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Dr. Tillmann von Schroeter über die Wärmewende

„Die Technologiefrage ist weit­gehend ent­schie­den – jetzt zählt die Um­setzung“

Die Wärmepumpe ist längst fester Bestandteil der TGA-Planung. Die Herausforderungen liegen heute weniger in der Technologie selbst als in Themen wie Kaskadierung, Vorfertigung, Kühlung, hydraulische Standards und digitale Planungstools. Im Gespräch mit der TGA+E-Redaktion erläutert Dr. Tillmann von Schroeter, Geschäftsführer Vaillant Deutschland, welche Hebel jetzt über den Erfolg der Wärmewende entscheiden, was Deutschland von anderen europäischen Märkten lernen kann und welche Rolle TGA+E-Planer dabei künftig einnehmen könnten.

Dr. Tillmann von Schroeter

Vaillant

Dr. Tillmann von Schroeter


Dr. Tillmann von Schroeter (Jahrgang 1972) arbeitet seit 2006 in verschiedenen leitenden Positionen bei der Vaillant Group. Bevor er Anfang 2013 die Verantwortung für Vertrieb, Marketing und Service der osteuropäischen Märkte übernahm, leitete von Schroeter die Strategieabteilung und ab 2011 das zentrale Marketing des Unternehmens. Seit Oktober 2015 ist von Schroeter Regionaldirektor Zentraleuropa und Geschäftsführer Vaillant Deutschland, Remscheid. www.vaillant.de

TGA: Herr von Schroeter, die Änderungen durch das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) sind inzwischen in Kraft. Ist die vielfach zitierte Verunsicherung im Markt zurückgegangen?

Von Schroeter: Im Einfamilienhaus ist die Wärmepumpe inzwischen in jeder Hinsicht angekommen. Im Mehrfamilienhaus war ein zentraler Unterschied die Trinkwassererwärmung. Dort gelten hinsichtlich Legionellenschutz und Temperaturhaltung deutlich anspruchsvollere Anforderungen. Mit den heute verfügbaren Lösungen gibt es für die meisten Anwendungsfälle jedoch keinen Grund mehr, abzuwarten.

Die Zahl unserer Projekte im Mehrfamilienhaus wächst demzufolge rasant und wir erleben eine hohe Bereitschaft der Wohnungswirtschaft, sich mit Wärmepumpenkonzepten auseinanderzusetzen. Was wir bei der Projektplanung insbesondere sehen, sind ganz praktische Fragestellungen: Reicht die verfügbare Aufstellfläche? Wie lassen sich Speicher integrieren? Wie werden bestehende Kellerräume erschlossen? Das sind technische und planerische Aufgabenstellungen, aber keine grundsätzlichen Hindernisse mehr im Hinblick auf die Technologie Wärmepumpe.

„Vor wenigen Jahren wurde gefragt, ob die Wärmepumpe im Mehrfamilienhaus überhaupt funktioniert. Heute geht es deutlich häufiger darum, wie sie effizienter, schneller und wirtschaftlicher umgesetzt werden kann. Das ist ein wesentlicher Unterschied.“ Dr. Tillmann von Schroeter

Wir investieren gezielt in Planungsqualität

TGA+E: Gibt es noch Argumente, die Investoren und Wohnungsunternehmen gegen den Umstieg auf Wärmepumpen einbringen?

Von Schroeter: Grundsätzliche Argumente werden prinzipiell nicht mehr genannt. Häufig wünschen sich größere Bestandshalter zusätzliche Leistungsoptionen oberhalb heutiger Standardgrößen. Dazu haben wir beispielsweise mit der aroTHERM perform eine weitere Lösung mit hohen Leistungen in den Markt bringen können.

Außerdem ist jede Planung bei einem Mehrfamilienhaus naturgemäß komplexer als die bei einem Einfamilienhaus. Und viele Heizungskeller in größeren Wohngebäuden wurden vor Jahrzehnten für kompakte Kesselanlagen konzipiert. Die Integration von Wärmepumpensystemen verlangt dann mitunter kreative Planungsansätze. Gleichzeitig beobachten wir aber, dass sich die Diskussion verändert hat. Vor wenigen Jahren wurde gefragt, ob die Wärmepumpe im Mehrfamilienhaus überhaupt funktioniert. Heute geht es deutlich häufiger darum, wie sie effizienter, schneller und wirtschaftlicher umgesetzt werden kann. Das ist ein wesentlicher Unterschied.

