Springe auf Hauptinhalt Springe auf Hauptmenü Springe auf SiteSearch
Zirkulationshydraulik

„Temperatur-hoch“ hebelt den Hydrau­li­schen Ab­gleich aus

Bild 1 Ein Thermometer am Zirkulationsregulierventil kostet nur rund 15 Euro, ermöglicht aber erst die regelmäßige Kontrolle des Hydraulischen Abgleichs „im Vorbeigehen“.

Schell

Bild 1 Ein Thermometer am Zirkulationsregulierventil kostet nur rund 15 Euro, ermöglicht aber erst die regelmäßige Kontrolle des Hydraulischen Abgleichs „im Vorbeigehen“.

Der Artikel kompakt zusammengefasst

  • Ein fehlender Hydraulischer Abgleich der Warmwasserzirkulation ist ein hygienisches Risiko. Er begünstigt in der Trinkwasser-Installation eine systemische Kontamination mit Legionellen.
  • Die Warmwassertemperatur anzuheben, um Legionellen zu bekämpfen, gilt als naheliegende (Erst)Maßnahme – doch ab 65 °C kann sie das Gegenteil bewirken.
  • Auch eine perfekt abgeglichene Zirkulationshydraulik benötig eine regelmäßige Kontrolle, ob die Sollwerte eingehalten werden.

Fachplaner verbinden den Hydraulischen Abgleich meist mit Heizung und Energieeffizienz. In der Trinkwasser-Installation ist er jedoch vor allem ein Hygieneinstrument: Nur ein abgeglichenes Zirkulationssystem hält an jeder Stelle die geforderten Temperaturen. Gerät es aus dem Gleichgewicht, kann sogar eine systemische Kontamination entstehen – ausgerechnet dann, wenn zur „Sicherheit“ die Temperatur auf mehr als 65 °C erhöht wird.

Bei erhöhten Legionellenbefunden liegt eine Maßnahme scheinbar auf der Hand: die Warmwassertemperatur anzuheben. Legionellen sterben oberhalb von 60 °C ab – also mehr Wärme, mehr Sicherheit. Diese Rechnung greift jedoch zu kurz. Denn entscheidend für die Trinkwasserhygiene ist nicht die Temperatur am Austritt der Trinkwassererwärmungsanlage, sondern die Temperaturhaltung an jeder Stelle des Systems. Das Trinkwasser warm (PWH) muss überall dauerhaft mindestens 55 °C führen, die Auskühlung im Zirkulationssystem darf 5 K nicht überschreiten.

Wo diese Werte gehalten werden, finden Legionellen keine Vermehrungsbedingungen. Wo sie unterschritten werden, nützt eine hohe Austrittstemperatur wenig – die kritischen Bereiche liegen dann längst woanders. Das Erhöhen der Temperatur am Austritt ist deshalb kein Ersatz für den Hydraulischen Abgleich. Schlimmer noch: Übertemperatur erwärmt aufgrund der räumlichen Nähe der Leitungen auch das Trinkwasser kalt (PWC) und verlagert das Risiko damit ins dann vermeidbar zu warme Kaltwasser.

Vom Heizungsbegriff zum Hygieneinstrument

Die TGA/SHK-Branche kennt den Hydraulischen Abgleich vor allem aus der Heizungstechnik, wo er die Volumenströme so verteilt, dass jeder Heizkörper die berechnete Wassermenge erhält, und dadurch die Energieeffizienz sichert. In der Trinkwasser-Installation erfüllt derselbe Abgleich eine andere, primär hygienische Aufgabe: Er sorgt dafür, dass jeder Zirkulationsstrang so durchströmt wird, dass die geforderte Temperatur von mindestens 55 °C überall gehalten wird.

Ohne diesen Hydraulischen Abgleich verteilt sich der Volumenstrom ungleich – einzelne Stränge werden bevorzugt, andere kühlen aus und unterschreiten die 55 °C. Genau in diesen „unterversorgten“ Bereichen entstehen die Temperaturfenster, in denen sich Legionellen übermäßig vermehren können.

Ein fehlender Hydraulischer Abgleich bedeutet damit nicht nur Einbußen bei Komfort und Energieeffizienz, sondern ist zugleich ein hygienisches Risiko. Er begünstigt eine systemische Kontamination mit Legionellen – und zwar nicht zwingend im gesamten System, sondern in einem oder mehreren schlecht durchströmten Ringen der Installation mit zirkulierendem Warmwasser. Eine solche systemische Kontamination lässt sich nicht an der einzelnen Entnahmestelle beheben, sondern nur an ihrer Ursache am Fußpunkt der Zirkulationsleitungen für Warmwasser (PWH-C).

