TGA-Newsletter: 13-2009 | 27.08.2009

ANLAGENTECHNIK

Dresscode beeinflusst Klimakonzept

Das Altstadt-Palais am Scharnagl-Ring ist eine der neuen TOP-Adressen in der Münchner Innenstadt. (Quelle: TTC Timmler Technology)
Das Altstadt-Palais am Scharnagl-Ring ist eine der neuen TOP-Adressen in der Münchner Innenstadt.
Je anspruchsvoller die potenziellen Mieter eines Gebäudes sind, desto mehr müssen sich Bauherr, Architekt und TGA-Planer mit dem Thema Klimatechnik auseinandersetzen. Dabei gilt es, sowohl wirtschaftliche Aspekte, den Wunsch des Bauherrn bzw. des Mieters nach flexibler Raumaufteilung und manchmal sogar den zu erwartenden Dresscode der künftigen Mieter zu berücksichtigen. Beim Altstadt-Palais in München, zwischen der Bayerischen Staatskanzlei und der Maximilianstraße gelegen, kamen aufgrund der Triple-A-Lage nur zahlungskräftige Mieter, wie Steuer- oder Rechtsanwaltskanzleien bzw. Consultingunternehmen infrage.

Korrekter Anzug hat vergleichsweise hohen Dämmwert
Wegen des hohen Verkehrsaufkommens (Bürofläche: 9800 m2) war von vornherein klar, dass die Büros mechanisch belüftet werden müssen. Bei der Entscheidungsfindung kalkulierte der TGA-Planer mit ein, dass bei den Mitarbeitern der Mieter mit einem hohen „Verpackungsgrad“ zu rechnen ist, das Personal also ganzjährig korrekt Anzug, Kostüm oder Hosenanzug trägt. „Diese Kleidung hat einen vergleichsweise hohen Dämmwert“, erläutert Udo Keller, Münchner Niederlassungsleiter der Zibell Willner & Partner (ZWP), Ingenieurgesellschaft für Technische Gebäudeausrüstung, Köln. „Eine Kühldecke mit ihrer milden Strahlung kommt bei so gut verpackten Menschen gar nicht richtig zur Wirkung. Deshalb entschieden wir uns für aktive deckenintegrierte Kühlkonvektoren, die bei ähnlicher thermischer Wirkung jedoch rund 50 % preisgünstiger sind.“

Insgesamt wurden im Altstadt-Palais 434 aktive, deckenintegrierte Kühlkonvektoren von TTC Timmler Technology installiert.
Insgesamt wurden im Altstadt-Palais 434 aktive, deckenintegrierte Kühlkonvektoren von TTC Timmler Technology installiert.
Die Luftführung im Kühlkonvektor ist so gestaltet, dass eine große Induktionswirkung entsteht. (Quelle: TTC Timmler Technology)
Die Luftführung im Kühlkonvektor ist so gestaltet, dass eine große Induktionswirkung entsteht.




400 kg polarisierte Bergkristalle
Die Projektentwickler und Bauherren Accumulata Immobilien Development und LBBW Immobilien Capital sahen im Neubau des Altstadt-Palais die Chance, sich vom Massenmarkt abzusetzen. Ziel waren elegante Büros mit hochflexibler Flächennutzung in einem Gebäude, das nach ökologischen Grundsätzen in Verbindung mit Feng-Shui-Regeln realisiert werden sollte. So sind beispielsweise in der Sauberkeitsschicht unter der Bodenplatte (1742 m2) in einem Raster von 35 cm rund 400 kg energetisierte und von Hand polarisierte Bergkristalle im Erdreich vergraben worden, um negative Einflüsse, beispielsweise Wasseradern und Erdverwerfungen abzublocken. Letztere Vorgaben – die Harmonisierung des Menschen in seiner Umgebung nach Feng Shui-Kriterien – haben auch bei der Entscheidung über die Art der Klimatisierung mitgewirkt. Nach den traditionellen Vorstellungen der daoistischen Philosophie sollen mit Feng Shui unter anderem „die Geister der Luft und des Wassers geneigt gemacht werden können“. In diesen Themenkreis fallen auch luft- und wasserführende HLK-Systeme.
Für Kühlkonvektoren sprachen außerdem die einfache, achsweise Anordnung der Elemente und deren Versorgung mit Kaltwasser und Zuluft über Leitungen aus dem abgehängten Flur. Die Lüftung erfolgt mit konstant 1,8- bis 2-fachem Luftwechsel quasi isotherm über die Kühlkonvektoren. An Tagen mit hoher Außenluftfeuchte wird die Zuluft entfeuchtet. Die Kühllast liegt zwischen 40 und 50 W/m2, bezogen auf eine Nenntemperatur im Sommer von 24 °C. Insgesamt wurden 434 Kühlkonvektoren installiert. Geheizt wird mit einem separaten Radiatorensystem.

„Keine 08/15-Lösung“
Bei der Wahl des Fabrikates entschied sich der Bauherr für die aktiven Kühlkonvektoren C-Line, Typ ACBLE von TTC Timmler Technology, Recklinghausen. Zur Entscheidung trug neben der Wirtschaftlichkeit die Design-orientierte Konvektorabdeckung sowie der überzeugende „Feinschliff“ des TTC-Systems. „Unsere Systembausteine unterscheiden sich ganz wesentlich von den eher pragmatischen Kühlbalken aus den nordischen Ländern“, betont Volker Iczek, Technischer Leiter von TTC. „Das Projekt Altstadt-Palais war keine 08/15-Lösung, nichts von der Stange! Unser Kühlbalkensystem lässt maßgeschneiderte Lösungen zu, bei denen sowohl die Designwünsche des Architekten und des Bauherrn als auch die funktionalen Vorgaben des Anlagenbauers berücksichtigt werden.“

Ein weiterer Pluspunkt: Mit den TTC-Kühlkonvektoren lassen sich hohe Rohbautoleranzen einfach ausgleichen. Auch im laufenden Betrieb zeigt die im Altstadt-Palais installierte Lösung Vorteile: Durch die Art des Luftauslasses über Düsenplatten wird zusätzlich Sekundärluft angesaugt und damit eine starke Induktion erzeugt. Dadurch wird die austretende Luft bereits im oberen Bereich mit Raumluft vermischt. Für die Hygiene-Inspektion nach VDI 6022 lässt sich die Abdeckung über vier Riegel von unten leicht abnehmen. WS

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