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Studien

Ampel-Koalitionsvertrag ist nicht auf 1.5-Grad-Zielpfad

Ein deutlicher Photovoltaikzubau ist eine Grundvoraussetzung für das Erreichen der Klimaziele.

zhao dongfang – stock.adobe.com

Ein deutlicher Photovoltaikzubau ist eine Grundvoraussetzung für das Erreichen der Klimaziele.

Will Deutschland das Pariser Übereinkommen (1.5-Grad-Ziel) einhalten, muss der Solarstromausbau bis 2035 auf 590 GW verzehnfacht werden. Das ist das Ergebnis einer Studie der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW Berlin). Die Autoren empfehlen, den Photovoltaikzubau in den nächsten sechs Jahren auf mindestens 45 GW/a zu steigern. Der Ampel-Koalitionsvertrag sieht nur einen durchschnittlichen Zubau von 16 GW/a vor.

„Die Klimaschutzziele von Paris zu erreichen, hat für uns oberste Priorität. Klimaschutz sichert Freiheit, Gerechtigkeit und nachhaltigen Wohlstand. Es gilt, die soziale Marktwirtschaft als eine sozialökologische Marktwirtschaft neu zu begründen. Wir schaffen ein Regelwerk, das den Weg frei macht für Innovationen und Maßnahmen, um Deutschland auf den 1,5-Grad-Pfad zu bringen. Wir bringen neues Tempo in die Energiewende…“, betonen SPD, Bündnis 90 / Die Grünen und FDP in ihrem Koalitionsvertrag „Mehr Fortschritt wagen. Bündnis für Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit“.

Vom 1.5-Grad-Zielpfad sind die Leitplanken für das politische Handeln der Ampel-Koalition aber noch deutlich entfernt. Dies legen die Ergebnisse einer Studie der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW Berlin) nahe. Mit dem Koalitionsvertrag versäume die neue Bundesregierung, sich auf den für den 1.5-Grad-Zielpfad notwendigen Ausbau der Windkraft und Solarenergie festzulegen, so die Autoren der Studie.

„Guter Anfang, aber nicht ausreichend“

Das Ziel, die installierte Photovoltaikleistung bis 2030 auf 200 GW zu erhöhen, sei ein guter Anfang, reiche aber nicht aus. „Um überhaupt auf den Pfad des Pariser Klimaschutzziels zu kommen, ist mindestens die doppelte Photovoltaikleistung erforderlich“, so Prof. Dr. Volker Quaschning, Professor für Regenerative Energiesysteme an der HTW Berlin und Mitautor der Studie.

Um das Pariser Übereinkommen einzuhalten, sei Deutschland bis spätestens 2035 auf eine CO2-neutrale Energieversorgung angewiesen. Hierzu müsse die installierte Photovoltaikleistung von derzeit 59 GW auf mindestens 590 GW verzehnfacht werden. Dies erfordere einen schnellen Markthochlauf auf etwa 45 GW/a bis 2027. Der erforderliche Solarstromzubau ist von zahlreichen Rahmenbedingungen abhängig, wie die Forschungsgruppe Solarspeichersysteme der HTW Berlin mit unterschiedlichen Szenarien aufzeigt.

Energiewende geht nicht mehr ohne grünen Wasserstoff

Die Ziele der Ampel-Koalition für den Wind- und Photovoltaikausbau sind für das Einhalten des Pariser Klimaschutzabkommens zu gering.

HTW Berlin

Die Ziele der Ampel-Koalition für den Wind- und Photovoltaikausbau sind für das Einhalten des Pariser Klimaschutzabkommens zu gering.

Die Ergebnisse der Studie verdeutlichen laut den Autoren, dass an einem starken Windkraftausbau auf 200 GW an Land und 70 GW auf See kein Weg vorbeiführe. Klar sei auch: Die Energiewende sei in der Kürze der Zeit ohne grünen Wasserstoff nicht mehr realisierbar. Der Bedarf an grünem Wasserstoff sei umso höher, je länger Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor fahren und Gebäude konventionell beheizt werden.

Aus Effizienzgründen sei folglich eine rasche und konsequente Elektrifizierung des Verkehr- und Wärmesektors unumgänglich. Die Studie rechnet mit 31 Mio. Elektroautos und 12 Mio. Wärmepumpen im Jahr 2035. Voraussetzung hierfür: Ab 2025 dürften keine neuen Benzin- und Dieselautos sowie Öl- und Gas-Heizungen mehr verkauft werden.

Neben dem bereits geplanten Abbau bürokratischer Hürden müsse die neue Bundesregierung zudem einen starken Fokus auf die Qualifizierung von Fachkräften legen. Quaschning: „Allein in der Photovoltaikbranche erwarten wir mehr als 250 000 Arbeitsplätze. Um einem massiven Fachkräftemangel vorzubeugen, muss die Regierung umgehend eine breit angelegte Ausbildungsoffensive starten.“

Download der Studie Solarstromausbau für den Klimaschutz

Ist Klimaneutralität 2045 nicht ausreichend?

Das aktuelle Bundes-Klimaschutzgesetz und auch der Ampel-Koalitionsvertrag sehen Klimaneutralität erst im Jahr 2045 vor. Dies ist aber auf Basis der noch zur Verfügung stehenden Treibhausgasemissionen zum wahrscheinlichen Einhalten des 1.5-Grad-Ziel aus dem Pariser Übereinkommen nicht kompatibel. Deutschland müsste seine Treibhausgasemissionen bereits spätestens 2035 auf null zurückführen, um in den eigenen Landesgrenzen wenigstens einen Beitrag zur Begrenzung der globalen Erwärmung auf 1,7 K zu leisten. ■

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