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Umfrage

SHK: Auftragsreichweite wächst, politische Verunsicherung bleibt

FV SHK-BW

Die Auftragsreichweite im Heizungs- und Lüftungsbereich ist in Baden-Württemberg deutlich gestiegen. Politische Unsicherheit bleibt laut einer Konjunkturumfrage das größte Hemmnis für die Wärmewende.

Der Fachverband Sanitär-Heizung-Klima Baden-Württemberg (FV SHK-BW) hat im Juli 2026 seine quartalsweise Konjunkturumfrage unter Mitgliedsbetrieben durchgeführt. 221 der rund 3.000 Mitgliedsbetriebe haben sich beteiligt. Die Ergebnisse zeigen eine spürbare Erholung der Auftragslage – aber auch strukturelle Risiken durch politische Eingriffe.

Auftragsreichweite steigt auf 12,2 Wochen

Im Heizungs- und Lüftungsbereich reichen die Aufträge der befragten Betriebe derzeit 12,2 Wochen weit. Vor einem halben Jahr lag dieser Wert noch bei 8,1 Wochen. Auch in den Bereichen Sanitär und Klempnerei liegen die Werte über dem Vorjahresniveau. Weniger als zwei Prozent der Betriebe melden Kurzarbeit.

Die Geschäftserwartungen hellen sich leicht auf: Rund 17 Prozent der Betriebe rechnen mit besseren Geschäften – im Vorjahr waren es 11 Prozent. Etwa 23 Prozent erwarten eine Verschlechterung. Das Niveau der Jahre vor der Corona-Pandemie erreicht die Branche damit noch nicht.

Wolfgang Becker, Hauptgeschäftsführer des FV SHK-BW, erklärt die Entwicklung so: „Die Menschen sind inzwischen schlauer als die Politik. Sie lassen sich nicht mehr kirre machen. Wer heute eine Heizung benötigt, entscheidet sich zunehmend unabhängig davon, was gerade in Berlin diskutiert wird – und das ist meistens die richtige Entscheidung: eine zukunftsfähige Heizung." In den meisten Gebäuden sei dies die Wärmepumpe, in Einzelfällen Biomasse.

FV SHK-BW

Politisches Hin und Her bremst die Wärmewende

68 Prozent der Betriebe sehen im politischen Hin und Her das größte Risiko für ihr Geschäft – im Vorjahr waren es knapp 64 Prozent. Mit weitem Abstand folgt die wirtschaftliche Lage der Kunden mit knapp 18 Prozent.

Grundsätzliche Vorbehalte der Kunden gegen neue Heiztechnik nennen nur noch 6,5 Prozent als größtes Risiko. Vor einem Jahr war dieser Anteil fast doppelt so hoch. Becker resümiert: „Die Wärmepumpe ist in den Häusern angekommen. Der Streit darüber findet nur noch in der Politik statt, nicht mehr am Küchentisch."

Auch Fachkräfte- und Materialengpässe spielen kaum eine Rolle: Nicht einmal acht Prozent der Betriebe nennen einen Fachkräftemangel als größtes Risiko. Fehlende oder ungeeignete Produkte nannte kein einziger Betrieb. „Unsere Betriebe haben die Leute, sie haben das Material, und sie haben die Erfahrung. Wer jetzt beauftragt, bekommt seine Heizung zeitnah", sagt Becker.

Förderstopp trifft Betriebe und Kunden hart

Wie stark politische Kurzschlusshandlungen wirken, zeigt die Umfrage am Beispiel des Förderstopps im Juli. Die Bundesregierung hatte die Heizungsförderung über Nacht ausgesetzt und neu geordnet. Rund 75 Prozent aller Betriebe haben dies in unterschiedlicher Ausprägung gespürt. Fast 40 Prozent berichten von zahlreichen Anfragen verunsicherter Kunden, 38 Prozent von erheblichem zusätzlichem Beratungsaufwand. Rund 25 Prozent hatten weit fortgeschrittene Projekte, die erheblich betroffen waren – mit der Folge, dass Kunden, die noch unter alten Förderbedingungen beauftragt hatten, nun eine um mehrere tausend Euro geringere Förderung erhalten.

„Für unsere Betriebe war das ein Kraftakt, den niemand bezahlt", erläutert Becker. „Schlimmer trifft es aber die Kunden, die im Vertrauen auf die alte Förderung geplant und beauftragt hatten und nun zwischen den Stühlen sitzen. Für diese Fälle brauchen wir dringend eine Übergangslösung.“

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Neue Förderkulisse löst Skepsis aus

Die Wirkung der neuen Förderkulisse auf die Nachfrage beurteilen die Betriebe zurückhaltend: Gut 35 Prozent erwarten eine unveränderte Nachfrage, etwa 22 Prozent eine steigende, knapp 42 Prozent eine rückläufige.

Becker ordnet ein: „Das ist Skepsis, keine Panik. Ein Teil der heute vollen Auftragsbücher stammt von Kunden, die sich vor der Umstellung noch die alten Konditionen sichern wollten. Diese Nachfrage fehlt uns später."

Mehrheit der Betriebe hätte altes Heizungsgesetz bevorzugt

Hätten die Betriebe zwischen altem Gebäudeenergiegesetz (GEG) und neuem Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) wählen können, hätten sich gut 56 Prozent für das GEG entschieden. Nur rund 19 Prozent bevorzugen das GModG, knapp 25 Prozent halten beide für gleichwertig.

„Für das Handwerk hätte es diese Reform nicht gebraucht", betont Becker. „Jetzt ist sie da – und jetzt muss sie halten. Die Politik hat sich das Gesetz für 2030 zur Evaluation vorgemerkt. Bis dahin sollte sie die Finger davonlassen. Jede neue Änderung oder Diskussion, egal ob im Bund oder im Land, bringt nur weitere Verunsicherung, und damit weniger Klimaschutz."

Eine laufende Klage gegen das Gesetz vor dem Bundesverfassungsgericht kommentiert Becker kritisch: „Es ist das gute Recht, die Verfassungsmäßigkeit überprüfen zu lassen, aber wer das macht, macht das nicht für mehr Klimaschutz, sondern aus anderen Motiven." Quelle: ar / FV SHK-BW