Der Artikel kompakt zusammengefasst
- In Veranstaltungsgebäuden haben die Erfassung, Prognose, Zuordnung, Abrechnung und Bewertung von Energieverbräuchen und Medien besondere Rollen in unterschiedlichen Kontexten und für mehrere Empfänger.
- Strategisch platzierte Zähler schaffen die notwendige Datenbasis. Die Aussagekraft absoluter Energieverbräuche ist jedoch eingeschränkt. Energy Performance Indicators (EnPI) setzen sie deshalb in Beziehung zu den Einflussgrößen.
- Damit die Datenbasis verlässlich bleibt, benötigt sie eine kontinuierliche und intern organisierte Betreiberleistung: einen internen Managed Energy Service.
Phoenix Contact
Multifunktionale Veranstaltungsstätten stellen energetisch hochvariable Gebäude dar. Messen, Ausstellungen, Kongresse und Unternehmensevents nutzen andere Flächen und Technik. Zentrale Zähler zeigen den Gesamtverbrauch, erklären aber selten Abweichungen. Erst die Verknüpfung von Messwerten mit Flächen, Zeitfenstern und Veranstaltungsdaten schafft belastbare Kennzahlen für die Kosten, CO2-Emissionen sowie eine vorausschauende Betriebsführung.
Eine Veranstaltungsstätte wird nicht wie ein gleichmäßig ausgelastetes Bürogebäude betrieben. Bei einer Ausstellung prägen beleuchtete Stände, temporäre Anschlüsse, das Catering und lange Aufbauzeiten den Verbrauch. Ein Kongress hingegen beansprucht häufig weniger Fläche, stellt jedoch hohe Anforderungen an die Lüftung, Medientechnik und den Komfort. Die Belegung, Öffnungszeiten, die Außentemperatur und parallele Veranstaltungen verändern den Bedarf an Strom, Wärme, Kälte und Wasser zusätzlich.
Der Betreiber verantwortet die Gebäude, Technik, Instandhaltung und den sicheren Betrieb. In dieser Rolle werden Daten für den Anlagenbetrieb benötigt. Der Veranstalter organisiert das zeitlich begrenzte Event und entscheidet über die Flächennutzung, das Catering oder die Veranstaltungstechnik. Er braucht Daten für die Kosten- und Nachhaltigkeitsauswertung seines Events.
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Das Monitoring der Hauptzähler vermittelt ausschließlich den Gesamtverbrauch, trennt aber weder die Veranstaltung noch einzelne Hallen, Küchen oder temporäre Verbraucher. Bei einem Anstieg des Verbrauchs bleibt offen, ob die Fläche, Nutzungszeit, Besucherzahl, Witterung oder eine technische Abweichung die Ursache war. Ein Monitoring ist notwendig, erweist sich allerdings ohne den räumlichen, zeitlichen und organisatorischen Kontext noch nicht als Energiemanagement, siehe Bild 2.
Energiedaten können in einen veranstaltungsbezogenen Nachhaltigkeitsbericht einfließen und den Betrieb von Hallen, Anlagen und Mietflächen abbilden. Einschränkend ist jedoch festzustellen: Einen vollständigen Fußabdruck der Veranstaltung liefern die Zahlen aus dem Energiemanagement nicht. Für ein komplettes Bild sind rund um die Veranstaltung weitere Faktoren wie Mobilität, Catering, Materialeinsatz und Abfall zu berücksichtigen. Dazu werden zusätzliche Datenquellen benötigt. Das Energiemanagement bildet hierbei eine belastbare Teilbilanz.
Verbrauch in Beziehung zu den Einflussgrößen setzen
Das Potenzial verdeutlicht ein realistisches Szenario für eine Sport- und Veranstaltungsstätte mit Arena, Messehallen und Mietflächen. Zentrale Zähler und eine Überwachung sind vorhanden. Weitere Messgeräte werden sukzessive in den Hallen, Küchen sowie für die Veranstaltungstechnik und temporäre Verbraucher nachgerüstet. Die Zähler lassen sich heute über standardisierte Schnittstellen einfacher ergänzen als vor einigen Jahren. Der Ausbau erfolgt anhand konkreter Entscheidungen und nicht dem Prinzip, dass alles gemessen wird. Zuerst werden große oder kostenrelevante Verbraucher ausgerüstet, danach die Bereiche mit häufigen Abweichungen, häufiger Nutzung oder besonderem Berichtsbedarf. So komplettieren sich die Daten der wichtigsten Verbräuche für Strom, Wärme, Kälte und Wasser schrittweise zu einer Gesamtübersicht, siehe Bild 3.
Zusätzliche Zähler schaffen die Datenbasis. Der Nutzen entsteht durch die Zuordnung jedes Messpunkts zu einer Halle, Anlage oder Nutzungszone sowie durch die Trennung der Zeitfenster für den Aufbau, die Veranstaltung, den Abbau und die Grundlast. Dokumentierte Emissionsfaktoren des Energieversorgers ergänzen die Kosten- und CO2-Auswertungen. Der Betreiber verantwortet das Datenmodell sowie die Kennzahlen und Schwellenwerte. Der Veranstalter liefert Bezugsgrößen wie die Fläche, Öffnungsdauer, Besucher- oder Ausstellerzahl. Eine Plattform führt diese beiden Seiten rollenbezogen zusammen, wobei die Hoheit über die Daten beim Betreiber bleib, siehe Bild 4.