Bild 2 Sieht harmonisch aus, ist immer noch die übliche Installationsweise und dennoch aus thermischen Gründen nicht optimal: Kaltwasserleitungen gehören räumlich möglichst weit entfernt von der Warmwasserzirkulation und nicht nebeneinander in denselben Bauraum.

Schell

Bild 2 Sieht harmonisch aus, ist immer noch die übliche Installationsweise und dennoch aus thermischen Gründen nicht optimal: Kaltwasserleitungen gehören räumlich möglichst weit entfernt von der Warmwasserzirkulation und nicht nebeneinander in denselben Bauraum.

Warum ein fehlender Hydraulischer Abgleich oft nicht auffällt

Während beim Kaltwasser die Frage an die Nutzer sehr hilfreich ist, ob das Kaltwasser anfangs warm ist, hilft eine analoge Frage „Ist das Warmwasser warm genug“ nur selten weiter. Denn selbst hygienisch kritische 42 °C werden vom Nutzer als ausreichend warm bzw. sogar als „heiß“ empfunden. Erst die exakte Bestimmung der Temperatur liefert eine belastbare Information.

Eine weitere Fehleinschätzung betrifft die Überbewertung der Temperatur in der Sammelleitung des zirkulierenden Warmwassers. Manche sind sogar stolz auf eine geringe Temperaturspreizung von nur 4 K für ein Großgebäude, ohne das elektronische Zirkulationsregulierventile verbaut sind. Dabei zeigt genau diese geringe Temperaturspreizung, dass der Hydraulische Abgleich kaum gegeben sein kann. Denn die Zirkulationswärmeverluste müssten viel höher sein.

Das Trugbild ergibt sich, weil in den ersten (hydraulisch günstigen) Zirkulationssträngen ein sehr hoher Volumenstrom mit einer hohen Temperatur vorliegt, während in den letzten ein so geringer Volumenstrom ansteht, dass dort über die Zirkulationswärmeverluste beispielsweise nur 42 °C anliegen. Dann ergibt sich durchaus eine Mischwassertemperatur von nur scheinbar fachgerecht >55 °C.

Darum merke: Wenn die Temperaturspreizung in einer Trinkwasser-Installation mit sehr vielen Zirkulationssträngen ungewöhnlich niedrig ist, hilft nur die Überprüfung der Temperaturen in jedem einzelnen Zirkulationsstrang. Und wenn die Sammeltemperatur unter 55 °C liegt, trotz mehr als 65 °C am Ausgang der Trinkwassererwärmungsanlage, dann hilft keine weitere Temperaturanhebung – sie verschärft nur die Probleme.

Die 68-°C-Falle

Ausgerechnet die reflexhafte „Temperatur-hoch“-Strategie kann den Hydraulischen Abgleich, den sie ersetzen soll, aktiv aushebeln. Thermostatische Zirkulationsregulierventile regeln den Volumenstrom temperaturabhängig und stellen so den Hydraulischen Abgleich der Zirkulation sicher. Oberhalb von rund 68 °C schalten die am meisten verbauten Zirkulationsregulierventile jedoch automatisch in den Modus „Thermische Desinfektion“: Sie öffnen weit, um den Strang durchzuspülen, und regeln den Volumenstrom auf einem höheren Niveau, das oft die Zirkulationspumpe überfordert. Denn dafür ist sie zumeist nicht ausgelegt.

Wer also die Anlage dauerhaft auf 70 °C fährt, versetzt diese Ventile in den Dauer-Desinfektionsbetrieb – der Hydraulische Abgleich ist damit oftmals außer Kraft. Der resultierende überhöhte Volumenstrom verschiebt die hydraulischen Verhältnisse im gesamten Netz, einzelne Stränge können unterversorgt werden. Die vermeintliche Sicherheitsmaßnahme erzeugt so genau das Problem, das sie verhindern sollte.

Bild 3 Fehlzirkulation im Warmwassersystem eines Kindergartens – die Grafik verdeutlicht den Fließweg von Kalt- und Warmwasser, der trotz 70 °C im Warmwasser zu einer Entnahme-temperatur von 52 °C führte.

