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Wärmemarkt

Grüngasquote: Was bleibt 2045 übrig vom Gasverteilnetz?

Die Grüngasquote soll die direkte Nut­zung von fossi­lem Erd­gas in priva­ten Haus­hal­ten bis 2045 auf null sen­ken. Mit wel­chen Konse­quen­zen der Plan auf­gehen kann.

Ob ein Ende der Erdgasnutzung in Wohngebäuden über eine Grüngasquote erreichbar ist, kann man mit Ja beantworten – wenn man einen Quotenhochlauf mit 100 % Grünbrennstoff spätestens im Jahr 2045 vorgibt (und ihn auch durchhält). Das sieht ein Eckpunkte-Papier des BMWE vom 13. Oktober 2026 vor, wobei es das Durchhalten an Bedingungen knüpft.

Die Eckpunkte geben in späteren Jahren mit dem skizzierten Quotenhochlauf einen höheren Pflichtanteil als die Bio-Treppe im Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) vor. Verteuert die Grüngasbeimischung den Brennstoff, steigt der Handlungsdruck, ein 1:1-Austausch der Gas-Heizung löst das Problem nicht. Der Vorteil einer zu erwartenden Einsparung bei der Brennstoffmenge verringert sich in den nächsten Jahren durch den höheren Grüngasanteil auf der Bio-Treppe und die Grüngasquote dürfte Gründgas durch die steigende Nachfrage bei begrenzter Verfügbarkeit verteuern.

Szenario 0 (exemplarisch) ohne Abwanderung aus dem Gas-Netz: Das KSG-Budget für den Gebäudesektor wird nicht eingehalten, die erforderliche Grüngasmenge ist unrealistisch hoch und sie erfordert bis 2045 jedes Jahr einen größeren Kapazitätszubau.

JV

Szenario 0 (exemplarisch) ohne Abwanderung aus dem Gas-Netz: Das KSG-Budget für den Gebäudesektor wird nicht eingehalten, die erforderliche Grüngasmenge ist unrealistisch hoch und sie erfordert bis 2045 jedes Jahr einen größeren Kapazitätszubau.

Grüngaserzeuger benötigen Planungssicherheit

Aus Sicht der Grüngaserzeuger – zunächst kommen als Grüngas insbesondere Biomethan sowie aus dem dabei abgeschiedenen CO2 synthetisiertes Methan infrage – ist keine Grüngasquote für private Gas-Heizungen, sondern ein verbindlich steigende Nachfrage wichtig, um die erheblichen Investitionen in neue Anlagen und Netzanschlüsse abzusichern.

Der Grad an langfristiger Planungssicherheit wird sich somit auch auf den Grüngaspreis auswirken. Das Grünbrennstoffquoten-Konzept der Bundesregierung wurde nach ihren eigenen Angaben allerdings ohne konkrete Preisanalysen erstellt.

Der aus der Grüngasquote resultierende Hochlaufpfad muss mindestens 3 Kriterien erfüllen:

  • Einhaltung eines fairen Anteils der Dekarbonisierung für den Gebäudesektor gemäß Bundes-Klimaschutzgesetz (KSG) sowie
  • einen für die Grüngaserzeuger erkennbaren Mengenzuwachspfad,
  • der später mindestens abflacht.

Der letzte Aspekt ist für Anwendungen wichtig, die prozessbedingt auf grüne Gase angewiesen sind. Denn die Hauptrolle der privaten Haushalte bei der Grüngasquote ist insbesondere, die Kosten des Hochlauf der Grüngaserzeugung zu finanzieren.

Modell für 10 Mio. Wohngebäude

Ein einfaches Modell mit konstanten Annahmen zeigt, wie solche Pfade prinzipiell aussehen. Es startet mit der Gasnetzentnahme privater Haushalte im Jahr 2025 (260 TWh) und verteilt sie gleichmäßig auf 10 Mio. über das Gasnetz beheizte Wohngebäude. Der Nutzwärmebedarf der noch mit Gas versorgten Gebäude sinkt linear bis 2045 durch Sanierungsmaßnahmen.

Der Heizungsbestand wird aufgeteilt: 1,5 Mio. Gebäude mit jungen Anlagen werden erst ab 2035 „angefasst“ und die anderen 8,5 Mio. Gebäude mit älteren Gas-Heizungen. Aus beiden Gruppen wandert jährlich ein konstanter Teil vollständig ab, ein (Hybrid)Teil stellt sich ohne und ein Teil mit rabattfähiger Kombination auf die Bio-Treppe.

