TGA Interview

TGA Ausgabe 11-2018
Christoph Knepel von Baugrund Süd zu Erdwärmesonden-Anlagen:

„Alle notwendigen Regelwerke und Standards sind vorhanden“


1 Christoph Knepel: „Der Angebotsvergleich bei Erdwärmesonden-Anlagen ist nicht immer einfach. Häufig werden Äpfel mit Birnen verglichen.“

1  Christoph Knepel: „Der Angebotsvergleich bei Erdwärmesonden-Anlagen ist nicht immer einfach. Häufig werden Äpfel mit Birnen verglichen.“

Bei den Anbietern von Erdwärmesonden(EWS)-Anlagen herrscht Uneinigkeit darüber, ob Planer, SHK-Fachbetriebe, Behörden und Bohrunternehmen die bestehenden Regelwerke und Kontrollmechanismen auch durchgängig anwenden. Insbesondere die Anbieter von Systemen zur automatischen Abdichtungsüberwachung bemängeln die bislang geringe Bereitschaft der Branche, in Systeme und Ausbildung zur Qualitätssicherung am Bohrloch zu investieren. Selbst im LQS-EWS-Musterland Baden-Württemberg gebe es noch erheblichen Nach-holbedarf bei der Qualitätssicherung am Bohrloch, so der Tenor auf der zurückliegenden Kongressmesse Geotherm in Offenburg. Unser freier Mitarbeiter Wolfgang Schmid nahm die Presseveranstaltung des Bundesverbandes Geothermie in München zum Anlass, ein Interview mit Christoph Knepel, Geschäftsführer Baugrund Süd, zu diesem Sachverhalt zu führen.

Schmid: Eine Wärmepumpe mit der Wärmequelle Erdwärmesonde zu planen ist eine komplexe Angelegenheit, insbesondere wegen der Gewerkeschnittstellen. Bei wem sollte nach Ihren Erfahrungen die Gesamtverantwortung bei der Planung bzw. bei der Ausführung liegen?

Knepel: Die Errichtung einer Erdwärmeheizung ist – aus meiner Sicht – keine komplexe Angelegenheit mehr, da das Zusammenspiel zwischen Bohrunternehmen und Heizungsbauer in der Praxis nach meinen Erfahrungen inzwischen sehr gut funktioniert. Bewährt hat sich diese Vorgehensweise: Der Heizungsbauer ermittelt die erforderliche Heizleistung und das Bohrunternehmen stimmt daraufhin unter Berücksichtigung der geologischen Verhältnisse die Bohrtiefen auf den Wärmebedarf ab. Bei größeren Bauvorhaben führen wir im Vorfeld eine Probebohrung durch und messen die Untergrundeigenschaften. Hierbei erfolgt die Planung der Erdwärmesonden-Anlage dann in enger Abstimmung mit dem TGA-Planer.

Schmid: Welche Garantien sollte der Auftraggeber bei der Vergabe der EWS-Anlage einfordern und wie müssten diese in Bezug auf Funktion, Effizienz und Kostendeckelung formuliert werden?

Knepel: Hier kann ich nur für unser Unternehmen sprechen. Unsere Kunden erhalten ein transparentes Angebot mit allen Nebenleistungen; die Ausführung erfolgt nach dem neuesten Stand der Technik und die Effizienz ist durch eine Garantie gesichert. Das wissen unsere langjährigen Partner zu schätzen.

Das Thema Kostensicherheit ist für alle Bauherren ein sehr wichtiger Aspekt. Der Angebotsvergleich ist jedoch für den Endkunden nicht immer einfach, denn häufig werden hierbei Äpfel mit Birnen verglichen. Das Angebot sollte alle Nebenleistungen beinhalten, zum Beispiel die Entsorgung des Bohrgutes, und keinen Raum für unerwünschte Nachträge bieten. Hierauf sollte nicht nur in der Bohrbranche geachtet werden, sondern im gesamten Baugewerbe.

Bauherren entscheiden sich für eine Erdwärmepumpe aufgrund ihrer unvergleichbar hohen Effizienz. Eine Entscheidung für „Billig-Lösungen“ mit funktionalen Schwachstellen und geringer Gesamtenergieeffizienz wirkt sich langfristig negativ aus. Wir bieten unseren Kunden daher eine 10-jährige Garantie auf die Entzugsleistung und garantieren damit die geforderte und notwendige Effizienz.

Schmid: Wer trägt das Risiko für den Bau der EWS, für das funktionale Zusammenspiel von EWS, Wärmepumpe und Wärmenutzungs-Anlage und für das Erreichen der „geplanten Effizienz“ im praktischen Betrieb?

