TGA Leitartikel

TGA Ausgabe 08-2013
Kabel in Trinkwasserleitungen

Zu tief ins Rohr geschaut?

Zu tief ins Rohr geschaut?

Seit Monaten beschäftigt eine Idee aus Brüssel europaweit Fachleute mit Stellungnahmen: Um auf dem Land die Surfgeschwindigkeit im Internet zu erhöhen, möchte die EU Breitbandkabel durch vorhandene Versorgungstrassen legen – auch durch Trinkwasserleitungen.

Haarsträubend! Bei allen Chancen: Trinkwasser ist ein Lebensmittel – Telekommunikationsleitungen haben darin ohne Zweifel nichts zu suchen. Wem für diese Erkenntnis der gesunde­ Menschenverstand nicht ausreicht, sollte sich die nicht akzeptablen Risiken bewusst machen. So verweist die Trinkwasserkommission (TWK) beim Umweltbundesamt (UBA) darauf, dass an den zahl­reichen Kabel-Ein- und Austrittsstellen und bei ­Wartungsarbeiten Mikroorganismen, unter anderem auch Krankheitserreger, in die Trinkwasserleitung eindringen könnten. Die TWK rät daher davon ab, die Breitbandabdeckung über das Trinkwassernetz auszubauen.

„Selbst wenn die Daten-Kabelsysteme sterilisiert sind, besteht durch die zusätzlichen Bauarbeiten am Trinkwassernetz immer die Gefahr, dass Schmutz, Mikroorganismen und Krankheitserreger ins Trinkwasser gelangen. Insofern teilen wir die Auffassung der Trinkwasserkommission“, sagt UBAVizepräsident Thomas Holzmann. Das UBA weist auch darauf hin, dass zusätzliche Systeme innerhalb der Wasserleitungen zu einer größeren Oberfläche in der Leitung und zu schlechter durchströmten Bereichen führen. In diesen können Biofilme gedeihen, die in geringen Mengen kein Problem sind. In stärker ausgeprägten Biofilmen siedeln sich jedoch neben Bakterien und anderen Mikroorganismen gerne Wasserasseln und andere Kleintiere an, die dort Nahrung finden, warnt das UBA.

Dabei müssten sich die Autoren des „Vorschlag für eine Verordnung des Europäischen Parlaments und des ­Rates über Maßnahmen zur Reduzierung der Kosten des Ausbaus von Hochgeschwindigkeitsnetzen für die elektronische Kommunikation“ (vom 26. März 2013) eigentlich nur geltendes Recht anschauen, um die Abwegigkeit selbst zu erkennen. Aus der UBA-Stellungnahme: „Die EU-Trinkwasserrichtlinie selbst fordert, dass Verunreinigungen aus den Stoffen und Materialien, die zur Trinkwasserversorgung ­verwendet werden, nicht in Konzentrationen zurückbleiben dürfen, die höher sind als für ihren Verwendungszweck erforderlich. Verwendungszweck von Trinkwasserleitungen ist ausschließlich der Transport des Trinkwassers.“

Man kann damit die Diskussion beenden – und sich nur wundern, dass sie überhaupt geführt werden muss. Bleibt die Frage, ob man Telekommunikations­leitungen in Gasleitungen zulassen sollte. Nein, natürlich nicht! Da gibt es zwar kein hygienisches ­Risiko. Dafür zahlreiche sicherheitstechnische Be­denken. Zusammengefasst und veröffentlicht hat sie der DVGW.

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Jochen Vorländer, Chefredakteur TGA Fachplaner vorlaender@tga-fachplaner.de · http://www.tga-fachplaner.de

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