TGA-Newsletter: 10-2009 | 25.06.2009

ENERGIE

BGR-Studie: Energierohstoffe 2009

Die Weltvorräte an Erdöl, Erdgas, Kohle und Uran sind ausreichend, um die Energieversorgung auch für die kommenden Jahrzehnte zu gewährleisten. Allerdings wird sich der Energiemix weltweit in dieser Zeit an neue Bedingungen anpassen müssen. Zu diesen Schlüssen kommen Experten der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in ihrer aktuellen Studie Energierohstoffe 2009.

Erdöl bald nicht mehr wichtigster Energieträger
In der im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) erstellten Studie werden weltweit die Reserven und Ressourcen, die Produktion sowie aktuelle Trends und technische Entwicklungen bei den nichterneuerbaren Energieträgern analysiert. Danach liefern Erdöl, Erdgas, Kohle und Uran heute mehr als 85% der Primärenergie für die Welt. „Diese Hauptlast der Versorgung können die vier großen Energieträger auch weiterhin tragen“, so BGR-Präsident Prof. Dr. Hans-Joachim Kümpel. „Allerdings rechnen wir damit, dass Erdöl mit einem aktuellen Anteil an der Primärenergie von einem Drittel seine Rolle als wichtigster Energieträger in den kommenden Jahrzehnten verlieren wird.“

Steigerung nur noch über nicht-konventionelle Erdölförderung
Grund für diese Aussage sind die Ergebnisse der im Rahmen der Studie durchgeführten Projektion der Erdölförderung bis ins Jahr 2050. Danach wird Erdöl der erste Energierohstoff sein, bei dem aufgrund der begrenzten Vorräte eine immer weiter steigende Produktion nicht mehr möglich sein wird. BGR-Energierohstoffexperte Prof. Dr. Bernhard Cramer dazu: „Bei Erdöl aus konventionellen Vorkommen erwarten wir nach unseren Berechnungen, dass schon in den kommenden Jahren ein Produktionsmaximum erreicht wird. Wenn wir aber alle Optionen optimal nutzen, könnte die Erdölförderung insgesamt - also auch aus nicht-konventionellen Quellen wie Ölsanden sowie durch eine bessere Entölung der Lagerstätten - bis etwa 2030 gesteigert werden.“ Nach dieser Projektion rechnet die BGR mit einer maximal möglichen Erdölförderung von etwa 4,7 Gigatonnen (Gt) pro Jahr. Derzeit werden jährlich knapp 4 Gt produziert.

Erdgas, Kohle und Uran noch für viele Jahrzehnte
Diese Entwicklung muss durch Energiesparen, durch erneuerbare Energien und durch Erdgas, Kohle und Uran abgefangen werden. Die Studie kommt zu der Aussage, dass die globale Verfügbarkeit an Erdgas, Kohle und Uran aus geologischer Sicht auf absehbare Zeit auch bei steigendem Verbrauch nicht gefährdet ist. „Gerade bei Kohle“, so der BGR-Präsident, „kann die weltweite Vorratssituation die Versorgung auch bei deutlicher Steigerung noch über viele Jahrzehnte sichern. Die hohen Energierohstoffpreise der vergangenen Jahre haben zu verstärkter Aktivität bei der Rohstofferkundung und damit zu einer wachsenden Ressourcenbasis insbesondere bei Kohle und Uran geführt.“

Gashydrat, Ölschiefer, Kohleverflüssigung, Geothermie
Die BGR-Studie betrachtet auch die mögliche Rolle von Alternativen zu den konventionellen Energierohstoffen. Hintergrund: In den vergangenen Jahren sind laut BGR weltweit Projekte angelaufen, die technische und wirtschaftliche Möglichkeiten einer breiten Gewinnung von Erdgas aus Gashydrat, von Erdöl aus Ölschiefer, aber auch der Kohleverflüssigung prüfen. Absehbar sei schon heute eine rasante Entwicklung bei der Nutzung geothermischer Energie. Ob diese Entwicklung der Geothermie auch in Deutschland möglich sein wird, werden Pilotvorhaben wie das gerade von der BGR gestartete Geothermieprojekt GeneSys zeigen. GeneSys soll den Gebäudekomplex des Geozentrums Hannover durch neue Konzepte wie das Ein-Bohrloch-Verfahren mithilfe von Erdwärme aus rund 4000 m Tiefe beheizen.

Anmerkung der TGA-Redaktion: Andere Studien zeichnen ein etwas anderes Bild und sehen die fossile Energiewirtschaft vor dem Scheitelpunkt. Darüber berichten wir in der aktuellen TGA-Ausgabe (kostenloses Probeheft anfordern). Daneben ist die Verfügbarkeitsbetrachtung nicht ausreichend, um energiepolitisch die Weichen richtig zu stellen. Eine aktuelle Studie renommierter Wissenschaftler warnt beispielsweise, dass weniger als ein Viertel der nachgewiesenen Vorkommen fossiler Brennstoffe bis zum Jahr 2050 noch verbrannt werden darf, wenn die globale Erwärmung auf 2°C begrenzt werden soll (siehe unten). ToR

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