Knepel: In vielen Fällen erfolgt eine Beauftragung des gesamten EWS-Systems an einen SHK-Fachbetrieb. Dieser kooperiert mit einem Bohrunternehmen. In diesem Fall übernimmt der SHK-Fachbetrieb gegenüber dem Bauherrn die Gesamtverantwortung. Bei einer getrennten Beauftragung von Heizung und der Erschließung der Wärmequelle führt in der Regel ein Planer die Koordination der Bauausführung aus, welcher dann die Gesamtverantwortung trägt. Um Fachbetriebe beziehungsweise TGA-Planer und letztendlich den Bauherren abzusichern, bieten wir als Bohrunternehmen eine doppelte Versicherungslösung an – eine Haftpflichtversicherung und eine verschuldensunabhängige Versicherung.

Schmid: Kürzlich kritisierte ein bekanntes Bohrunternehmen aus Baden-Württemberg auf der Fachveranstaltung Geotherm den laxen Umgang der Kollegen mit der Qualitätskontrolle am Bohrloch, sprich die Einhaltung der Leitlinien Qualitätssicherung Erdwärmesonden, LQS EWS. Zu viele schwarze Schafe seien in dieser Branche unterwegs. Wie sind Ihre Erfahrungen?

Knepel: Ich möchte mir kein derartiges Urteil über meine Kollegen erlauben. Fakt ist, dass ein enges Regelnetzwerk die Ausführung von Bohrarbeiten in Deutschland klar definiert. Hierzu zählen Richtlinien wie VDI 4640 „Thermische Nutzung des Untergrunds“ sowie Gesetze, wie das Wasserhaushaltsgesetz und das Bundesberggesetz. Auch die Ausbildung der Bohrgeräteführer ist exakt definiert und erfolgt nach einem fundierten Ausbildungsplan.

Bei uns wird ein aktives und intensives Qualitätsmanagement mit entsprechender Überwachung großgeschrieben. Wir garantieren Qualität und verantwortungsvolles Arbeiten durch qualifiziertes Fachpersonal, hochwertige Technik, Qualitätsüberwachung und einen hohen Versicherungsschutz. Unsere Zertifizierung nach DVGW W 120-2 gilt als Nachweis unserer Fachkunde, Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit.

Durch die jetzt vorliegenden Regelwerke mit Qualitäts- und Effizienzvorgaben leisten Erdwärmepumpen einen massiven Beitrag zur Energiewende; ihr Potenzial kann und muss jedoch bedeutend mehr genutzt werden. Beispielsweise zeigt die Potenzialstudie des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW, dass durch oberflächennahe Geothermie mehr als 50 % des Wärmebedarfs des dicht besiedelten und bevölkerungsreichsten Bundeslands bereitgestellt werden könnte.

Schmid: Einige Bohrunternehmen in Baden-Württemberg bezweifeln, dass die LQS EWS flächendeckend durchsetzbar ist. Sind die Behörden in der Lage und willens, die Bohrunternehmen zu überprüfen?

Knepel: Eine wesentliche Säule der LQS EWS ist der Sachverständige. In Gebieten mit schwierigen geologischen und hydrogeologischen Verhältnissen hat eine externe und unabhängige Überwachung gezielt zu den wichtigsten Arbeitsschritten zu erfolgen. Ein vergleichbares Modell zu Baden-Württemberg wird im Übrigen seit Jahren in Bayern umgesetzt.

Diese Vorgehensweise schafft Sicherheit und entlastet die Behörden. Dennoch erachte ich es als sehr wichtig, dass alle Behördenvertreter gleichfalls geschult und regelmäßig über den Stand der Technik informiert werden. In der Praxis sind eine gute und konstruktive Zusammenarbeit sowie ein regelmäßiger Austausch zwischen Behörden und Bohrunternehmen zu beobachten, so zumindest mein Eindruck.

Schmid: Welche anderen Verfahren empfehlen Sie zur Qualitäts- und Leistungssicherung von EWS?

Knepel: Alle notwendigen Regelwerke und Standards zur Qualitäts- und Leistungssicherung sind vorhanden, weshalb wir keine neuen Verfahren benötigen. Unsere Branche hat sich besonders in den letzten Jahren weiterentwickelt und Verfahrensweisen sowie Baustoffe entwickelt, die die Herstellung von Erdsonden noch sicherer machen.

