Der Artikel kompakt zusammengefasst
■ Wenn es trotz aller vorbeugenden Maßnahmen doch einmal in einem Krankenhaus brennt, sind für die sofortigen und langfristigen Folgen auch viele Entscheidungen aus der Planungs- und Bauphase relevant.
■ Beim größten Neubau des Berner Inselspitals wurde deshalb für die kältetechnischen Anlagen ein Dämmstoff von Armacell mit geringer Rauchdichte im Brandfall eingesetzt. Das verlängert die Evakuationszeit.
Pascal Gugler / Insel Gruppe
Brandsicherheit hat in Krankenhäusern allerhöchste Priorität. Gleichzeitig müssen die für die Technische Gebäudeausrüstung erforderlichen Bauteile eine Vielzahl an Anforderungen erfüllen. Im Hauptgebäude des Berner Inselspitals wurde deshalb bei allen kältetechnischen Anlageteilen ein elastomerer Dämmstoff eingesetzt, der im Brandfall zehnmal weniger Rauch als herkömmliche Elastomerprodukte freisetzt.
Die Arbeitsabläufe von rund 11.000 Mitarbeitenden zur Versorgung von jährlich etwa 59.000 stationär aufgenommenen Patienten effizient zu gestalten, ist eine hochkomplexe Aufgabe. Im Anna-Seiler-Haus, dem neuen Herzstück des renommierten Inselspitals in Bern, wurde sie erfolgreich gelöst. Im mehrgeschossigen Sockel befinden sich Untersuchungs- und Behandlungsräume, zwei 63 m hohe Türme beherbergen Patientenzimmer und Büros. Ein Technikgeschoss zwischen Sockel und Türmen bietet Platz für die umfangreiche Gebäudetechnik.
Pascal Gugler / Insel Gruppe
Qualitätsgesicherte Gebäudetechnik
Mit dem Anna-Seiler-Haus, das das alte Bettenhochhaus als Hauptgebäude ablöst, verfügen Stadt und Kanton Bern jetzt über eines der modernsten und attraktivsten Spitalgebäude der Schweiz. Fast zehn Jahre lang planten und bauten Fachleute am neuen Gebäude. Der Entwurf des nach Anna Seiler, Stifterin des Inselspitals, benannten Gebäudes stammt von Archipel, einem Zusammenschluss aus den Büros ASTOC Architects & Planners, Köln, GWJ Architekten, Bern, und IAAG Architekten, Bern. Für die Planung der Heizungs-, Lüftungs-, Klima- und Kältetechnik, Gebäudeautomation sowie Fachkoordination zeichnet das Ingenieurbüro Amstein + Walthert, Bern, verantwortlich.
Zur Steigerung der Effizienz in der Bauausführung und Informationsgenerierung für den Betrieb setzten die Planer auf BIM. Sämtliche Komponenten der Gebäudetechnik wurden im Modell abgebildet und dank der Detailtiefe konnte exakt so gebaut werden, wie geplant wurde. Zudem wurden die aktuellen Werte der Gebäudeautomation für Prüfungen und Betrieb mit dem BIM-Modell verknüpft. Für die Qualitätssicherung der Gebäudetechnik setzte Amstein + Walthert das selbst entwickelte Digitale Testsystem DTS ein. Der softwarebasierte Service prüft zyklisch Live-Gebäudetechnikdaten von Heizungs-, Kälte-, Lüftungs-, Sanitär- oder Raumautomationsanlagen auf deren Funktion und Stabilität. Fehlfunktionen werden umgehend erkannt und können direkt behoben werden.
Pascal Gugler / Insel Gruppe
Höchste Umweltstandards
Das Anna-Seiler-Haus ist das erste Krankenhaus dieser Größe und Komplexität, das nach der Schweizer Zertifizierung Minergie-P-Eco gebaut wurde. Über die Anforderungen des Schweizer Passivhaus-Standards hinausgehend, sind Minergie-P-Eco zertifizierte Gebäude besonders gesund, kreislauffähig und ökologisch. Im Vergleich zum Minergie-Standard wird die Gebäudehülle einem Luftdichtheitstest unterzogen, um eine maximale Energieeffizienz und ein perfektes Innenraumklima zu gewährleisten.
Pascal Gugler / Insel Gruppe
Entscheidend für die Zertifizierung sind ein flexibles Gebäudekonzept sowie der Einsatz von Materialien, die gesundheitlich unbedenklich sind und über den gesamten Lebenszyklus nur minimale Umweltauswirkungen generieren. Das Inselspital hat dafür 2016 eigens eine Fachgruppe gebildet, in der Planer, Betreiber und Facility-Management gemeinsam festlegten, welche Materialien für welche Zwecke eingesetzt werden sollten.
Insgesamt benötigt das neue Gebäude ein Lüftungsvolumen von 420.000 m3/h. Zur Klimatisierung der Räume und Kühlung der Apparaturen wurden maßgeschneiderte Kältemaschinen von CTA, Münsingen, eingesetzt. Die drei Kältemaschinen mit einer Gesamtleistung von 4 MW gewährleisten die Kälteversorgung im gesamten Gebäude. Sie arbeiten mit dem HFO-Kältemittel R-1234ze.
