TGA-Newsletter: 15-2009 | 23.10.2009

ANLAGENTECHNIK

Wingas sieht Erdgas bei Ökoeffizienz vorn

Cover der Wingas-Studie: „Die Ökoeffizienzanalyse. Moderne Heizsysteme im Vergleich.“ (Quelle: Wingas).
Cover der Wingas-Studie: „Die Ökoeffizienzanalyse. Moderne Heizsysteme im Vergleich.“
Das Energieunternehmen Wingas hat zehn Heizsysteme in einer Untersuchung der BASF einer Ökoeffizienzanalyse unterzogen. Basis für die Untersuchung war ein neu gebautes, freistehendes Einfamilienhaus, das einen Heizwärmebedarf für die Raumheizung von 50 kWh/(m2a) und einen Wärmebedarf für die Trinkwassererwärmung von 12,5 kWh/( m2a) aufweist und die Anforderungen des Erneuerbare-Energien-Wärmegesetzes (EEWärmeG) erfüllt.

„Erdgas betriebene Heizsysteme liegen vorn“
Die Ergebnisse werden in der Branche für Diskussionen sorgen: Denn nicht nur „Heizöl-Brennwert mit Solar“ schneidet schlecht ab, auch dem Scheitholz- und dem Pellet-Heizkessel wird von der Studie eine schlechtere Ökoeffizienz bescheinigt. Wingas: „Die mit Erdgas betriebenen Heizsysteme liegen […] vorn. Neben der Nahwärmeversorgung mit Blockheizkraftwerk (Erdgas-BHKW) ging der Erdgas-Brennwertheizkessel in Verbindung mit Solarkollektoren zur Trinkwassererwärmung als Sieger aus der TÜV-zertifizierten Studie hervor.“

Ökoeffizienzanalyse
Bei der Ökoeffizienzanalyse wurden die Anlagen und Herstellungsverfahren unter ökonomischen wie ökologischen Gesichtspunkten untersucht. In der Heizungsbranche ist das zwar noch nicht üblich, durch politischen Druck aber eventuell schon bald Vorschrift. Dann spielt nicht nur der Energieverbrauch der Anlage während seiner Nutzung eine Rolle, sondern auch der Rohstoffverbrauch bei deren Herstellung, der Ausstoß von Schadstoffen und die bei der Nutzung entstehenden Risiken für Mensch und Umwelt. Auf ökonomischer Seite sind Kriterien wie die Nutzungsgrade bei der Energieumwandlung, Anschaffungsinvestitionen sowie Kosten für Wartung und Pflege von Bedeutung. Untersucht wurden:

  1. Erdgas-Brennwertkessel als Dachheizzentrale, kombiniert mit Solarkollektoren für die Trinkwassererwärmung.
  2. Heizöl-Brennwertkessel als Kellerzentrale, kombiniert mit Solarkollektoren für die Trinkwassererwärmung.
  3. Scheitholz-Kessel als Kellerzentrale.
  4. Holzpellet-Kessel mit automatischer Beschickung als Kellerzentrale.
  5. Strom-Wärmepumpe (Sole/Wasser).
  6. Strom-Wärmepumpe (Luft–Wasser).
  7. Mikro-KWK-Anlage mit Erdgas-Stirlingmotor.
  8. Mikro-KWK-Anlage mit PEM (Proton Exchange Membrane)
  9. Mikro-KWK-Anlage mit SO (Solid Oxid) Brennstoffzelle.
  10. Nahwärmeversorgung mit Blockheizkraftwerk (BHKW).

„Gewinner und Verlierer“
In der grafischen Gegenüberstellung liegt die Elektro-Luft/Wasser-Wärmepumpe genau im Mittelpunkt, quasi als Referenz. Dicht daneben ist die Elektro-Sole/Wasser-Wärmepumpe eingeordnet. Die Wärmepumpen schneiden in puncto Umweltfreundlichkeit zwar ebenso gut ab wie der Erdgas-Brenwertheizkessel, fallen aber bei den Kosten hinter Erdgas zurück. Allen mit Erdgas betriebenen Heizsystemen bescheinigt die Studie eine höhere Ökoeffizienz. Zu den Gewinnern zählt sie auch Mikro-KWK-Anlagen mit Stirling-Motor und Brennstoffzelle (wozu deren Wirtschaftlichkeit aus heutiger Sicht bei zukünftiger Marktreife angesetzt wurde), obwohl diese Systeme bevor die energetischen Neubauanforderungen 2012 erneut abgesenkt werden, keine Marktbedeutung erlangen werden. Nicht so positiv fällt das Urteil für den Scheitholz-Kessel und den Holzpellet-Heizkessel, aus. Insbesondere der Holzpellet-Heizkessel verpasst laut der Studie wegen hoher Anschaffungskosten eine bessere Platzierung. Gänzlich abgeschlagen ist „aufgrund der hohen Umweltbelastung“ der Heizöl-Brennwertheizkessel. Download der Studie (PDF, 2000 KB).

Ökoeffizienz-Ergebnisse der Wingas-Studie. (Quelle: Wingas)
Ökoeffizienz-Ergebnisse der Wingas-Studie: Je geringer die Umweltbelastung eines Heizsystems ist, desto weiter oben positioniert es sich im Koordinatensystem. Je kostengünstiger es ist, desto weiter rechts steht es. Der Bestwert für die Ökoeffizienz ist oben rechts.


Kommentar der TGA-Redaktion
„Erdgas ist der attraktivste Energieträger“, folgert Wingas aus der Studie. So wie die Beispiele gewählt und berechnet wurden, stimmt dies sogar aus der häufig entscheidenden Kostensicht. Auch hier wurde das System „Erdgas-Brennwert mit Solar“ am besten positioniert. Andere Studien kommen bezüglich der Gesamtkosten allerdings zu abweichenden Ergebnissen. Weiterhin wurden in die Analyse noch nicht verfügbare, zukünftige Erdgas-Anwendungen einbezogen, gleichzeitig ließ man aber die „Wettbewerber“ mit im Neubau nur noch selten anzutreffenden Lösungen antreten. Doch bei allen Schwächen, die man der Studie unterstellen mag, leistet sie einen wichtigen Beitrag: Sie zeigt auf, dass wir schon bald mit neuen Bewertungskriterien bei der Gebäudeplanung auseinandersetzen werden. Je weiter der Energiebedarf eines Gebäudes gesenkt wird, desto wichtiger wird es, den Energie- und Ressourceneinsatz während der Entstehung zu berücksichtigen. Im Netto-Nullenergiegebäude, das die EU-Kommission bis 2019 etablieren will, bleibt er die einzige Stellschraube. ToR

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