Die Zertifizierung der Bohrunternehmen nach dem DVGW-Arbeitsblatt W 120-2 erfolgt durch die akkreditierten Zertifizierungsunternehmen „Zertifizierung Bau“ und die „DVGW CERT“. Hier sind die Anforderungen an die Qualitätssicherung und an die Qualifikation des Personals verankert. In den letzten Jahren wurde noch detaillierter auf spezifische Anforderungen der Geothermie eingegangen. Das Arbeitsblatt wird regelmäßig überarbeitet, eine letzte Aktualisierung erfolgte im Juli 2013. An den Regelwerken kann es also nicht liegen, wenn es zu Schludrigkeiten kommt. Bedauerlicherweise müssen wir aber immer noch gegen alte Vorurteile ankämpfen.

Schmid: Die Qualitätssicherung von EWS ist bisher Ländersache. Dr. Claus Heske vom Bundesverband Geothermie präsentierte in seinem Vortrag eine Folie mit einem Hinweis auf 17 länderspezifische Leitfäden. Brauchen wir eine bundesweite LQS EWS? Was wäre die Alternative, damit wir in Deutschland einheitliche Qualitätsanforderungen für EWS bekommen?

Knepel: In Kürze wird die VDI-Richtlinie 4640 Blatt 2 als nationales Regelwerk veröffentlicht. Auf europäischer Ebene wurde ein technisches Komitee zur Entwicklung von CEN-Normen für Geothermie und Brunnenbau eingerichtet. Dennoch ist traditionell das Wasserrecht Ländersache. Ich gehe aber davon aus, dass viele Bundesländer sich bei der Überarbeitung ihrer Regelwerke an den Vorschriften des LQS EWS aus Baden-Württemberg orientieren werden.

Auch entsprechende Vorgaben bei Fördermaßnahmen, beispielsweise durch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, setzen deutschlandweit Qualitätsstandards, das heißt, Erdwärmesondenbohrungen werden über die Bundesprogramme nur gefördert, wenn das ausführende Unternehmen nach dem DVGW-Arbeitsblatt W 120-2 zertifiziert ist und ein verschuldensunabhängiger Versicherungsschutz besteht. Erdwärmearbeiten sind eines der wenigen Gewerke, die einen doppelten und derart hohen Versicherungsschutz bieten.

Schmid: Auf einschlägigen Veranstaltungen heißt es oft: Je mehr EWS abgeteuft werden, desto mehr beeinflussen sich die EWS gegenseitig. Wie kann ein Bauherr sichergehen, dass seine EWS auch in 50 oder 80 Jahren noch ihre Leistung bringt?

Knepel: Diese Bedenken teile ich nicht. Jedes Projekt muss natürlich einzeln betrachtet werden. Wichtig sind eine gute und sachgerechte Planung, eine sorgfältige Errichtung der Erdwärmesonde sowie eine nachhaltige Bewirtschaftung des Erdreichs. Dann findet auch keine gegenseitige Beeinflussung statt. Natürlich müssen die in den Richtlinien festgelegten EWS-Abstände zu Nachbargrundstücken eingehalten werden.

Schmid: Herr Knepel, vielen Dank für das Gespräch.

Inhaltsübersicht

  1. Teil: „Alle notwendigen Regelwerke und Standards sind vorhanden“
  2. Teil: Vita
  3. Teil: Baugrund Süd
  • 2  Trotz umfangreicher Regelwerke rund um Erdwärmesonden ist die Vergabe einer EWS-Anlage Vertrauenssache. TGA-Planer, SHK-Fachbetriebe und Bauherren sollten sich nicht allein am Preis, sondern an der Gesamtlösung eines Bohrunternehmens orientieren.

  • 3  Laut Bundesverband Geothermie gibt es in Deutschland 17 landesspezifische EWS-Leitfäden. Christoph Knepel: „Es besteht Hoffnung, dass sich die Bundesländer bei der Überarbeitung ihrer Regelwerke am LQS EWS aus Baden-Württemberg orientieren werden.“

  • 4  Erdwärmesondenbohrungen werden über die Bundesprogramme nur gefördert, wenn das ausführende Unternehmen nach DVGW-Arbeitsblatt W 120-2 zertifiziert ist und ein verschuldensunabhängiger Versicherungsschutz besteht.

  • 5  Christoph Knepel: „Das DVGW-Arbeitsblatt W 120-2 wird regelmäßig überarbeitet, eine letzte Aktualisierung erfolgte im Juli 2013. An den Regelwerken kann es also nicht liegen, wenn es zu Schludrigkeiten kommt. Bedauerlicherweise müssen wir aber immer noch gegen alte Vorurteile ankämpfen.“

Baugrund Süd

Dr. Heske, Bundesverband Geothermie

Wolfgang Schmid

Wolfgang Schmid

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