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Werkstoff Glas im Duschkabinenbau

Der Weg vom Flachglas zur sicheren Duschwand

Der Artikel kompakt zusammengefasst

Bild 1 Bei dieser Duschabtrennung mit Eckeinstieg der Serie Exklusiv 2.0 verläuft ein mattierter Streifen auf Körperhöhe über beide Türen. So entsteht ein natürlicher Sichtschutz, der gleichzeitig für ein offenes und helles Bad sorgt.

HSK Duschkabinenbau

Bild 1 Bei dieser Duschabtrennung mit Eckeinstieg der Serie Exklusiv 2.0 verläuft ein mattierter Streifen auf Körperhöhe über beide Türen. So entsteht ein natürlicher Sichtschutz, der gleichzeitig für ein offenes und helles Bad sorgt.
  • Vom Floatglas als Basisprodukt über das thermische Vorspannen zu ESG nach DIN EN 12150 bis hin zu Dekor und Versiegelung entscheidet jeder Schritt über Sicherheit, Langlebigkeit und Optik einer fertigen Duschwand.
  • Wichtig ist, die Besonderheiten des Materials früh mitzudenken – allen voran den Grundsatz, dass ESG vor dem Vorspannen zugeschnitten wird und das Aufmaß deshalb von Beginn an sitzen muss.
  • Als Hersteller mit eigener Glasfertigung beherrscht HSK Duschkabinenbau diese Kette von der Floatglasplatte bis zur veredelten Duschwand und berät TGA/SHK-Fachplaner, um für jede Einbausituation die richtige Glaslösung zu finden.

Vom Fenster über den Spiegel bis hin zur Duschkabine – Glas begegnet uns täglich. Doch als Werkstoff gerät es in der Planung von Badezimmern selten in den Fokus. Dabei entscheidet das Material der Duschabtrennung über Sicherheit, Langlebigkeit und Gestaltungsspielraum. Dass eine Glasdusche über Jahre klar bleibt und im Bruchfall in harmlose Krümel zerfällt, ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer langen Werkstoffgeschichte und eines präzisen Fertigungsprozesses. Und es kommt dabei auch auf die Planung an.

Glas ist ein Werkstoff mit jahrhundertelanger Geschichte. Die erste schriftliche Erwähnung von menschengefertigtem Glas wird auf etwa 1600 Jahre vor Christus datiert. Bis ins 17. Jahrhundert wurde Glas nahezu ausschließlich geblasen; erst das Guss- und Walzglasverfahren brachte gegen Ende des 17. Jahrhunderts eine gleichmäßige Dicke, und Anfang des 20. Jahrhunderts ermöglichten Ziehverfahren die kontinuierliche industrielle Fertigung von Flachglas. Den entscheidenden Sprung brachte das Floatverfahren, welches ab den 1970er-Jahren zum weltweiten Standard wurde.

Die etwa 1100 °C heiße Glasschmelze fließt (engl.: float) kontinuierlich auf ein Bad aus flüssigem Zinn, auf dem sie schwimmt und sich zu einer glatten Oberfläche ausbreitet. So entstehen absolut ebene Scheiben ohne aufwendige Nachbearbeitung. Angeliefert wird Floatglas in großformatigen Platten, im Standardformat 6000 × 3210 mm. Es besteht aus Kalk-Natron-Glas, der mit Abstand häufigsten Glassorte.

Bild 2 Dezent bis blickdicht: Duschwände von HSK kommen in zahlreichen Glasoptionen zu den Kunden. Von Mattglas über Streifendekore bis zu Grauglas ist für jeden Geschmack und jedes Badezimmer etwas dabei.

HSK Duschkabinenbau

Bild 2 Dezent bis blickdicht: Duschwände von HSK kommen in zahlreichen Glasoptionen zu den Kunden. Von Mattglas über Streifendekore bis zu Grauglas ist für jeden Geschmack und jedes Badezimmer etwas dabei.