Zwei exemplarische Szenarien

Szenario 1: Legt man einen Hybridanteil von 30 % mit 55%iger Hybridquote (45 % des Nutzwärmebedarfs werden über das Gasnetz gedeckt) fest und nimmt einen Altbestand von 10 % in 2045 nicht angefasster Anlagen (vor 2022 installiert) an, wird bei einer Abwanderung von 42 % (bis 2034: 215.000 Gebäude pro Jahr; ab 2035: 287.000 Gebäude pro Jahr das KSG-Budget eingehalten (99,9 % Ausschöpfung; 1. Kriterium), die Gasmenge für die Beheizung von Wohngebäuden sinkt auf 93,9 TWh in 2045. Bei einer geringeren Abwanderung müssten diese früher erfolgen, Heizöl- und Flüssiggas-Heizungen ihr KSG-Budget unterschreiten oder die Grüngasquote schon vor 2045 auf 100 % hochlaufen.

Szenario 1 (exemplarisch) mit einer Abwanderung von 42 % aus dem Gas-Netz, bei der das KSG-Budget für den Gebäudesektor gerade eingehalten wird.

JV

Szenario 1 (exemplarisch) mit einer Abwanderung von 42 % aus dem Gas-Netz, bei der das KSG-Budget für den Gebäudesektor gerade eingehalten wird.

Szenario 2: Hebt man nur die Abwanderung auf 65 % an (siehe Grafik) werden bloß 92,4 % vom KSG-Budget beansprucht, die Netzentnahme sinkt um 77 % auf 59 TWh in 2045. Eine auf 23 % gesunkene Gasmenge für Wohngebäude impliziert allerdings für eine Bezahlbarkeit der Infrastruktur eine Konzentration der weiterhin leitungsgebundenes Gas nutzenden Gebäude, z.B. auf Altstadtkerne.

Szenario 2 (exemplarisch) mit einer höheren Abwanderung von 65 % aus dem Gas-Netz, bei der das KSG-Budget für den Gebäudesektor Spielraum für andere Bereiche oder Sektoren eröffnet und die Grüngasmengenkurve für Wohngebäude früh abflacht. Der notwendige Kapazitätszubau erreicht seinen Höhepunkt im Jahr 2037.

JV

Szenario 2 (exemplarisch) mit einer höheren Abwanderung von 65 % aus dem Gas-Netz, bei der das KSG-Budget für den Gebäudesektor Spielraum für andere Bereiche oder Sektoren eröffnet und die Grüngasmengenkurve für Wohngebäude früh abflacht. Der notwendige Kapazitätszubau erreicht seinen Höhepunkt im Jahr 2037.

In den ersten Jahren bis etwa 2035 unterscheiden sich die Grüngasmengen in den beiden Szenarien kaum, da die unterschiedliche jährliche Abwanderung eine große Kundendatei nur langsam erodiert und die erforderliche Grüngasmenge vom Restbestand in der Kundendatei (und der vorgegebenen Quote) bestimmt wird. Erheblich wird der Unterschied nach 2035: bei einer geringen Abwanderung steigt der Grüngasbedarf weiterhin steil und erfordert in jedem Jahr die Errichtung neuer Kapazitäten; bei einer höheren Abwanderung flacht dieser Zuwachs ab und neu errichtete Kapazitäten können in einem größeren Umfang anderen Verbrauchsgruppen zur Verfügung gestellt werden.

Ausblick

Letztendlich spielt jeder Parameter eine Rolle, maßgebend ist die Abwanderung. Insgesamt zeigt sich zudem, dass die Mengenkurve nur bei hoher Abwanderung vor 2045 relevant absinkt (3. Kriterium) und insgesamt niedrig liegt. Dann wird es eher möglich, Grüngas in die Bereiche zu lenken, wo es technisch oder chemisch tatsächlich benötigt wird.

Die realen Kurven werden naturgemäß anders verlaufen, die einzelnen Parameter sind nicht konstant und reagieren auf die Randbedingungen aus Grüngaspreisen, Netzentgelten, CO₂-Preis, politischer Steuerung, Stilllegungsankündigungen und auf die Attraktivität und Verfügbarkeit anderer Heizungslösungen. Zudem dürfte die Abwanderung sich regional und örtlich, beispielsweise für einstige Neubaugebiete, deutlich unterschiedlich entwickeln. ■
Quelle: BMWE-Papier „Eckpunkte für eine Grüngas-/Grünheizölquote“; GModG; eigene Überlegungen und Berechnungen / jv

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