Keine Kompromisse beim Brandschutz
Um Krankenhäuser zu einem sicheren Ort für Patienten, Besucher und Mitarbeitende zu machen, ist es wichtig, alle verfügbaren Maßnahmen zu ergreifen, um das Risiko von Brandschäden zu minimieren. Brände in Krankenhäusern sind selten, ihre Folgen können jedoch verheerend sein. Bei einem Brandausbruch ist die Gefährdung von Leben und Gesundheit in einem Spital deutlich höher als in anderen öffentlichen Gebäuden. Die komplexen, stark frequentierten Einrichtungen beherbergen schutzbedürftige Personen, von denen viele in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. Das Verhältnis zwischen Personal und Patienten kann für eine rasche Evakuierung während eines Brandes unzureichend sein, so dass Menschenleben in Gefahr sind.
Zudem verursachen Schäden an medizinischen Geräten schnell Kosten in Millionenhöhe. Ganze Stationen können über Monate ausfallen. Im schlimmsten Fall kann die komplette Funktionsfähigkeit auf dem Spiel stehen und die medizinische Versorgung des Einzugsbereichs gefährdet werden. Die Brandsicherheit besitzt bei der Planung deshalb höchste Priorität.
Raucharme Dämmstoffe
Zur Isolierung der Kälteanlagen in allen Bereichen des Inselspitals hat die Bauherrschaft daher auf den raucharmen Dämmstoff ArmaFlex Ultima gesetzt. Im Falle eines Brandes entwickelt das mit BL-s1,d0 klassifizierte ArmaFlex Ultima zehnmal weniger Rauch als ein Standard-Elastomerprodukt und ist damit die sicherste Lösung für die Dämmung kältetechnischer Anlagen. Der Dämmstoff basiert auf der ArmaPrene-Technologie (siehe Info-Kasten), welche die Sichtbarkeit im Brandfall verbessert und so die Evakuierungszeit verlängert. Wenn, wie im Fall von Krankenhäusern nicht selbstständig fluchtfähige Personen gerettet werden müssen, ist eine längere Evakuierungszeit entscheidend, um eine Fremdrettung zu ermöglichen.
Pascal Gugler / Insel Gruppe
Zur Vermeidung von Tauwasserbildung und Energieverlusten setzte das Isolierunternehmen Lambda Dämmtechnik, Bern, 19 mm dicke ArmaFlex-Ultima-Schläuche auf Kälteleitungen mit Durchmessern von DN 10 bis DN 65 ein. Größere Rohrdurchmesser wurden mit 32 mm dicken Schläuchen gedämmt und ab DN 125 verwendeten die Isolierer ArmaFlex-Ultima-Platten mit einer Wandstärke von 32 mm. Fast drei Jahre lang waren in der Regel vier Mitarbeiter auf der Baustelle tätig. In Spitzenzeiten waren bis zu zehn Kollegen damit beschäftigt, die insgesamt 51.840 m ArmaFlex-Ultima-Schläuche und rund 7890 m2 ArmaFlex-Ultima-Platten zu installieren. Nach neun Jahren Planungs- und Bauzeit öffnete Ende 2024 das neue Hauptgebäude des Inselspitals Bern seine Pforten.
Hier erfahren Sie mehr über das Projekt: youtu.be/pk9cNjb9Jyg
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Kontakt
Armacell
48153 Münster
Telefon (02 51) 7 60 30
info.de@armacell.com
www.armacell.de
ArmaPrene
Herkömmliche Elastomerprodukte, die bromierte Flammschutzmittel enthalten, hemmen die Verbrennung bei Bränden zwar effektiv, neigen jedoch zu einer starken Rauchentwicklung. ArmaPrene löst diesen Konflikt: Durch die Entwicklung intrinsisch flammhemmender Polymere und die Verwendung von ablativen Schutzadditiven macht die patentierte Technologie den Einsatz von bromierten Flammschutzmitteln, Antimon und PVC überflüssig. Als erster flexibler technischer Dämmstoff erreicht ArmaFlex Ultima die Euroklasse BL-s1,d0, die beste Brandklasse für organische Materialien für eine höhere Sicherheit im Brandfall. Rauchgase richten oft einen größeren Schaden als das Feuer selbst an und die Folgeschäden durch Ruß und korrosive Gase belaufen sich bei Großschäden häufig auf über 50 % der Gesamtkosten.
Dämmstoffe auf der Basis von ArmaPrene sind einer der einfachsten, schnellsten und kostengünstigsten Wege, die Energieeffizienz ganzer Anlagen zu steigern und erfüllen die strengsten Umwelt- und Gesundheitskriterien u. a. von LEED, BREEAM, DGNB und WELL. Gleichzeitig reduziert die Technologie den Energie- und Ressourcenverbrauch im Herstellungsprozess und die wichtigsten Rohstoffe können lokal bezogen werden. Durch den Verzicht von Antimon, Brom und PVC verbessern ArmaPrene-Dämmstoffe die End-of-Life-Szenarien. www.armacell.com