Wie aus Floatglas Sicherheitsglas wird

Floatglas wäre für die Dusche ungeeignet: es bricht im zwar unwahrscheinlichen Bruchfall jedoch in große, scharfkantige Stücke. Deshalb wird es thermisch vorgespannt und so zu Einscheiben-Sicherheitsglas (ESG) nach DIN EN 12150 verarbeitet. Bei HSK in Olsberg durchläuft jede Glasscheibe zunächst Zuschnitt, Kantenschliff und Bohrungen, bevor sie in den Vorspannofen gelangt. Dort wird sie je nach Dicke rund 6 bis 12 Minuten auf etwa 700 °C erhitzt und anschließend schlagartig abgekühlt. Dabei erstarrt die Oberfläche, während der Kern nachzieht: Es entsteht eine dauerhafte Eigenspannung, bei der die Oberfläche unter Druck und der Kern unter Zug steht. Genau diese Spannung macht ESG so widerstandsfähig und sorgt dafür, dass es im Bruchfall in kleine, stumpfkantige Krümel zerfällt, statt in gefährliche scharfe Splitter.

Für die Planung ist die Reihenfolge dieser Schritte entscheidend. Einmal vorgespannt, lässt sich eine ESG-Scheibe nicht mehr bearbeiten. Jede Bohrung, jeder Ausschnitt und jede Kante müssen vorher erfolgen und punktgenau verarbeitet sein. Für TGA/SHK-Fachplaner heißt das: Das Aufmaß muss von Anfang an stimmen. Nachträgliche Anpassungen auf der Baustelle sind bei ESG nicht möglich – die Scheibe würde brechen. Aus diesem Grund erfolgt der passgenaue Zuschnitt, etwa bei Dachschrägen oder Wandvorsprüngen, bei HSK in der hauseigenen Glaserei. Dass jede fertige Scheibe eine unauslöschliche Kennzeichnung mit Herstellername und der Normbezeichnung „EN 12150“ trägt, schreibt DIN EN 12150-1 ausdrücklich vor. Bei HSK wird sie per Laser dezent ins Glas eingebracht.

Bild 3 In der Glasmattierungsanlage von HSK entstehen durch eine präzise Bearbeitung dekorative Glasmattierungen.

HSK Duschkabinenbau

Bild 3 In der Glasmattierungsanlage von HSK entstehen durch eine präzise Bearbeitung dekorative Glasmattierungen.

Sicherheit und Festigkeit im Detail

Wie groß der Unterschied zwischen unbehandeltem und vorgespanntem Glas ist, zeigen die Festigkeitswerte. Während gewöhnliches Floatglas eine Biegefestigkeit von rund 40 N/mm2 aufweist, verlangt DIN EN 12150-1 für ESG eine Mindestbiegefestigkeit von 120 N/mm2; in der Praxis werden Werte von über 200 N/mm2 erreicht. Die geforderte Stoß- und Schlagfestigkeit wird über den Pendelschlagversuch nach DIN EN 12600 nachgewiesen. Hinzu kommt eine hohe Temperaturwechselbeständigkeit: ESG verträgt Temperaturunterschiede von bis zu −73 °C innerhalb der Scheibe – ein wichtiger Sicherheitsfaktor im Badezimmer.

Bild 4 Bei HSK wird in der Olsberger Produktionsstätte aus einfachem Floatglas widerstandsfähiges und stoßfestes Einscheibensicherheitsglas.

HSK Duschkabinenbau

Bild 4 Bei HSK wird in der Olsberger Produktionsstätte aus einfachem Floatglas widerstandsfähiges und stoßfestes Einscheibensicherheitsglas.

Materialvergleich: ESG, Acryl, VSG?

Nicht jede Duschabtrennung besteht aus Echtglas. Wo früher aus Kostengründen häufig Kunststoff- beziehungsweise Acrylglas zum Einsatz kam, ist ESG heute der Standard. Kunststoffwände sind zwar leichter und günstiger in Transport und Montage, bergen aber Nachteile: Sie sind weniger stabil, empfindlich gegenüber Kratzern und vielen Reinigungsmitteln und wirken schon nach kurzer Zeit stumpf und matt. Und im Schadenfall zerbrechen sie in scharfkantige Stücke. ESG dagegen ist deutlich stabiler und sicherer, bleibt bei richtiger Pflege über Jahre klar und kratzfest und zerfällt im Bruchfall gefahrlos.