Genau hier zeigt sich auch, dass die Technologiefrage weitgehend entschieden ist. Der Engpass liegt zunehmend in der Skalierbarkeit der Umsetzung. Wenn wir über einige Tausend Projekte sprechen, lassen sich viele Aufgaben individuell lösen. Wenn wir aber über Millionen Wohnungen und Gebäude sprechen, benötigen wir zusätzliche Standardisierung. Das gilt für Komponenten ebenso wie für Hydraulik, Planung und Montageabläufe.

Deshalb investieren wir gezielt in Lösungen, die Fachplanern helfen, Projekte schneller und mit höherer Planungssicherheit umzusetzen. Die aroTHERM perform erweitert unser Leistungsportfolio. Gleichzeitig arbeiten wir an weiteren Systemlösungen, die die Planung vereinfachen und erfolgreiche Konzepte einfacher auf andere Projekte übertragbar machen sollen.

Bild 2 „Im Einfamilienhaus ist die Wärmepumpe in jeder Hinsicht angekommen. Im Mehrfamilienhaus war ein zentraler Unterschied die Trinkwassererwärmung. Mit den heute verfügbaren Lösungen gibt es jedoch keinen Grund mehr, um abzuwarten.“ Dr. Tillmann von Schroeter

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Bild 2 „Im Einfamilienhaus ist die Wärmepumpe in jeder Hinsicht angekommen. Im Mehrfamilienhaus war ein zentraler Unterschied die Trinkwassererwärmung. Mit den heute verfügbaren Lösungen gibt es jedoch keinen Grund mehr, um abzuwarten.“ Dr. Tillmann von Schroeter

TGA+E: Im größeren Leistungsbereich hat sich die Kaskadierung mehrerer Wärmepumpen etabliert. Werden die oft genannten Vorteile in der Praxis tatsächlich wirksam?

Von Schroeter: Wir erleben eine hohe Akzeptanz für Kaskadenlösungen. Die Marktteilnehmer haben verstanden, dass sich auf diese Weise Leistungen flexibel skalieren lassen. Interessanterweise wird aber die vielfach diskutierte Redundanz heute weniger stark gewichtet als noch vor einigen Jahren. Der Grund ist simpel: Wärmepumpen haben sich im Feld als sehr zuverlässig erwiesen. Wenn Ausfälle selten sind, verliert das Argument der Ausfallsicherheit an Dominanz.

Die praktischen Herausforderungen liegen eher an anderer Stelle. Eine Dreier- oder Viererkaskade benötigt mehr Aufstellfläche als eine einzelne Großmaschine. Zudem steigen die Anforderungen an die Hydraulik und die Planung sowie die Montage.

„Standardisierung bedeutet dabei nicht, dass jedes Gebäude gleich behandelt wird, sondern vielmehr, wiederkehrende Aufgaben, die heute hunderte Male neu geplant und aufgebaut werden, in industriell vorbereitete Lösungen zu überführen.“ Dr. Tillmann von Schroeter

Standardisierung, die skalierbar ist

TGA+E: Mit industriell vorgefertigten Energiezentralen wie der Energy Unit hat sich die Kaskadierung weiterentwickelt. Verändert das die Rollenverteilung zwischen Hersteller, Fachplaner und Fachhandwerk?

Von Schroeter: Es verändern sich Abläufe, aber nicht die grundsätzlichen Rollen, denn die Idee hinter solchen Systemen ist ebenfalls Standardisierung. In Deutschland gibt es rund 3,5 Millionen Mehrfamilienhäuser. Es ist unrealistisch, jede Heizungsmodernisierung vollständig individuell zu planen und vor Ort aufzubauen. Deshalb müssen wir Lösungen finden, die standardisiert skalierbar sind.

Eine Energy Unit ersetzt jedoch weder den Fachplaner noch das Fachhandwerk. Auch ein vorkonfektioniertes System muss ausgelegt, in das Gesamtkonzept eingebunden und fachgerecht angeschlossen werden. Was sich verändert, ist die Verlagerung von Arbeitsinhalten aus dem Heizkeller in die Werkshalle. Dadurch lassen sich Qualität, Geschwindigkeit und Reproduzierbarkeit erhöhen. Aus unserer Sicht ist das ein wichtiger Baustein, um den Wärmepumpenhochlauf im Geschosswohnungsbau weiter zu beschleunigen. Standardisierung bedeutet dabei nicht, dass jedes Gebäude gleich behandelt wird, sondern vielmehr, wiederkehrende Aufgaben, die heute hunderte Male neu geplant und aufgebaut werden, in industriell vorbereitete Lösungen zu überführen.

