TGA Panorama

TGA Ausgabe 12-2009
Schwarz-Gelb

Unsere Branche im Koalitionsvertrag

Abb. 1

„Wachstum. Bildung. Zusammenhalt.“ titelt der 132 Seiten umfassende Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und FDP vom 26. Oktober 2009 für die 17. Legislaturperiode. Die Kritik von Opposition und Verbänden hielt sich in engen Grenzen: Kaum Konkretes bietet in den Bereichen Bauen, Modernisieren, Energie und Klimaschutz auch wenig Angriffspunkte.

Das Versprechen „Wohlstand für alle“ in der Präambel zum Koalitionsvertrag wird künftig wohl eher in Reden der Opposition eingefordert werden, als in der Leistungsbilanz der schwarz-gelben Koalition auftauchen. Das deutet zumindest die Regierungserklärung von Bundes­kanzlerin Angela Merkel vom 10. November 2009 mit „Einschwörung auf harte Zeiten“ und die anschließende Aussprache im Bundestag an. Außer der Absicht, die Wohn­eigentumsquote in Deutschland durch eine ­Vereinfachung der Eigenheimrente zu erhöhen, findet sich nichts „einklagbares“ zur Förderung des Wohnungsneubaus im Koali­tionsvertrag, dennoch kann die Bauwirtschaft profitieren, wenn die aufgelisteten ­Vorhaben unbürokratisch realisiert werden. Die TGA-Redaktion hat den Koalitionsvertrag zu TGA-relevanten Themen ausgewertet und mit einer geänderten Gliederung zusammen­gefasst:

Klimaschutz

„Der Klimaschutz ist weltweit die herausragende umweltpolitische Herausforderung unserer Zeit. Er ist Vorsorge für eine langfristig tragfähige wirtschaftliche und ökologische Entwicklung. Wir sehen Klimaschutz zugleich als Wettbewerbsmotor für neue Technologien. Unser Ziel ist es, die Erderwärmung auf maximal 2 °C zu begrenzen und Deutschlands Vorreiterrolle beim Klimaschutz beizubehalten. International ist vereinbart, dass die Industriestaaten ihre Treibhausgas-Emissionen bis 2050 um mindestens 80 % reduzieren. Wir werden für Deutschland einen konkreten Entwicklungspfad festlegen und bekräftigen unser Ziel, die Treibhausgas-Emissionen bis 2020 um 40 % gegenüber 1990 zu senken.“ (Seite 25)

Energiepolitik

„Wir wollen eine ideologiefreie, technologieoffene und marktorientierte Energiepolitik. Diese umfasst alle Nutzungspfade (Strom, Wärme, Mobilität). Mehrfachbelastungen der gewerblichen Energieverbraucher sind durch eine bessere Abstimmung der energie- und klimapolitischen Instrumente zu vermeiden. Wir werden spätestens innerhalb des nächsten Jahres ein neues Energiekonzept vorlegen, das szenarienbezogen Leitlinien für eine saubere, zuverlässige und bezahlbare Energieversorgung formuliert.“ (Seite 26)

„Wir werden die Maßnahmen im Integrierten Energie- und Klimaprogramm [IEKP] 2010 auf ihre Wirksamkeit überprüfen und gegebenenfalls nachsteuern.“ (Seite 26) Anmerkung: Zum IEKP gehören auch die EnEV 2009 und das EEWärmeG.

„Bei den europäischen Verhandlungen zur ‚Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden’ werden wir auf Ausgewogenheit achten.“ (Seite 28)

Förderprogramme

„Wir werden das CO2-Gebäudesanierungsprogramm wirkungsvoller ausgestalten, um die derzeitige Sanierungsquote zu steigern. Die Hürden im Mietrecht für eine energetische Sanierung zum gemeinsamen Vorteil von Eigentümern und Mietern werden gesenkt, die bestehenden Möglichkeiten der gewerblichen Wärmelieferung (EnergieContracting) im Mietwohnungsbereich erweitert. Baumaßnahmen, die diesem Zweck dienen, sind zu dulden und sollen nicht zur Mietminderung berechtigen.“ (Seite 27)

„Das Marktanreizprogramm führen wir fort.“ (Seite 27)

Energieeffizienz

„Der weltweite Energieverbrauch wird in den nächsten Jahren drastisch zunehmen. Daher wollen wir durch marktorientierte und technologieoffene Rahmenbedingungen, die stärker auf Anreiz und Verbraucherinformation und weniger auf Zwang setzen, die enormen Potenziale im Bereich Energieeffizienz heben. Hierzu zählen insbesondere: die marktwirtschaftliche 1:1-Umsetzung der Energiedienstleistungsrichtlinie, die Stärkung der Energiekompetenz der Verbraucher etwa durch unbürokratische Kennzeichnung des Energieverbrauchs bei energierelevanten Produkten, eine Energieinitiative Mittelstand (Investitionsanreize durch Änderungen im Mietrecht und im Energiecontracting, Fortsetzung der Programme zur ­Energieberatung, kostenneutrale Vereinfachung der Fördermodelle in der Gebäudesanierung).“ (Seite 28)