Schell

Bild 3 Fehlzirkulation im Warmwassersystem eines Kindergartens – die Grafik verdeutlicht den Fließweg von Kalt- und Warmwasser, der trotz 70 °C im Warmwasser zu einer Entnahme-temperatur von 52 °C führte.

Praxisfall Kindergarten: 70 °C eingestellt, 52 °C gemessen

Wie eng Hydraulik, Temperatur und Trinkwasserhygiene zusammenhängen, zeigt ein realer Sachverständigenfall. Auslöser war ein erheblicher Legionellenbefund in einem Kindergarten. Ein Ingenieurbüro hatte bereits Umbau- und Sanierungsmaßnahmen geplant, ohne dass die eigentliche Ursache feststand. Bei der Ortsbegehung zeigte sich zunächst ein unauffälliges Bild: Die Anlage verfügte über einen Hydraulischen Abgleich, die Warmwassertemperatur war wegen der Befunde bereits auf rund 70 °C angehoben worden.

An einer unmittelbar an die Technikzentrale angrenzenden Küchenarmatur wurden jedoch nur 52 °C gemessen – ein Wert, der unter diesen Bedingungen nicht plausibel war. Die genauere Untersuchung ergab, dass während der Warmwasserentnahme Kaltwasser in Bereiche eindrang, in denen ausschließlich erwärmtes Wasser zu erwarten war. Kalt- und Warmwasserströme vermischten sich, und das nicht nur in der betroffenen Küchenleitung, sondern über mehrere der insgesamt sechs Zirkulationsstränge (Bild 3).

Die Ursache war ein bekanntes, aber häufig unterschätztes Bauteilproblem: Der Rückflussverhinderer in der Zirkulationsleitung fehlte (Bild 4). Dadurch konnte bei jeder Warmwasserentnahme Kaltwasser über die Zirkulationsleitung in den Warmwasserkreislauf gelangen. Die Folge war eine wiederkehrende Temperaturabsenkung – in exakt das Vermehrungs-Temperaturfenster, das die erhöhten Legionellenbefunde erklärte.

Fehlende oder defekte Rückflussverhinderer haben auch eine energetische Dimension, wenn es sich um Solarthermieanlagen handelt. Über den unkontrollierten Rückstrom geht ein Großteil der gespeicherten Wärme verloren, weil sie zum Beispiel in den Nachtstunden ungenutzt aus dem Speicher abgeführt wird. Ein unscheinbares Bauteil entscheidet hier gleichzeitig über Trinkwasserhygiene, Betriebssicherheit und je nach System auch über Energieeffizienz.

Bild 4 Ein Fall aus der Praxis: Bei der Warmwasserentnahme im Raum neben der Technikzentrale sackten alle Temperaturen deutlich auf bis zu 8 °C (!) ab – obwohl heißes Trinkwasser von 52 °C austrat, nur nicht mit der erwartbaren Maximaltemperatur von 70 °C. Tatsächlich fehlte lediglich der Rückflussverhinderer an der Zirkulationspumpe.

Schell

Bild 4 Ein Fall aus der Praxis: Bei der Warmwasserentnahme im Raum neben der Technikzentrale sackten alle Temperaturen deutlich auf bis zu 8 °C (!) ab – obwohl heißes Trinkwasser von 52 °C austrat, nur nicht mit der erwartbaren Maximaltemperatur von 70 °C. Tatsächlich fehlte lediglich der Rückflussverhinderer an der Zirkulationspumpe.

Das unterschätzte Kaltwasser

Der Kindergarten-Fall verweist auf ein Grundprinzip, das in der Planung oft zu kurz kommt: Warm und kalt gehören konsequent getrennt (Bild 2). Sobald warmführende Leitungen das Trinkwasser kalt erwärmen, werden die maximal 25 °C überschritten, die eine übermäßige Vermehrung von Legionellen sonst begrenzt. Legionellen vermehren sich optimal in einem Milieu zwischen 25 und 45 °C; steigt die Kaltwassertemperatur dauerhaft über 25 °C, wird auch das PWC zum Vermehrungsraum. Übertemperatur im Warmwasser wirkt deshalb doppelt schädlich – sie hebelt den Hydraulischen Abgleich aus und heizt zusätzlich das Kaltwasser auf.

