen bevorzugt außerhalb dieser Spitzenzeit Strom aus dem Netz entnehmen.
Zusammen ergibt sich ein Entlastungspotenzial von über 3,4 TWh/a für diese Spitzenlastzeiten. Voraussetzung: Die Geräte werden automatisch durch intelligente Energiemanagementsysteme gesteuert. Auch bei Dunkelflauten mit geringer Stromerzeugung aus Photovoltaik- und Windkraft-Anlagen leistet die Flexibilität der Stromverbraucher einen wichtigen Beitrag.
Potenzial für geringere Stromkosten
Die Ergebnisse der Hochrechnung beruhen auf Simulationen (siehe Info-Kasten) mit Solardaten und Börsenstrompreisen aus dem Jahr 2024 (zu diesem Zeitpunkt stündlich, echt viertelstündlich sind sie erst seit dem 1. Oktober 2025) für einen durchschnittlichen Drei-Personen-Haushalt in einem Einfamilienhaus.
Der Umstieg von einem ungesteuerten Festpreistarif auf einen intelligent gesteuerten Stromtarif lohnt sich demnach am meisten, wenn der Musterhaushalt alle Energiewende-Technologien besitzt – also Solaranlage mit Speicher, Wärmepumpe und Elektroauto und Stellplatz mit Wallbox: Mit dem Angebot von E.on kann die Familie ihre Stromrechnung durch intelligentes Energiemanagement und Flexibilitäts-Boni um bis zu 780 Euro/a senken und dabei einen „sicheren“ Festpreis-Tarif behalten. Beim marktüblichen dynamischen Stromtarif hängt die Ersparnis des Musterhaushalts vom Börsenstrompreis ab und beträgt für das Jahr 2024 der Analyse zufolge bis zu 620 Euro/a.
In den untersuchten Fällen – auch im Ausgangsszenario, dem ungesteuerten Festpreistarif – verhält sich die dreiköpfige Familie gleich. Sie passt ihren Alltag nicht aktiv an, kocht, wäscht und staubsaugt also immer zur gewohnten Zeit. Anders als beim ungesteuerten Festpreistarif werden beim dynamischen Tarif sowie beim Festpreis-Tarif mit Bonus Batteriespeicher und Co. intelligent gesteuert. Nicht eingerechnet in die Ersparnis ist die pauschale Netzentgeltreduzierung nach §14a EnWG, da die Familie diese in allen drei Szenarien erhält.
Was man an dem Differenzkostenergebnis nicht oder nur eingeschränkt sehen kann: Bezugsbasis sind E.on-Festpreistarife (ausgenommen sind: Heizstromtarife, Grundversorgung, Ersatzversorgung sowie die E.on-Tarife Home & Drive), sie finden sich selten unter den günstigsten Angeboten für Neukunden. Was ebenfalls nicht direkt ersichtlich ist: Eine bereits über etwas angepasste Grundeinstellungen betriebene Heizungs-Wärmepumpe nutzt Strom bei einem dynamischen Stromtarif ohne eine Dynamisierung ihres Betriebs an nahezu jedem Kalendertag zu günstigeren Konditionen als der Tagesmittelwert.
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Hochrechnung und Simulation
Einbezogen wurden in der Hochrechnung alle Gebäude-Solaranlagen im Heimsegment bis 30 kWp, die laut Bundesnetzagentur in den letzten zehn Jahren in Betrieb gegangen sind (ohne Balkonkraftwerke). Die Verteilung von Solarspeichern, Elektroautos und Wärmepumpen auf diese Photovoltaik-Anlagen erfolgte auf Basis einer repräsentativen E.on-Umfrage unter 2000 selbstnutzenden Hausbesitzern. Gerechnet wurde für PV-Anlagen mit einer durchschnittlichen Einspeisevergütung. Es wurde angenommen, dass keine Einspeisung ins Stromnetz aus Batteriespeichern und Elektro-Autos und Wärmepumpen stattfindet.
Die Simulationen erfolgten mit einem digitalen Zwilling von E.on, der Daten des Forschungszentrums Jülich zum Stromverbrauch im Tagesverlauf für eine dreiköpfige Familie mit Schulkind einbindet. Diese wurden über Daten aus dem Jahr 2024 zum Börsenstrompreis (EPEX) und zur Solarstromerzeugung (Solargis) gelegt, wobei sich Sonnenstromertrag und Wärmeprofil am deutschen Durchschnitt orientieren. Ein Elternteil der Familie arbeitet im Homeoffice, das zweite arbeitet 2 Tage pro Woche von zuhause und 3 Tage im Büro. Das Kind geht zur Schule. Wenn die Familie ein Elektroauto besitzt, ist sie damit an 3 Tagen der Woche von 8:00 Uhr bis 18:00 Uhr unterwegs. Ein Energiemanagementsystem optimiert die Sonnenstromnutzung und -einspeisung der durchschnittlich 10 kWp großen PV-Anlage und verlegt den Netzstrombezug durch den 7,7-kWh-Solarspeicher, die 5-kWth-Wärmepumpe und das Elektroauto mit einem Akku von 70 kWh priorisiert in Zeiten mit geringerer Stromnachfrage. Die Einspeisevergütung für die PV-Anlage beträgt 7,86 Ct/kWh.
Für den jährlichen Haushaltsstromverbrauch der dreiköpfigen Familie wurden rund 3600 kWh/a, für das Einfamilienhaus die Energieeffizienzklasse B gemäß der TABULA-Datenbank vom IWU sowie für das Elektroauto eine Fahrleistung von 12.309 km/a angesetzt. Für den dynamischen Stromtarif, den jeder Energieversorger anbieten muss, wurde ein fixer Arbeitspreisanteil von 18 Ct/kWh und für den Festpreis-Stromtarif ein Preis von 32 Ct/kWh angenommen. Für den Festpreis-Tarif mit Bonus wurde die maximal mögliche Bonuszahlung für E.on Home Comfort von 420 Euro/a angesetzt, die Eigenverbrauchsoptimierung über das Energiemanagementsystem verringert die Stromkosten um 360 Euro/a.