Genau dadurch wird Standardisierung aus meiner Sicht zu einem wichtigen Beschleuniger der Wärmewende. Wir reduzieren Planungsaufwand, erhöhen die Reproduzierbarkeit, verkürzen Montagezeiten und schaffen zusätzliche Kapazitäten für die Projekte, die tatsächlich individuelle Lösungen erfordern. Die Energy Unit 2.0 ist deshalb für uns nicht nur ein Produkt, sondern Teil einer Entwicklungsrichtung. Die Wärmewende wird am Ende nicht allein durch neue Technologien gewonnen, sondern durch die Fähigkeit, diese Technologien millionenfach umzusetzen.

Bild 3 Die Idee hinter der Energy Unit ist Standardisierung – die jedoch weder den Fachplaner noch das Fachhandwerk ersetzt. Auch ein vorkonfektioniertes System muss ausgelegt, in das Gesamtkonzept eingebunden und fachgerecht angeschlossen werden.

Vaillant

Bild 3 Die Idee hinter der Energy Unit ist Standardisierung – die jedoch weder den Fachplaner noch das Fachhandwerk ersetzt. Auch ein vorkonfektioniertes System muss ausgelegt, in das Gesamtkonzept eingebunden und fachgerecht angeschlossen werden.

TGA-Planer sind ein zentraler Akteur für die Wärmewende

TGA+E: Wird Vaillant künftig selbst stärker planerische Leistungen übernehmen?

Von Schroeter: Nein. Wir sehen unsere Aufgabe nicht darin, als TGA-Planungsbüro aufzutreten. Unsere Rolle besteht vielmehr darin, Fachplanern Werkzeuge bereitzustellen. Dazu gehören Auslegungshilfen, Planungssoftware, Schulungen, technische Unterstützung und integrationsfähige Datensätze für gängige Planungssysteme. Unser Anspruch ist, dass sich Vaillant-Lösungen möglichst einfach und effizient planen lassen.

Wir sehen TGA-Planer als einen der zentralen Akteure der Transformation. Je mehr Wärmepumpenprojekte entstehen, desto wichtiger werden standardisierte Werkzeuge, verlässliche Auslegungsgrundlagen und digitale Planungshilfen. Genau hier investieren wir aktuell sehr stark. Wir erweitern kontinuierlich unsere Planungsunterstützung, unsere Hydraulikbibliotheken und unsere Schulungsangebote.

Das Ziel ist, dem Fachplaner mehr Projekte in gleicher Zeit zu ermöglichen. Wenn wir den Hochlauf beschleunigen wollen, müssen wir die Produktivität der Planung erhöhen. Auch darin steckt die zentrale Botschaft: Die Technologiefrage ist entschieden – jetzt zählt die Umsetzung.

„Allen erfolgreichen Wärmepumpenmärkten ist international letztlich eines gemeinsam: Sie haben Wege gefunden, die Umsetzung zu industrialisieren, ohne dabei die Qualität aus den Augen zu verlieren.“ Dr. Tillmann von Schroeter

TGA+E: Der Sommer 2026 hat gezeigt, dass Kühlung auch in Deutschland zunehmend relevant wird. Welche Rolle spielt künftig die Kühlfunktion von Wärmepumpen?

Von Schroeter: Die Wärmepumpe verbindet Heizen und Kühlen. Genau deshalb sehen wir sie als Schlüsseltechnologie für die kommenden Jahrzehnte. Während Kühlung in Südeuropa längst selbstverständlich ist, wird sie in Deutschland häufig noch unterschätzt. Gleichzeitig sehen wir, dass steigende Sommertemperaturen die Nachfrage nach Kühlung auch hierzulande deutlich erhöhen.

Deshalb verkaufen wir heute überwiegend Systeme, die grundsätzlich auch Kühlfunktionen bereitstellen. Für Gebäudeeigentümer entsteht dadurch ein zusätzlicher Nutzen, ohne dass eine zweite technische Infrastruktur aufgebaut werden muss.