Der zweite wichtige hygienische Hebel neben der Temperaturhaltung warm und kalt ist der Wasserwechsel: Nur wenn das Wasser regelmäßig und vollständig über alle Entnahmestellen ausgetauscht wird – spätestens nach 72 Stunden, in Gesundheitseinrichtungen in kürzeren Intervallen gemäß VDI 6023 Blatt 1 –, bleibt die Verweilzeit kurz genug, um eine übermäßige Vermehrung von Bakterien zu verhindern. Der Arbeitsblatt-Entwurf DVGW W 551-1 [1] trägt der wachsenden Bedeutung des Kaltwassers Rechnung und rückt die Trinkwasser-Installation als Gesamtsystem in den Blick – nicht nur den Warmwasserkreislauf.

Konsequenzen für Planung und Betrieb

Bild 5 Fehlen Thermometer, bleibt ein mangelhafter Hydraulischer Abgleich oft unbemerkt – bis die Legionellenbefunde zu hoch sind.

Schell

Bild 5 Fehlen Thermometer, bleibt ein mangelhafter Hydraulischer Abgleich oft unbemerkt – bis die Legionellenbefunde zu hoch sind.

Für Planer und Betreiber folgt daraus ein klares Vorgehen in drei Schritten. Erstens muss der Hydraulische Abgleich der Zirkulation erfolgen und auf Dauer überprüfbar bleiben. Gut sichtbare, ablesbare Thermometer an den Zirkulationsregulierventilen kosten pro Ventil nur wenige Euro mehr, erlauben aber die Kontrolle des Abgleichs „im Vorbeigehen“ (Bild 1). In vielen Fällen fehlen genau diese Thermometer (Bild 5) – der mangelhafte Abgleich fällt erst auf, wenn die Legionellenbefunde bereits zu hoch sind.

Zweitens gehören regelmäßige Kontrollgänge durch die Technikbereiche zum Betrieb, bei größeren Anlagen mindestens einmal pro Quartal. Werden die Temperaturen an den einzelnen Strängen dokumentiert, lassen sich Pumpenausfälle, Fehlzirkulation oder ungewollte Beimischungen frühzeitig erkennen – oft, bevor sich Legionellen übermäßig vermehrt haben.

Drittens lauert bei Temperaturmessungen eine Falle (Bild 6): Einzelwerte können bei einer zufällig hohen Nutzung vieler Entnahmestellen nur anscheinend zu niedrige Warmwassertemperaturen ergeben, die jedoch über den Tagesverlauf in Ordnung sind. Tagesmittelwerte, wie sie der Arbeitsblatt-Entwurf DVGW W 551-1 als Bewertungsmaßstab vorsieht, sind deshalb eine wichtige Entlastung für Betreiber.

Wo der Wasserwechsel im bestimmungsgemäßen Betrieb durch den Nutzer nicht zuverlässig gelingt, unterstützen automatisierte Lösungen: Elektronische Armaturen und Wassermanagement-Systeme wie SWS / Smart.SWS von Schell führen Stagnationsspülungen gezielt und, über Gruppenbildung, gleichzeitig aus, sodass die für einen wirksamen Wasserwechsel nötige turbulente Strömung entsteht. Ein digitales Monitoring liefert die dokumentierten Strangtemperaturen, auf die es bei der Bewertung ankommt. Und bei Bedarf können über den Online-Service Smart.SWS alle wesentlichen Parameter auch aus der Ferne kontrolliert werden, ohne das Gebäude betreten zu müssen.

Bild 6 Übersicht der Temperatur-Sollwerte und der zulässigen Bereiche der Tagesmittwerte in °C (bei Messung mit max. Grenzabweichung von +1,0 K im Messbereich 4 bis 70 °C. Hier lauert bei Einzelwerten von Temperaturmessungen eine Falle: Bei einem hohen Warmwasserbedarf können kurzzeitig die Temperaturen unter 60 °C fallen. Dies führt jedoch nicht unmittelbar zu überhöhten Legionellenbefunden. Deshalb sind Mittelwerte aussagekräftiger als Einzelwerte.

Schell, nach: DVGW-Arbeitsblatt W 551-1 (Entwurf Mai 2026)

Bild 6 Übersicht der Temperatur-Sollwerte und der zulässigen Bereiche der Tagesmittwerte in °C (bei Messung mit max. Grenzabweichung von +1,0 K im Messbereich 4 bis 70 °C. Hier lauert bei Einzelwerten von Temperaturmessungen eine Falle: Bei einem hohen Warmwasserbedarf können kurzzeitig die Temperaturen unter 60 °C fallen. Dies führt jedoch nicht unmittelbar zu überhöhten Legionellenbefunden. Deshalb sind Mittelwerte aussagekräftiger als Einzelwerte.

