TGA Leitartikel

TGA Ausgabe 03-2018
Dekarbonisierung

F-Gase-Phase-down als Vorbild

» Der Wärmemarkt bewegt sich momentan kaum, die Motivation den Energieverbrauch durch Modernisieren zu senken ist zu gering und die Verbraucher haben Angst, auf die falsche Technik zu setzen. Festgelegte CO2-Mengen für die Wärmeträger könnten den Markt beleben. «

Das Ziel ist schon lange definiert, die Technik in der Breite verfügbar und dennoch springt die Wärmewende nicht an. Die teilweise üppigen Fördermittel für praktisch jede Lösung verfehlen ihre Wirkung, der größte Teil davon dürfte durch Mitnahmeeffekte verpuffen. Und was die GroKo zur Lösung des Sanierungsstaus im Heizungskeller vorgelegt hat, kann bestenfalls Berufsoptimisten begeistern. Letztendlich ist der Sanierungsdruck auch mit EnEV-Austauschzwang viel zu gering, um die CO2-Emissionen des Wärmemarkts herunterzufahren. Auch vergleichsweise niedrige Energiepreise bremsen die Motivation der Altanlagenbesitzer. Wenig förderlich ist bisher auch die vielfach eingeforderte Technologieoffenheit, weil daraus nur potenzielle Optionen, aber keine gesicherten Möglichkeiten abzuleiten sind.

Das Ziel für den Wärmemarkt ist, die Verwendung von Erdgas und Heizöl bis 2050 massiv herunterzufahren, für das 95-%-Szenario auf quasi Null. Technologieoffen bedeutet dies nicht, dass es dann keine Gas- und Öl-Heizungen mehr geben darf, sondern dass ihr Brennstoff gegenüber der Atmosphäre weitgehend oder vollkommen CO2-neutral sein muss. Technisch ist dies durch Power-to-x-Verfahren ohne Weiteres möglich. Und aktuelle Studien legen nahe, dass ein klimaneutraler Gebäudebestand ohne synthetische Brennstoffe in der verbleibenden Zeit bis 2050 unrealistisch ist.

Doch ein politischer Rahmen, der Vertrauen schaffen kann, fehlt bisher. Anleitung dafür könnte der F-Gase-Phase-down sein, indem man auf Basis eines Referenzjahres und eines Zielwerts für 2050 festlegt, welche CO2-Menge Gas und Öl für die Wärmeerzeugung (in Gebäuden) in jedem Jahr freisetzen dürfen. Die Lieferanten sind dann dafür verantwortlich, dass sie diese CO2-Mengen nicht überschreiten – durch die Beimischung von Power-to-X-Komponenten oder durch Anreize zur Verbrauchssenkung bei den Kunden, beispielsweise durch die Einkoppelung erneuerbarer Energien, Contracting und die Unterstützung bei der Sanierung. Handlungsspielraum könnte dadurch geboten werden, dass mehrere Jahre zusammen bilanziert respektive Unter- und Übererfüllungen vorgetragen werden dürfen.

Die Minderungskurve könnte beispielsweise so gestaltet werden, dass sie in den nächsten Jahren allein über eine beschleunigte Heizungsmodernisierung eingehalten werden kann (Mengenminderung), um parallel dazu die Power-to-X-Verfahren marktfähig zu machen. Später würden dann Power-to-X-Komponenten zunehmend den fossilen Anteil verdrängen.

Dazu wäre es notwendig, die Methodik auch auf den Strombereich zu übertragen. Der GroKo-Vertrag sieht hier vor, dass bis 2030 der Anteil erneuerbarer Energien bis auf 65 % steigen soll. Konsequenter wäre es, festzulegen, wie viel CO2 die Stromerzeugung 2030 und darüber hinaus freisetzen darf. Die Klimawirkung der Stromerzeugung wäre dann unabhängig von der Stromnachfrage. Auch der Verkehrssektor könnte mit der Methodik auf einen Minderungspfad gebracht werden.

Unterm Strich könnte sich die Politik auf ihre eigentliche Aufgabe der Rahmensetzung konzentrieren und der Wirtschaft wieder mehr Möglichkeiten und Planungssicherheit geben, die Klimaschutzziele im Wettbewerb und damit kosteneffizient zu erreichen. Technologieoffene, am Ziel ausgerichtete Förderprogramme und Steuervorteile würden sich damit nicht beißen.

Jochen Vorländer, Chefredakteur TGA Fachplaner vorlaender@tga-fachplaner.de · www.tga-fachplaner.de

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