Bild 4 „Häufig wünschen sich größere Bestandshalter Leistungsoptionen oberhalb heutiger Standardgrößen. Dazu haben wir die aroTHERM perform in den Markt gebracht.“ Dr. Tillmann von Schroeter

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Bild 4 „Häufig wünschen sich größere Bestandshalter Leistungsoptionen oberhalb heutiger Standardgrößen. Dazu haben wir die aroTHERM perform in den Markt gebracht.“ Dr. Tillmann von Schroeter

Wassergeführte Strukturen sinnvoll weiterentwickeln

TGA+E: Einige Wohnungsunternehmen setzen verstärkt auf Luft/Luft-Wärmepumpen. Ist das auch für den breiten Bestand ein realistischer Weg?

Von Schroeter: Wir beobachten diese Entwicklungen sehr genau. Dennoch sehen wir derzeit keinen großflächigen Trend, bestehende wassergeführte Heizungsanlagen vollständig durch Luft/Luft-Systeme zu ersetzen.

Bestandsgebäude verfügen häufig bereits über eine hydraulische Wärmeverteilung. Diese Infrastruktur hat einen erheblichen Wert. Zudem gibt es unbestreitbare Komfort- und Effizienzunterschiede zwischen beiden Ansätzen. Unsere Strategie zielt deshalb darauf ab, Heizen, Warmwasser und Kühlung in integrierten Wärmepumpensystemen zusammenzuführen und vorhandene wassergeführte Strukturen sinnvoll weiterzuentwickeln.

„Wir werden die Wärmewende nicht allein über zusätzliche Planungsressourcen stemmen können. Wir müssen gleichzeitig die Produktivität jedes einzelnen Planungsprozesses erhöhen.“ Dr. Tillmann von Schroeter

TGA+E: Kühlung im Bestand wirft Fragen zur Taupunktunterschreitung auf. Welche Bedeutung hat dieses Thema aus Planersicht?

Von Schroeter: Die generelle Bedeutung ist natürlich vorhanden, weil eine Taupunktunterschreitung letztendlich zu Schäden führen könnte. Moderne Regelungstechnik überwacht und berücksichtigt Taupunkte bereits heute sehr zuverlässig.

Dennoch gibt es Bestandsgebäude mit speziellen Rohrführungen oder unzureichend gedämmten Leitungsnetzen. Dort reicht Standardtechnik allein nicht aus. Dann ist die Kompetenz des TGA-Planers gefragt. Möglicherweise müssen dann beispielsweise einzelne Leitungsabschnitte nachgedämmt oder spezifische Maßnahmen umgesetzt werden. Das zeigt, dass Wärmepumpen im Bestand zwar standardisierbar sind, aber weiterhin qualifizierte Planung benötigen.

Bild 5 „Die Technologiefrage ist entschieden. Jetzt müssen wir gemeinsam dafür sorgen, dass die Umsetzung schneller, einfacher und skalierbarer wird. Genau darin liegt die Aufgabe der kommenden Jahre.“ Dr. Tillmann von Schroeter

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Bild 5 „Die Technologiefrage ist entschieden. Jetzt müssen wir gemeinsam dafür sorgen, dass die Umsetzung schneller, einfacher und skalierbarer wird. Genau darin liegt die Aufgabe der kommenden Jahre.“ Dr. Tillmann von Schroeter

TGA+E: Das GModG sieht gegenüber der vorherigen 65-%-EE-Anforderung geringe Grüngas-Anteile vor. Erwarten Sie dadurch eine Renaissance gasbasierter Systeme?

Von Schroeter: Nein, das erwarten wir nicht. Der entscheidende Punkt ist aus unserer Sicht die zeitliche Streckung der Transformation. Die verfügbaren Mengen an Biomethan und den anderen im GModG genannten Bio-Treppen-Gasen bleiben auf absehbare Zeit begrenzt. Ohne Übergangsregelungen wären im Sommer 2026 erhebliche Preissprünge aufgetreten.

Die sogenannte Bio-Treppe sorgt deshalb vor allem für mehr Sozialverträglichkeit und Planungssicherheit. Die entscheidende Triebkraft bleibt die Wirtschaftlichkeit. Solange erneuerbare Heizsysteme langfristig attraktive Betriebskosten bieten und fossile Energieträger mit Unsicherheiten behaftet bleiben, wird sich die Elektrifizierung der Wärmeversorgung fortsetzen.
 

TGA+E: Marktteilnehmer könnten versucht sein, bis zum Start der Bio-Treppe im Jahr 2029 noch auf neue Gas-Heizungen und politische Korrekturen bei Preissprüngen zu setzen.