„Wir werden die Informationen des Ver­brauchers zu langlebigen Wirtschaftsgütern bezüglich des Energie- und Wasserverbrauchs, u.a. durch intelligente Stromzähler sowie die Transparenz bei der Festlegung der Preise verbessern.“ (Seite 47)

Erneuerbare Energien

„Wir werden die erneuerbaren Energien konsequent ausbauen und die Energieeffizienz weiter erhöhen. Ziel ist es, dass die erneuerbaren Energien den Hauptanteil an der Energieversorgung übernehmen. Auf diesem Weg werden in einem dynamischen Energiemix die konventionellen Ener­gieträger kontinuierlich durch alternative Ener­gien ersetzt.“ (Seite 27)

„Dazu werden wir den Ausbau der erneuerbaren Energien entsprechend den bestehenden Zielvorgaben weiter fördern, das EEG sowie den unbegrenzten Einspeisevorrang erhalten sowie zugleich die Förderung wirtschaftlicher und Einspeisung effizienter gestalten. Unser Ziel ist es, die erneuerbaren Energien so schnell wie möglich markt- und speicherfähig zu machen. Über- oder Unterförderungen sind zu vermeiden.“ (Seite 27)

„Wir werden mit Wirkung zum 1. Januar 2012 eine EEG-Novelle auf den Weg bringen, die die Wettbewerbsfähigkeit der jeweiligen Technologie wahrt. Wir wollen bei der Biomasse-Verstromung organische Reststoffe gegenüber nachwachsenden Rohstoffen stärker gewichten [...]. Für virtuelle Kraftwerke, die eine gleichmäßige Versorgung mit erneuerbaren Energien gewährleisten, soll ein Stetigkeitsbonus eingeführt werden.“ (Seite 27)

„Wir bekennen uns zur Solarenergie als wichtige Zukunftstechnologie am Standort Deutschland. Wir werden mit einer Anhörung in den Dialog mit der Solar-Branche und Verbraucherorganisationen treten, mit welchen Anpassungen kurzfristig Überförderungen bei der Photovoltaik vermieden werden können.“ (Seite 27)

Biomasse

„Wir werden die Bedingungen für die Biogas-Einspeisung im Erneuerbare-Wärme-Gesetz verbessern.“ (Seite 27)

„Wir werden den Anbau und die Verwertung von nachwachsenden Rohstoffen unter Berücksichtigung der Bestimmungen der Nachhaltigkeitsverordnungen unterstützen, ohne die Ernährungssicherheit zu gefährden.“ (Seite 33)

„Gleichzeitig muss sich der Verkehrssektor auf den Abschied vom Zeitalter der fossilen Brennstoffe vorbereiten. Als kurzfristige Maßnahmen zur Verbesserung der Klimabilanz des Verkehrs setzen wir auf die Optimierung von fossilen Antriebstechnologien und die Förderung von innovativen Biokraftstoffen.“ (Seite 39)

„Zur weiteren Verbesserung der Luftqualität wollen wir die Schadstoffe bereits an der Quelle reduzieren – auch bei der nachhaltigen Nutzung von Biomasse. Dafür ist die zügige Verabschiedung der vorliegenden 1. BImSchV notwendig.“ (Seite 32)

Energieforschung

„Eine konzentrierte, technologieoffene und nachhaltige Energieforschung ist der Schlüssel auf dem Weg zu einer zukunftsfähigen Energieversorgung. Wir werden ein neues Energieforschungsprogramm mit Schwerpunkten in der Energieeffizienzforschung, den Speichertechnologien, intelligenter Netztechnik und Biokraftstoffen der zweiten Generation entwickeln.“ (Seite 30)

HOAI

„Die Honorarordnung für Architekten und ­Ingenieure (HOAI) wird auf der Grundlage des ­Bundesratsbeschlusses schnellstmöglich weiter modernisiert.“ (Seite 42) Über die geplante Reform der HOAI-Reform werden wir in der nächsten TGA-Ausgabe berichten.

Bewertung

Energie- und Klimapolitik „aus einem Guss“ bietet der Koalitionsvertrag – auch wegen der ­Versäumnisse in der Vergangenheit – nicht. Wie ernst die neue Bundesregierung dies nimmt, muss sie noch unter Beweis stellen. In der sechsseitigen Kurzfassung des Koalitionsvertrags finden sich die Ziele der Bundesregierung zum Klimaschutz und zu Energiefragen unter der Überschrift „Bewahrung der Schöpfung“. Klimaschutz ist danach existenziell. Eine Zielverfehlung darf es also nicht geben. Ob die anvisierten Ziele allerdings aus­reichend sind, ist umstritten. Folgt man den Berechnungen von Klimawissenschaftlern, fällt die klimatische Zukunft der Welt jedenfalls in die 17. Legislaturperiode. Eine Erderwärmung von maximal 2 °C sei nur noch abwendbar, wenn der CO2-Ausstoß in den nächsten fünf Jahren stabi­lisiert und dann deutlich zurückgeführt wird. ­Ansonsten ist das Emissionsbudget bis 2050 schon soweit aufgebraucht, dass die dann er­forderliche jährliche Emissionsminderung völlig unrealistisch erscheint. Jochen Vorländer

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