Absolute Energieverbräuche eignen sich nur eingeschränkt zur Bewertung, weil sie den Kontext nicht beachten. Ein höherer Verbrauch kann beispielsweise durch mehr Besucher oder eine längere Veranstaltungsdauer verursacht worden sein. Energy Performance Indicators, kurz EnPI, setzen sie deshalb in Beziehung zu den Einflussgrößen. Für den Betreiber zeigen sich die Grundlast, Lastspitze, Kilowattstunden bezogen auf die belegten Quadratmeter oder wetterbereinigte Wärme- und Kältekennzahlen als sinnvoll, Bild 5.
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Vergleichbare Formate schaffen
Für den Veranstalter können die Kilowattstunden je Besucher, Aussteller oder Veranstaltungsstunde interessant sein. Benchmarks werden erst innerhalb ähnlicher Formate und konsistenter Systemgrenzen aussagekräftig. Mit anderen Worten: Es muss eine Vergleichbarkeit geschaffen werden. Dann wird offensichtlich, ob ein Mehrverbrauch erklärbar ist oder auf unnötige Laufzeiten und ungünstige Betriebsparameter hinweist.
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Es erweist sich als essenziell, für die Transparenz zwischen Betreiber und Veranstalter zu sorgen. Vor einer Veranstaltung unterstützen Profile ähnlicher Formate die Planung von Kapazitäten und Betriebszeiten. Während des Aufbaus und der Nutzung visualisieren Dashboards und Alarme ungewöhnliche Lastspitzen oder Verbraucher außerhalb der vereinbarten Zeiten.
Anschließend erstellt der Betreiber einen Abschlussbericht. Darin weist er Verbräuche zu, trägt zu einer transparenten Kostenaufteilung als Abrechnungsgrundlage bei und dokumentiert die berechneten CO2-Emissionen samt Faktoren. Der Veranstalter erhält eine Basis für seinen Nachhaltigkeitsbericht, wohingegen der Betreiber Erkenntnisse für künftige Veranstaltungen gewinnt. Und mit einer wachsenden Datenhistorie entstehen Referenzprofile und Erwartungsbereiche.
Wetter, Belegung und Veranstaltungsart sowie die Betriebszeiten fließen in Prognosen ein. So wird vorab erkennbar, welche Lasten plausibel sind und wann Spitzen drohen. Abweichungen führen zu gezielten Prüfaufträgen: Volumenströme für die Belüftung lassen sich anpassen, Grundlasten untersuchen und technische Auffälligkeiten früher detektieren. Die Daten ersetzen weder die Gebäudeautomation noch Fachkenntnisse, schaffen aber den Kontext für die Priorisierung von Maßnahmen.
Basis für fundierte Entscheidungen
Damit die Datenbasis verlässlich bleibt, benötigt sie eine kontinuierliche und intern organisierte Betreiberleistung, also einen internen Managed Energy Service. Das bedeutet, dass das Personal die Datenqualität überwacht sowie Messstellen, Rollen, Tarife und Emissionsfaktoren pflegt. Hinzu kommt die Bearbeitung der Alarme und Erstellung der Abschlussberichte. Kosten- und CO2-Auswertungen folgen einer einheitlichen Methodik; Vergleiche und Empfehlungen werden in die nächste Planung einbezogen. Auf diese Weise wird aus der erstmaligen Inbetriebnahme des Systems aus Hardware und Software ein dauerhafter und gemanagter Prozess.
Das Energiemanagement spart nicht automatisch Energie, bietet jedoch die Grundlage für bessere Entscheidungen. Der Schlüssel liegt in der Verbindung von Messwerten, Flächen, Zeitfenstern, Veranstaltungsdaten und dem Fachwissen der Mitarbeitenden. Die schrittweise Nachrüstung macht die Kosten und die CO2-Emissionen transparenter, ermöglicht vergleichbare EnPI und unterstützt eine vorausschauende Betriebsführung. Dauerhaft wirksam wird der Ansatz, wenn der Betreiber ihn als eigenen Managed Energy Service verankert.
Aus technischen Messwerten belastbare Informationen machen
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Der Energy Management Service bündelt die Verbrauchsdaten in einer zentralen Auswertung. Konfigurierbare Dashboards machen Strom, Wärme, Kälte und Wasser für unterschiedliche Aufgaben sichtbar. Kennzahlen lassen sich mit Bezugsgrößen wie Fläche, Nutzungszeit oder Besucherzahl verbinden und als EnPI analysieren. Vergleiche zwischen Zeiträumen, Bereichen oder ähnlichen Veranstaltungen zeigen Trends und Abweichungen.
Hinterlegte Preise übersetzen die Verbräuche in Kosten. Dokumentierte Emissionsfaktoren ermöglichen parallel eine CO2-Auswertung. So unterstützt der Smart Service den Betreiber beim laufenden Monitoring, veranstaltungsbezogenen Abschlussberichten und der Priorisierung von Verbesserungsmaßnahmen. Erst die eindeutige Zuordnung von Messpunkten, Flächen und Zeitfenstern macht aus technischen Messwerten belastbare Informationen. Weitere Infos:
www.phoenixcontact.com/de-de/produkte/smart-services/energy-management-…
Fachberichte mit ähnlichen Themen bündelt das TGA+E-Dossier Energiemanagement