Neben ESG existiert mit Verbund-Sicherheitsglas (VSG) eine zweite Sicherheitsglas-Variante. Sie geht auf eine Erfindung des französischen Chemikers Édouard Bénédictus aus dem Jahr 1909 zurück und besteht aus mindestens zwei Glasscheiben, die durch eine elastische Zwischenschicht, meist aus Polyvinylbutyral (PVB), fest verbunden sind. Bricht das Glas, haften die Bruchstücke an der Folie.

VSG ist jedoch schwerer und teurer. Insbesondere das zusätzliche Gewicht kann auf Dauer die Scharniere der Duschkabine beanspruchen und so die Produktlebenszeit verkürzen. Außerdem kann in Nassbereichen Wasser an den Kanten der Scheibe eindringen und diese unschön verfärben. Daher kommt VSG im Bad vor allem in Sonderfällen infrage, etwa bei absturzsichernden Verglasungen an bodentiefen Fenstern oder an Glaswänden zu Galerien und Lufträumen. Für die klassische Duschabtrennung bleibt ESG die erste Wahl. Bei der Glasdicke gilt: In der Regel sollten es 6 bis 8 mm sein. Rahmenlose Kabinen benötigen die höhere Stärke, um die nötige Stabilität zu erreichen.

Dekore, Farbe und Veredelung

Ist die Werkstofffrage geklärt, beginnt die Gestaltung – und hier zeigt Glas seine ganze Bandbreite. Über die klare Scheibe hinaus stehen zahlreiche Glasdekore zur Verfügung: Häufig werden mattierte Flächen, ob über die gesamte Fläche oder nur mittig auf Höhe des Torsos, gewählt. Die matte Optik entsteht meist durch Sandstrahlen. Dabei trifft ein feinkörniges Strahlmittel unter hohem Druck auf die Scheibe und raut die Oberfläche gleichmäßig an, sodass das Glas danach satiniert wirkt.

Stellen, die durchsichtig bleiben sollen, werden vorher mit Schutzfolie abgedeckt oder mit geplotteten Folien ausgespart. Mit Schablonen und unterschiedlich starkem Strahlen lassen sich so auch Streifen, Verläufe oder ganz eigene Motive ins Glas bringen. Anschließend wird die Scheibe gründlich gereinigt, bis keine Reste des Strahlmittels mehr daran haften. Zum Schluss erhält die gestrahlte Fläche eine Lackversiegelung. Sie schützt die angeraute Oberfläche, auf der sich sonst Schmutz und Fingerabdrücke leicht festsetzen würden.

Bild 5 Die zweifache Glasbeschichtung TwinSeal von HSK erleichtert Nutzer den Alltag. Durch die Eigenschaften der Versieglung müssen die Oberflächen nur noch einmal pro Woche mit einem weichen Tuch gereinigt werden.

HSK Duschkabinenbau

Bild 5 Die zweifache Glasbeschichtung TwinSeal von HSK erleichtert Nutzer den Alltag. Durch die Eigenschaften der Versieglung müssen die Oberflächen nur noch einmal pro Woche mit einem weichen Tuch gereinigt werden.

Es gibt jedoch noch viele weitere Glasarten, wie Nebelvarianten Chinchilla Glas. Auch farbige Glasvarianten, wie Grau- und Bronzeglas lassen sich mit Sandstrahldekoren veredeln. Diese Gestaltungsoptionen dienen nicht nur als attraktives Designelement, sondern kreieren obendrein eine angenehme Privatsphäre für die Nutzer der Dusche.

Des Weiteren sollte bei Planung und Kauf einer neuen Dusche auch über die Versiegelung der Oberflächen, wie etwa die TwinSeal Glasversiegelung von HSK, nachgedacht werden. Diese spezielle zweifache Beschichtung ermöglicht ein beinahe rückstandsloses Abperlen des Wassers. Eine so versiegelte Duschabtrennung lässt sich dann in der Regel schon mit einer wöchentlichen Reinigung mit einem weichen Tuch pflegen. ■

Jan Kotthoff
ist Abteilungsleiter ESG-Fertigung bei HSK Duschkabinenbau, 59939 Olsberg, www.hsk.de

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