Udo Geisler
Bei einem Viega-Fachforum haben sich Fachleute über den Neubau von Rechenzentren und u. a. deren Potenzial hinsichtlich Abwärmenutzung diskutiert.
Rund 130 Fachleute haben sich am 27. Oktober 2026 bei einem Fachforum von Viega und PISA über den Neubau von Rechenzentren ausgetauscht. Im Mittelpunkt standen die Nutzung der Abwärme in kommunalen Nahwärmenetzen, der Einfluss internationaler Standards und die Kühlung über wassergeführte Systeme. Viega sieht in dem Segment Entwicklungspotenzial für die Baubranche, aber auch neue Anforderungen an die Zusammenarbeit der Projektbeteiligten.
Die Veranstaltung fand im Seminarcenter „Viega World“ statt. Unter den Teilnehmenden waren Entwickler und Planer, Betreiber, Investoren, Projektentwickler, Bauträger, Energieversorger, Fachhandwerksunternehmer und Kommunalvertreter. Zunächst ging es um Marktentwicklungen und um die Frage, wie alle beteiligten Interessengruppen frühzeitig zusammenarbeiten können. Anschließend standen die konkrete Umsetzung und die Marktpotenziale für die Baubranche im Vordergrund.
Wassergeführte Systeme sollen hohe Wärmelasten abführen
Das Themenspektrum reichte von der Einbindung der Abwärme aus Rechenzentren in kommunale Nahwärmenetze bis zum Einfluss internationaler Standards auf Planung, Vergabe und Projektabwicklung. Ein weiterer Schwerpunkt waren die projektspezifischen Anforderungen an die Technische Gebäudeausrüstung (TGA). Dazu zählte insbesondere die energieeffiziente Kühlung über wassergeführte Systeme. Sie soll die hohen Wärmelasten zuverlässig abführen, die beim Betrieb der Großrechner entstehen.
Europäischer Markt soll bis 2031 deutlich wachsen
Viega verweist zur Einordnung auf das wachsende Datenaufkommen. Nach Angaben des RND werden pro Minute über 69 Mio. E-Mails verschickt. Der globale Datenstrom über das Internet liegt laut der Pressemitteilung bei etwa 25.000 bis 30.000 Terabit pro Sekunde. In Deutschland sind demnach rund 100 neue Rechenzentren im Bau oder in Planung.
Das Marktforschungsunternehmen Mordor Intelligence schätzte das Volumen des europäischen Marktes für Rechenzentren im Jahr 2025 auf etwa 52 Mrd. US-Dollar. Bis 2031 erwartet es einen Anstieg auf rund 109 Mrd. US-Dollar. Deutschland liegt mit einem Anteil von aktuell etwa 15 % an der Spitze.
Viega sieht Bedarf an anderen Planungsprozessen
Für die derzeit eher schwache Baubranche biete der Bedarf an Rechenzentren viel Entwicklungspotenzial, heißt es in der Mitteilung. Dr. Axel Busch, Chief Commercial Officer (CCO) Europe, verwies beim Fachforum zugleich auf die damit verbundenen Herausforderungen: „Gerade mit Blick auf den Energiebedarf der Rechenzentren und ihre durch die Rechenleistung entstehende Abwärme brauchen wir von der Planung bis in die Betriebsphase hinein ganz andere kollaborative Prozesse als bei den gängigen Industriebauten. Nur so lassen sich die Chancen und Risiken dieser Großprojekte umfassend abbilden. Das Fachforum hat deutlich gemacht, wie wichtig hier unter anderem die frühzeitige und enge Einbindung aller Stakeholder ist.“
Im Anschluss an den offiziellen Teil konnten sich die Teilnehmenden bei einem „Connect2gether“ vertiefend zu speziellen Fragen austauschen. Viega will nach Angaben von Key Account Manager Jonas Kreis auch künftig Fachveranstaltungen zu den Entwicklungen im Bauwesen anbieten. ■
Quelle: Viega / ml