Fazit

„Warmes warm, Kaltes kalt“ – dieser einfache Grundsatz bringt es auf den Punkt. Der Erhalt der Trinkwasserhygiene wird durch den Hydraulischen Abgleich aller Zirkulationsstränge für das Warmwasser und einen regelmäßigen Wasserwechsel über jede Entnahmestelle unterstützt, nicht durch Übertemperatur.

Ein Hydraulischer Abgleich, der die geforderten Temperaturen an jeder Stelle hält, schützt zuverlässiger als jede pauschale Temperaturerhöhung – und er zahlt doppelt ein: Er sichert die Trinkwasserhygiene und senkt zugleich den Energieverbrauch, weil er unnötige Wärmeverluste und Fehlzirkulation vermeidet.

Für Fachplaner heißt das, die Zirkulation von Anfang an sauber zu berechnen, geeignete Regulierventile auszuwählen und auf diese Werte einzustellen sowie dort auch Thermometer vorzusehen – damit der ausführende Fachbetrieb den Abgleich korrekt einstellen und der Betreiber ihn dauerhaft kontrollieren kann. So verstanden ist der Hydraulische Abgleich der Trinkwasser-Zirkulation ein zentrales Instrument der Trinkwasserhygiene. ■

Den Hydraulischen Abgleich erhalten und kontrollieren

Eine systemische Kontamination liegt vor, wenn von zentralen Teilen andere Teile der Trinkwasser-Installation mit Legionellen in einer Konzentration kontaminiert werden, die den Technischen Maßnahmenwert der TrinkwV erreicht. Der Ursprung der Kontamination kann dabei bereits vor der Eintrittsstelle in die Warmwasser-Installation (z. B. aus dem vorgelagerten Kaltwassernetz) oder innerhalb der Warmwasser-Installation liegen – und dort auch nur in einzelnen Strängen. Ohne Hydraulischen Abgleich kann also auch eine systemische Kontamination vorliegen.

Die 68-°C-Falle – Regelbereich und Desinfektionsschwelle: Thermostatische Zirkulationsregulierventile halten den Hydraulischen Abgleich der Zirkulation aufrecht, indem sie den Volumenstrom temperaturabhängig regeln. Oberhalb von rund 68 °C wechseln die meistverbauten Ventile automatisch in den Modus „Thermische Desinfektion“ und öffnen wieder, um den Strang „durchzuspülen“. Der Volumenstrom wird dann nicht mehr wie berechnet geregelt und in vielen Fällen kann dies die Zirkulationspumpe nicht kompensieren. Ein dauerhafter Betrieb bei 70 °C versetzt diese Ventile also in den Dauer-Desinfektionsbetrieb und setzt den Hydraulischen Abgleich oftmals außer Kraft.

Kontrolle „im Vorbeigehen“: Ein gut ablesbares Thermometer am Zirkulationsregulierventil kostet nur rund 15 Euro mehr, ermöglicht aber die regelmäßige Kontrolle des Hydraulischen Abgleichs im Vorbeigehen. Fehlen die Thermometer, bleibt ein mangelhafter Abgleich oft unbemerkt – bis erhöhte Legionellenbefunde ihn offenlegen. Bei Großanlagen empfehlen sich deshalb gut sichtbare Thermometer an allen Zirkulationsregulierventilen, ergänzt um regelmäßige Kontrollgänge zur Überprüfung und Dokumentation der Strangtemperaturen.

Fachberichte mit ähnlichen Themen bündelt das TGA+E-Dossier Trinkwasserhygiene

Dr. Peter Arens
ist Hygienespezialist bei Schell in 57462 Olpe und ö. b. u. v. Sachverständiger für das Teilgebiet Trinkwasserhygiene, www.schell.eu

Schell

Literatur

[1] DVGW-Arbeitsblatt W 551-1 (Entwurf / Gelbdruck) Hygiene in der Trinkwasserinstallation – Teil 1: Prävention, Ursachenklärung und Beseitigung von Kontaminationen mit Legionellen. Berlin: DIN Media, Mai 2026

Jetzt weiterlesen und profitieren.

+ TGA+E-ePaper-Ausgabe – jeden Monat neu
+ Kostenfreien Zugang zu unserem Online-Archiv
+ Fokus TGA: Sonderhefte (PDF)
+ Webinare und Veranstaltungen mit Rabatten
uvm.

Premium Mitgliedschaft

2 Monate kostenlos testen