TGA BIM

TGA Ausgabe 05-2015

Kulturwandel beim Bauen durch BIM „Es wird sich für alle Seiten etwas ändern“

Wie schnell kommt BIM? Die Prognosen dazu sind – je nach Interessenlage – ganz unterschiedlich. „Architekten wollen mit BIM im Moment noch nicht viel zu tun haben“, so die Eindrücke von Prof. van Treeck. Die meisten Architekten könnten oder wollen im Moment BIM-kompatible Pläne nicht anbieten. „Das Architektenmodell liefert nicht die Datenqualität für einen BIM-Planungsprozess“, ergänzt van Treeck.

Bis sich ein neues Rollenverständnis zwischen Architekt und den gewerkespezifischen Fachplanern herausgebildet hat, könne ein BIM-Manager die Modell-Koordination und das Änderungsmanagement übernehmen. Die Skepsis gegenüber einem unkritischen Einsatz der BIM-Planungsmethode ist jedoch gerechtfertigt, räumt van Treeck ein. Offen seien noch die Eigentumsfrage an dem Modell sowie die Haftung an der Korrektheit der Daten. Bei produktneutralen Ausschreibungen stelle sich außerdem die Frage der Produktneutralität, die es bei einer BIM-orientierten Ausschreibung nach dem jetzigen Stand praktisch nicht mehr gibt.

Für die Hersteller von Komponenten und Systemen stellt sich nicht nur die Frage nach den Kosten für die Produktdatenbank und die unterschiedlichen Übertragungsprotokolle (VDI 3805, Revit), sondern auch, wie viel fachliches und unternehmerisches Know-how durch die Verknüpfung von 3D-Modell, Produktdaten und Berechnungsmethoden offengelegt wird. Der Wert einfacher Objekte, etwa von Luftkanälen oder Luftleitungen, liege beispielsweise in der akustischen Berechnung, die ein Hersteller bei einer BIM-Ausschreibung offenlegen müsste, so ein Aussteller auf der ISH. Dieses firmenspezifische Know-how wäre bei einer BIM-Ausschreibung dann auch dem Wettbewerb zugänglich. Ein Vertreter eines großen Komponentenherstellers zum Autor: „Unsere Baukultur als Ganzes und die sehr spezifischen Strukturen in unserem Gewerk TGA lassen BIM im Moment in Deutschland noch nicht zu. Bauen ist bei uns ein sehr individueller Prozess, den man nicht einfach ändern kann.“

Für Martin Gräber, Chefredakteur Der Facility Manager, reimt sich der Einstieg seiner Branche in BIM so: „Richtig schlimm wird’s erst mit BIM.“ Aus Sicht der BIM-Protagonisten wird jedoch gerade die Betreiberphase in besonders hohem Maße vom BIM-Planungsprozess profitieren, sollte dieser einmal vollständig etabliert sein. Es gibt allerdings noch ein Problem, das die Einführung des BIM-Planungsprozesses hemmt: Der typisch deutsche Anspruch, alles zu 100 % perfekt umzusetzen. „Haben Sie Mut zur Lücke, Mut zu 80/20-Lösungen“, ermunterte van Treeck die Teilnehmer der BIM-Veranstaltung von Linear auf der ISH. Wolfgang Schmid

Inhaltsübersicht

  1. Teil: „Besser Mut zur Lücke statt 100 % Perfektion“
  2. Teil: Kulturwandel beim Bauen durch BIM „Es wird sich für alle Seiten etwas ändern“
  3. Teil: Wolfgang Schmid
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