Von Schroeter: Eine Heizungsinvestition wirkt über 20 bis 25 Jahre. Ob eine regulatorische Anpassung zwei Jahre früher oder später greift, verändert die grundsätzliche Wirtschaftlichkeit einer solchen Entscheidung nur begrenzt. Gerade institutionelle Investoren denken langfristig. Sie betrachten nicht nur die Investition von heute, sondern die Energie- und Betriebskosten über Jahrzehnte hinweg. Deshalb erleben wir in der Wohnungswirtschaft oder im Gewerbe deutlich mehr strategische Entscheidungen als kurzfristiges Taktieren.

Ohne Qualitätsverlust industrialisieren

TGA+E: Was können deutsche Fachplaner von anderen europäischen Wärmepumpenmärkten lernen?

Von Schroeter: Eine Menge – in den Niederlanden sehen wir beispielsweise interessante Ansätze für urbane Verdichtungsräume mit Dachzentralen. Gerade in engen innerstädtischen Situationen wurden dort viele Lösungen entwickelt, die auch für deutsche Städte relevant sind. Skandinavische Länder zeigen eindrucksvoll, wie digitales Energiemanagement und Smart-Meter-Integration funktionieren können. Dort existiert in vielen Bereichen eine deutlich längere Erfahrung mit flexiblen Stromtarifen und intelligenter Betriebsoptimierung. Frankreich wiederum ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich Wärmepumpensysteme in großer Stückzahl effizient planen und installieren lassen. Dort kann man viel über Skalierung, Geschwindigkeit und Standardisierung lernen.

Allen erfolgreichen Wärmepumpenmärkten ist letztlich eines gemeinsam: Sie haben Wege gefunden, die Umsetzung zu industrialisieren, ohne dabei die Qualität aus den Augen zu verlieren. Überall finden wir Beispiele dafür, wie standardisierte Lösungen, digitale Werkzeuge und wiederholbare Konzepte die Verbreitung der Wärmepumpe beschleunigen.

Genau hier kann Deutschland lernen: Wir werden die Wärmewende nicht allein über zusätzliche Planungsressourcen stemmen können. Wir müssen gleichzeitig die Produktivität jedes einzelnen Planungsprozesses erhöhen. Genau dazu können Standardisierung, Digitalisierung und Vorfertigung einen entscheidenden Beitrag leisten.

Bil 6 „Unsere Rolle besteht darin, Fachplanern Werkzeuge bereitzustellen. Deshalb investieren wir derzeit massiv in Planerunterstützung, Weiterbildung und digitale Tools.“ Dr. Tillmann von Schroeter

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Bil 6 „Unsere Rolle besteht darin, Fachplanern Werkzeuge bereitzustellen. Deshalb investieren wir derzeit massiv in Planerunterstützung, Weiterbildung und digitale Tools.“ Dr. Tillmann von Schroeter

TGA+E: Fachplaner beklagen häufig fehlende Standards bei Anschlussbildern und Hydraulikschemata für Wärmepumpen. Ist die Kritik berechtigt?

Von Schroeter: Ich kann diese Wahrnehmung nachvollziehen. Bei Gasgeräten gab es Jahrzehnte Zeit, Standards zu entwickeln und zu etablieren. Die Wärmepumpe befindet sich in vielen Segmenten noch in einer deutlich jüngeren Entwicklungsphase. Allerdings sehen wir gerade enorme Fortschritte. Unsere Bibliothek an Hydraulikschemata wächst kontinuierlich. Planungstools werden erweitert, Projektvorlagen ergänzt und typische Anwendungsfälle standardisiert. Mit der wachsenden Zahl realisierter Projekte entsteht automatisch auch mehr Standardisierung. Deshalb bin ich überzeugt, dass sich die Situation in den nächsten Jahren kontinuierlich deutlich weiterentwickeln wird.

Das Entscheidende ist aus meiner Sicht: Standardisierung reduziert nicht die Bedeutung des Fachplaners. Sie erhöht seine Wirkung. Wenn weniger Zeit in wiederkehrende Aufgaben investiert werden muss, bleibt mehr Zeit für die wirklich anspruchsvollen Projekte, für Sonderlösungen und die Optimierung komplexer Gesamtsysteme.

