TGA Leitartikel

TGA Ausgabe 04-2015
Fracking-Gesetz

Bleiberecht für Schiefergas!

» Schiefergas beziehungsweise die zur Förderung geeignete Bohrmethode Fracking ist umstritten. Insbesondere eine Kontaminierung des Grundwassers wird befürchtet. Die eigentliche Herausforderung ist aber nicht die gefahrlose Förderung, sondern die übergeordnete Einsicht, Schiefergas nicht zu fördern.«

Ohne Zweifel – die Förderung von Schiefergas und -öl ist eine verlockende Option. Zumal die Entwicklung der Fördermenge in den USA schon beeindruckend ist. Zwar kommt in Deutschland von der signifikant gesteigerten Produktion physikalisch kaum etwas an – die Auswirkungen spüren wir jedoch: Die globalen Überkapazitäten haben den Ölpreis in den letzten Monaten ins Trudeln gebracht. Indirekte Auswirkungen gibt es auch beim Erdgas. Was die Verbraucher freut, macht der Branche allerdings zu schaffen, niedrige Energiepreise verringern den Modernisierungsdruck.

Die Förderung von Schiefergas mit der Fracking-Methode ist in Deutschland höchst umstritten, die Politik konnte sich bisher nicht auf neue gesetzliche Regelungen einigen. Und die aktuelle Studie der Energy Watch Group Fracking – eine Zwischenbilanz hat die Folgen von Fracking in den USA untersucht und warnt eindringlich vor dem Ausbau der Schiefergasförderung in Deutschland und Europa: „Die durch Fracking verursachten Kosten und Umweltschäden stehen in keinem Verhältnis zur Rohstoffgewinnung dieser Bohrmethode.“

Laut der Studie nimmt – neben Umweltzerstörungen, einem hohen Verbrauch von Grundwasser und dem großflächigen Sandabbau – die Verschuldung der Unternehmen aus der Fracking-Branche in den USA stetig zu. Der Preisverfall von Erdöl seit Herbst 2014 verbunden mit einer finanziellen Entwertung der Öl- und Gasreserven, habe viele Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten gebracht. Massenentlassungen sowie Insolvenzen zeigten ein völlig anderes Bild, als das des jahrelangen sicheren Aufschwunges der fossilen Wirtschaft.

In Deutschland gibt es vor allem Bedenken, dass die beim Fracking benutzten Chemikalien das Grundwasser kontaminieren könnten. Dass Fracking auch einen immensen Transportbedarf und eine Vielzahl an Bohrungen erfordert, wird bisher noch gar nicht thematisiert, würde aber vermutlich spätestens nach einer Freigabe und Anwendung der Bohrmethode zu massiven Bürgerprotesten führen.

Allerdings greifen alle diese Diskussionen das eigentliche Problem nicht. Die relevante Herausforderung ist nicht, fossile Brennstoffe in ausreichender Menge zu fördern, sondern Lösungen dafür zu finden, eine (für den Klimaschutz) ausreichende Menge fossiler Brennstoffe sicher im Untergrund zu verwahren. Denn einmal ans Tageslicht gebracht, führen sie unweigerlich zu CO2-Emissionen, die mit bisher verfügbaren und / oder politisch durchsetzbaren Methoden nicht wieder im geeigneten Maßstab aus der Atmosphäre entfernt und dauerhaft sicher verwahrt werden können.

Die Nichtförderung ist keine spezielle Herausforderung für Schiefergas, sondern betrifft alle fossilen Brennstoffe und steht bisher auch unterschwellig einem globalen Klimaabkommen im Weg. Denn viele Länder und ganze Regionen sind von der Öl-, Gas- und Kohle-Förderung wirtschaftlich abhängig. Konsequent wäre es deshalb, in Deutschland nicht an Gesetzen zu feilen, unter welchen Bedingungen und Auflagen die Förderung von Schiefergas mit Fracking hierzulande zugelassen werden kann, sondern demonstrativ ein „Bleiberecht“ für Schiefergas im Schiefer zu verabschieden.

Jochen Vorländer, Chefredakteur TGA Fachplaner vorlaender@tga-fachplaner.de · www.tga-fachplaner.de

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