„Wenn wir den Hochlauf beschleunigen wollen, müssen wir die Produktivität der Planung erhöhen. Auch darin steckt die zentrale Botschaft: Die Technologiefrage ist entschieden – jetzt zählt die Umsetzung.“ Dr. Tillmann von Schroeter

TGA+E: Wie häufig werden Wärmepumpen heute noch überdimensioniert?

Von Schroeter: Deutlich seltener als früher. In den ersten Jahren der Sanierungswelle gab es durchaus Sicherheitszuschläge, die aus heutiger Sicht teilweise zu groß ausfielen. Inzwischen verfügen wir über umfangreiche Betriebsdaten aus digitalen Monitoring-Systemen und haben sehr viel über das reale Anlagenverhalten gelernt. Dadurch können wir gemeinsam mit Fachplanern und Fachhandwerk deutlich präziser auslegen. Die hohe Effizienz vieler installierter Anlagen zeigt, dass die Branche hier tolle Arbeit geleistet hat.
 

TGA+E: Ab 2027 soll ein europäischer Wertschöpfungsbonus bei der Heizungsförderung im Gegenzug zu einer sinkenden Grundförderung eingeführt werden. Wie wichtig ist diese Maßnahme aus Herstellersicht?

Von Schroeter: Grundsätzlich geht es um fairen Wettbewerb. Europa steht im internationalen Wettbewerb mit Regionen, die ihre Industrien teilweise sehr aktiv unterstützen. Gleichzeitig profitieren wir als Exportnation von offenen Märkten und Freihandel. Der Bonus soll deshalb keine Abschottung schaffen, sondern vergleichbare Wettbewerbsbedingungen herstellen. Für Planer und Investoren wird vor allem wichtig sein, dass die Förderfähigkeit künftig transparent und eindeutig nachvollziehbar dargestellt wird.

Bild 7 „Die Energy Unit 2.0 ist für uns Teil einer Entwicklungsrichtung. Denn die Wärmewende wird am Ende nicht alleine durch neue Technologien gewonnen, sondern durch die Fähigkeit, diese Technologien millionenfach umzusetzen.“ Dr. Tillmann von Schroeter

Vaillant

Bild 7 „Die Energy Unit 2.0 ist für uns Teil einer Entwicklungsrichtung. Denn die Wärmewende wird am Ende nicht alleine durch neue Technologien gewonnen, sondern durch die Fähigkeit, diese Technologien millionenfach umzusetzen.“ Dr. Tillmann von Schroeter

Planung und Umsetzung vereinfachen

TGA+E: Bitte vervollständigen Sie. Der größte Treiber für das aktuelle Wachstum des Wärmepumpenmarktes ist ...

Von Schroeter: … der hohe Preis fossiler Energien und die Unsicherheit, die mit fossilen Energiemärkten verbunden ist.

TGA+E: Der größte Hebel für einen noch stärkeren Wärmepumpenhochlauf ist, …

Von Schroeter: … dass wir gemeinsam schneller planen, schneller produzieren und schneller installieren. Die Technologie ist da. Jetzt geht es darum, sie in die Breite zu bringen.
 

TGA+E: Was möchten Sie den TGA-Planern abschließend mit auf den Weg geben?

Von Schroeter: Die Wärmewende im Gebäudebestand wird ohne TGA-Planer nicht gelingen. Wir stehen heute an einem Punkt, an dem die Technologie verfügbar ist. Gleichzeitig arbeiten wir an weiteren Lösungen, die Planung, Auslegung und Umsetzung künftig noch einfacher und besser skalierbar machen sollen.

Der entscheidende Erfolgsfaktor der kommenden Jahre wird sein, wie stark wir den vorhandenen Planungsoutput steigern können, ohne Qualität einzubüßen. Standardisierung wird deshalb zu einem zentralen Beschleuniger der Wärmewende. Für uns bedeutet das: mehr Planerforen, mehr technische Unterstützung, mehr digitale Werkzeuge, mehr Hydraulikschemata und mehr Lösungen, die sich effizient von einem Projekt auf das nächste übertragen lassen.

Wenn ich die aktuelle Situation in einem Satz zusammenfassen müsste, würde ich sagen: Die Technologiefrage ist entschieden. Jetzt müssen wir gemeinsam dafür sorgen, dass die Umsetzung schneller, einfacher und skalierbarer wird. Genau darin liegt die große Aufgabe der kommenden Jahre.

TGA+E: Vielen Dank für das Gespräch.

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